«Einige Menschen nehmen durch ihr Bauchpiercing zu»

Ebikon, 19. Juli 2023 – Ohrringe, Piercings und Tunnels. Alles schön und gut, wären da nicht die Akupunkturpunkte. Im Interview mit unserer Akupunktur-Dozentin Petra Bossard.

Was geschieht eigentlich, wenn man Akupunkturpunkte dauerhaft mit einem Piercing stimuliert? Foto: pixabay.

Petra, du als Akupunkteurin. Ohrringe – ja oder nein?

Kann ich so nicht abschliessend sagen. In der Ohrakupunktur arbeiten wir viel mit den Ohrläppchen, wo unter anderem die Augenzonen sind. Mittels Pulskontrolle finden wir am Ohrläppchen den Punkt, welcher die Augen verbessern kann. Auf der anderen Seite kann man diesen Effekt auch mit bewussten Ohrlöchern erzielen. Die Betonung liegt auf bewusst.

Was meinst du damit?

Die Augenzone an den Ohrläppchen liegt genau an dem Punkt, wo üblicherweise Ohrringe gestochen werden. Ohrringe können unter Umständen sogenannte Störfelder verursachen. Wenn ein Ohrring nicht an einer optimalen Stelle gestochen wird, kann es sein, dass die Augen schlechter werden.

Was tut man in so einem Fall dagegen?

Ohrringe einfach wieder rausnehmen. So beendet man die Stimulation und das Loch kann heilen. Dies funktioniert sehr gut, ausser bei Tunnels, dort sind die Punkte jeweils zerstört und können nicht zurück in ihren anfänglichen Zustand.

Wie kriege ich das hin, dass meine PiercerIn ein «bewusstes Ohrloch» sticht?

Ich empfehle, erst bei einer AkupunkteurIn die optimale Stelle mittels Pulskontrolle zu finden. Diese Stelle dann am Ohrläppchen markieren und zur PiercerIn gehen. OhrakupunkteurInnen stechen keine Ohrringe.

Und wie siehts aus mit anderen Piercings? Beispielsweise an den Lippen?

Unsere Lippen gehören zu unserer Mitte, dem Milz-Qi – und diese Mitte kannst du mit Stimulation stärken. Das Problem dabei ist, dass unsere Lippen ständig vom Essen, Sprechen oder auch Küssen stimuliert sind. Die Gefahr eines Piercings ist dabei, dass die Lippen überstimuliert werden. Eine Überstimulierung braucht sehr viel Energie, was das Qi schwach macht. Das hat Stoffwechselprobleme zur Folge.

Wie merken das die Betroffenen?

Bei einer Überstimulation durch ein Piercing an der Lippe, wird die Haut am ganzen Körper schwammig. Bei einem Stoffwechselproblem aufgrund eines Bauchpiercings beispielsweise, bilden sich Schlacken. Einige Menschen nehmen durch ihr Bauchpiercing zu. Möchte man diese Effekte umgehen, einfach Piercing wieder rausnehmen und heilen lassen.

Gibt es Punkte, welche auch nach Rausnehmen des Piercings für immer zerstört bleiben?

Ja. Bei Tunnels, Schnitten oder Operationen. Es gibt ja Leute, welche die Zunge oder das Ohrläppchen spalten. Bei Beschwerden, kann dies nicht mehr in den Anfangszustand gebracht werden. Das Gute an unserem Körper ist aber: Er will immer zurück in den gesunden Zustand. Sprich, er probiert einen anderen Weg zu finden, damit die Beschwerden weniger auftreten. Das klappt mal gut und mal weniger gut.

Führt eine Überstimulation auch zur Störung des Gleichgewichts der Energien im Körper?

Sind die Piercings und Ohrringe bewusst gesetzt, können sie unterstützend wirken. Eine Überstimulation bildet jedoch ein Störfeld, was das Qi schwächt. Dies hat Auswirkungen auf Stoffwechsel, das Beruhigen und das Selbst- und Wertgefühl. Also gilt auch hier: bei einer dieser Störungen, das Piercing bitte entfernen.

Gibt es sonst noch was zu beachten, ausser dem Stich am richtigen Punkt?

Ja klar, das Material spielt auch eine grosse Rolle. In der Ohrakupunktur ist Stahl eher neutral, Gold tonisierend und Silber sedierend. Für Ohrringe oder Piercings wird oft medizinischer Stahl verwendet. Die Reaktion darauf ist von Mensch zu Mensch verschieden. Ich zum Beispiel, vertrage Gold, Gelbgold und Weissgold am besten. Ich empfehle hier, einen Allergietest am Handgelenk zu machen. So erfährt man, welches Material geeignet ist.

Unter diesem Gesichtspunkt, ist Piercing stechen ist also nicht ganz ohne für die PiercerInnen.

Auf jeden Fall. Viele PiercerInnen wissen ja auch nichts über die Akupunkturpunkte. Ich empfehle von Herzen, dass PiercerInnen den Kurs 5 Elemente und 14 Meridiane besuchen und so die Lokalisation der wichtigsten Punkte lernen. Und wenns kurz, aber sehr cool sein soll, dann haben wir noch den Kurs der Ohr-Diagnostik und -Behandlung. Dort lernen sie mit der Pulskontrolle, Punkte am Ohr exakt zu lokalisieren. Mit diesen Kursen würden sich die Leute den Weg von AkupunkteurIn zu PiercerIn sparen. Die PiercerIn würde also gleich das volle Paket bieten können.

Diese Kurse unterrichtest ja du. Was fasziniert dich denn so an der Ohr-Akupunktur?

Ich finde die Ohren einfach nur genial. Wenn du die Ohren betrachtest, dann siehst du ein liegendes Embryo. Durch diese Formähnlichkeit siehst du quasi schon, welche Körperstelle betroffen ist und kannst von der Mirkoebene auf die Makroebene schliessen. Das Ohrläppchen der Kopf oder wie Antihelixfalte die Wirbelsäule beispielsweise. Herrlich.

Liebe Petra. Sehr spannendes Thema, welches viele von uns betrifft. Herzlichen Dank für das spannende Interview.

Sehr gerne, liebe Nanda.

 

Petra Bossard ist Naturheilpraktikerin mit eidg. Diplom in Traditionelle Chinesische Medizin und eigener Praxis für TCM, Shiatsu und Fussreflexzonentherapie. In Ihrer Freizeit nimmt sie einen Hundeshow-Preis nach dem anderen für Ihre Hunde der Rasse Rhodesian Ridgeback entgegen.

Ihre Praxis: naturheilpraxis-bossard.ch

 

5 Elemente und 14 Meridiane

Nicht nur für PiercerInnen interessant

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Ohr- Diagnostik und -Behandlung

Petra: Kurzer aber sehr cooler Kurs

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Der Grosse Schnuppertag

Mit Referentin Petra Bossard, auch online

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Falls der Schnuppertag zu weit weg liegt

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