Ayurveda in unserer Küche?

Ebikon, 2. Juli 2020 – Ganz einfach. Ernährungs-Therapeutin und Dozentin Stephanie Albert antwortet auf unsere Fragen. Und sagt, wie sie zum Ayurveda kam.

«Ist unser Verdauungsfeuer, also das Agni, ausgeglichen, haben wir eine tolle Ausstrahlung und sind voller Energie», sagt Stephanie Albert, Ayurveda Spezialistin an der Heilpraktikerschule Luzern. (Photo: zvg)

Stephanie, indische Küche… Linsen, Linsen, Linsen?

Tja, tatsächlich. In der indischen Küche gehören Hülsenfrüchte schon sehr stark zum Alltag. Wenn wir von ayurvedischer Küche sprechen, differenzieren wir diese aber von der Indischen.

Wie denn?

Der Ayurveda empfiehlt explizit, sich regional und saisonal zu ernähren. Und da wir nicht in Indien leben, heisst das, die ayurvedischen Prinzipien in die regionale Küche einfliessen zu lassen.

Heisst das, dass ein, sagen wir, Geschnetzeltes auch zum Ayurveda gehören kann?

Ja. Entscheidend ist dabei, die Kombinationsregeln zu beachten, zum Beispiel tierische Eiweisse in einem Gericht nicht untereinander zu mischen oder rohe Früchte nicht mit Milch zu kombinieren. Und wir bauen alle sechs Geschmacksrichtungen in einem Menü ein und achten auf unterschiedliche Texturen. Zudem soll das Fleisch natürlich regional sein und in Bio-Qualität.

Und das wirkt?

Ja, zum einen kann die Nahrung so besser verdaut werden, zum andern entsteht weniger Heisshunger, da alle Sinne mit den Mahlzeiten bedient werden. Eine Komponente aus der indischen Küche ist jedoch auch im Ayurveda ganz wichtig: die Gewürze.

Inwiefern?

Zum einen haben Gewürze spezifische therapeutische Wirkungen. So kann Kurkuma Entzündungen senken, das Blut reinigen und Verdauungsbeschwerden lindern. Kurkuma wird bei Hauterkrankungen, aber auch bei Leber- und Gallenerkrankungen gerne medizinisch genutzt. Zum andern stärken die Gewürze das Agni, unser Verdauungsfeuer, das ist essentiell für die Gesundheit des Menschen. Ist unser Agni ausgeglichen, haben wir eine tolle Ausstrahlung und sind voller Energie. Denn das Agni ist der entscheidende Faktor in der Verdauung, wenn es darum geht, welche Nähr- und Mineralstoffe den Körperzellen zugeführt werden oder eben nicht.

Du sprichst da grad von Nähr- und Mineralstoffen und Körperzellen. Heisst das schlussendlich, dass im alt-tradierten Ayurveda unsere modernen westmedizinischen Kriterien eine Rolle spielen?

Im Ayurveda beachten wir klassisch die Dhatus, also die Körpergewebe, die Qualität und Menge davon. So zum Beispiel Mamsa, das Muskelgewebe. Dieses kann in ausreichender Form oder zu wenig vorhanden sein, in guter oder in schlechter Qualität. Auch darüber entscheidet hauptsächlich das Verdauungsfeuer, das Agni. Und schliesslich besteht das Körpergewebe auch wieder aus Zellen... Zudem geht es mir persönlich stark darum, das jahrtausendealte Wissen des Ayurveda mit den modernen Ansätzen der Wissenschaft zu verbinden.

Du hast als Kommunikations- und Onlinespezialistin gearbeitet. Ayurveda ist schon etwas ganz anderes. Wie bist du dazu gekommen?

Gesunde Ernährung hat mich schon immer interessiert. Als ich mit Anfang zwanzig ausgezogen bin, stand in Zürich als Erstes ein Besuch im indischen Laden an, um meinen Gewürzschrank aufzufüllen. Durch das berufsbegleitende Studium und den intensiven Beruf habe ich jedoch wenig gekocht und die Gewürze vernachlässigt.

Und dann hast du es wiederentdeckt?

Ja, nach einigen Jahren mit einem Reizdarm und einer schulmedizinischen Empfehlung, eine Ernährungsberatung zu machen, bin ich wieder bei Ayurveda gelandet. Ich war überwältigt, wie wenig es brauchte, um mir Linderung zu verschaffen. Von da an habe ich mich hauptsächlich ayurvedisch ernährt und die Faszination war erwacht. Kurz darauf habe ich mich zum Ayurveda Basiskurs angemeldet.

Da wolltest du gleich Therapeutin werden?

Nein, erstmal einfach für mich, um mehr über das «Wissen vom Leben» zu erfahren. Doch sehr schnell war klar, dass Ayurveda mein Weg ist. Und so folgten viele weitere Ayurveda-Ausbildungen. 

Und dann hast du den grossen Schritt gewagt?

Ja, ich habe meine Anstellung gekündigt, bin erstmal für eine Studienreise und einige Kochkurse nach Indien gereist und habe meinen beruflichen Ayurveda-Weg gestartet.

So loszulegen, hat das Mut gebraucht?

Einige fanden das mutig, für mich gab es aber keine andere Option, als dem Ruf meines Herzens zu folgen. Ich habe diesen Schritt nie bereut.

Du unterrichtest ja auch das Modul «Ernährung nach Ayurveda-Typologie». Was interessiert dich besonders an diesem Modul?

Oft wird dem Ayurveda nachgesagt, er wäre kompliziert und schwierig umzusetzen. Dieses Modul zeigt praxisnah, wie Ayurveda in den Alltag integriert werden kann. Es geht um individuelle Empfehlungen für sich selbst, die Familie oder FreundInnen. Die Vermittlung der Einfachheit innerhalb aller Komplexität, die später in der Ausbildung noch folgen wird, ist mir persönlich ein grosses Anliegen.

Meinst du wirklich, Ayurveda-Ernährung hilft bei Migräne, Schlaflosigkeit oder Menstruationsbeschwerden?

Ja, absolut. Das zeigt meine eigene Erfahrung, aber auch das Feedback vieler KlientInnen. Die Ernährung hat einen weit wichtigeren Einfluss auf unsere Gesundheit als viele von uns noch denken. Doch es ist wie mit dem Yoga: Man kann die Wirkung nicht in Worten erklären, man muss sie erfahren und fühlen. Dass eine bewusste Auseinandersetzung mit der Ernährung dem Erhalt und der Wiederherstellung unserer Gesundheit hilft, bin ich überzeugt. Mich hat der Ayurveda begeistert, da es nicht um eine Diät oder einen Verzicht ging. Sondern einfach darum, herauszufinden, was mir gut tut und für mich gesund ist. Sie ist weder dogmatisch noch von Verzicht geprägt. Das schätze ich so an ihr.

Zum Schluss: Darf’s auch mal was Süsses sein?

Unbedingt. Die Süsse ist im Ayurveda sogar speziell wichtig. Es kommt wie bei allem im Ayurveda – und im Leben – auf die Qualität, das Mass und den richtigen Zeitpunkt an.

Danke für das Gespräch, Stephanie.

Gern, Veronika.

 


Stephanie Albert schreibt in ihrem Blog zum Thema Ayurveda-Ernährung.

Sie ist eine Dozentin unserer Kooperationspartner, der Europäischen Akademie für Ayurveda (REAA).

 

 

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