«Ein Meilenstein in unserem Beruf»

Ebikon 2. März 2016 – Das eidgenössische Diplom ist da. Dafür muss die Höhere Fachprüfung HFP bestanden werden. Christina Brunner bietet einen Vorbereitungskurs auf die HFP AM an.

Damit man an der HFP AM nicht ins Schwitzen kommt, sondern schön «cool» und sicher bleibt, bietet Chris Brunner einen Vorbereitungskurs an.

Chris, herzliche Gratulation, du hast die HFP AM bestanden. Warst du nervös? Gab es vielleicht auch einen Moment, in dem du dachtest, oh, Mist, jetzt verpatze ich es?

Vielen Dank, ich bin sehr glücklich. Wirklich nervös war ich ja nicht, aber mein Adrenalinspiegel war schon höher. Beim Fachgespräch kam eine Frage nach der anderen. Sobald eine Frage beantwortet war, wurde die nächste gestellt. Und dann kam die Frage, wie lange es ginge, bis ein Nieren-Yang-Mangel beseitigt sei.

Und da ist es passiert?

Ich dachte, na ja, das dauert lange, aber wollen die das wirklich hören? Und so sagte ich: Lange. Wie lange? Ich antwortete: Länger als sechs Monate und es kommt auf den Patienten und das Umfeld an und so weiter. Und wieder die Rückfrage: Wie lange genau, was ist Ihre Prognose? Ich blieb bei meinen sechs Monaten oder etwas länger, dachte an die Krankenkasse, und dass sie sicher nicht ewig bezahlen möchten. Am Schluss der Prüfung hat der Prüfungsexperte gesagt, dass sein Lehrer von mindestens einem Jahr oder mehr ausgehe, und der Co-Experte, er war chinesischer Abstammung, sagte, das dauere zwei Jahre und länger.

Oh.

Ja, das war so ein Moment, wo ich dachte: Mist. Aber sonst hatte ich ein gutes Gefühl. Und nachdem ich die Fallstudie abgegeben hatte, hatte ich ja Zeit, über das Fachgespräch nachzudenken. Doch weil ich nicht an einem Vorbereitungskurs teilgenommen hatte, kamen mir Zweifel und der Gedanke, ob ich es vielleicht verpatzt habe.

Im Zentrum der HFP AM stehen ja P1, die Fallstudie, und P2, das Fachgespräch zur Fallstudie. Man könnte sagen: Ein bisschen Fallstudie und dann darüber reden, was ist da so schwierig dran?

Es klingt alles so einfach, und wir arbeiten ja schon so lange in diesem Metier. Aber eine Fallstudie zu erarbeiten, ist für mich nicht das tägliche Brot. Das neue Berufsbild mit den Kompetenzen zu lesen, alle Wegleitungen anzuschauen und zu verstehen, das alles war für mich nicht immer einfach. Oft ist es passiert, dass ich einen Satz gelesen und nochmals und nochmals gelesen habe – und ich dachte: Was meinen die nur? Ich habe viel dazu gelernt. Und das Fachgespräch habe ich mit einer Fachperson eingeübt. Und ich meine wirklich Üben, weil ich ja durchkommen wollte. Beim ersten Mal, da reichten die zehn Minuten nicht, dann war es zu holprig, dann kamen vielleicht «Ähms» und irgendwann war es dann so gut, dass ich mich sogar auf das Fachgespräch gefreut habe. Ich wollte eine Belohnung, und ich habe sie bekommen.

Es gibt ja vier Prüfungsteile. Gehen wir sie mal durch. Was ist für die Fallstudie das Wichtigste, worauf muss man achten?

Auf ganz vieles. Vor allem darauf, genau nach den Wegleitungen zu arbeiten. Und dass man alles gut plant und sich auch genügend Zeit nimmt.

Und beim Fachgespräch?

Man muss sich gut auf den Fall vorbereiten. Die Fallstudie sollte noch einmal wirklich gut durchgelesen werden. Und die zehn Minuten Vortrag sollten sitzen. Das ist schon mal ein Bonus, und es macht dich ruhiger.

Und bei P3?

Kurz gesagt: Du erhältst zwei Fallbeispiele, die du analysiert und dann vorträgst. Und dann entscheidet man sich für eines dieser Fallbeispiele und recherchiert und analysiert weiter anhand von mitgebrachten Hilfsmitteln wie Büchern oder Internet. Dann wird der Fall nochmals in einem Fachgespräch präsentiert. Da stehen sicher die Kernkompetenzen unseres Berufes im Vordergrund, und das sind einerseits die Einschätzung gemäss unserer Fachrichtung und andererseits die Sicht der Schulmedizin.

Und P4?

Da geht es im Wesentlichen ums praktische Arbeiten. Geprüft werden das praxisrelevante und fachrichtungsspezifische Denken und Handeln. Da stehen vor allem die Kernkompetenzen im Vordergrund, also «alternativmedizinisch handeln» und «therapierelevante Beziehungen gestalten». Auch das sollte nach den Wegleitungen geübt werden, und auch da ist es wichtig, unser Berufsbild genau zu kennen, da sind zum Beispiel diese Kernkompetenzen beschrieben.

Du bietest ja jetzt einen Vorbereitungskurs auf die HFP AM an, für TCM- und TEN-TherapeutInnen sowie für andere AlternativmedizinerInnen wie Ayurveda-TherapeutInnen und HomöopathInnen. Was ist das Spezielle an diesem Kurs?

In diesem Kurs arbeite ich mit den TeilnehmerInnen strukturiert und effizient an der Fallstudie, sodass sie ihre Fallstudie zwei Monate vor der praktischen Prüfung abgeben können. Und dann bereiten wir uns intensiv auf das Fachgespräch vor.

Das heisst, ich werde da an die Hand genommen und durch meine Fallstudie hindurch geführt?

Ja, genau so. Wir schauen uns die Wegleitungen an, planen und strukturieren und legen los. Schwierigkeiten und Probleme, die auftauchen, schauen wir an und lösen sie. Auch auf das Fachgepräch bereiten wir uns vor, und wir üben es in der Gruppe. Wir realisieren, wo es vielleicht auch Kompetenzlücken gibt, und haben Zeit, diese zu schliessen. Ich glaube, das entspannt schon sehr, und es hilft.

Und erfahre ich auch etwas zu P3 und P4 in deinem Kurs?

Im Fokus stehen ganz klar P1 und P2. Bei P3 und P4 werden wir die Anforderungen und den Ablauf anschauen, aber nicht vertieft bearbeiten. Es wird jeder TeilnehmerIn aber klar, welche Lücken bei P3 und P4 noch zu schliessen sind. Sei es in der Schulmedizin oder der Fachrichtung.

Garantiert mir dieser Kurs, dass ich die Prüfung bestehe?

Die Garantie geben wir uns selber, wenn wir uns ernsthaft mit der ganzen Materie befassen, sie verstehen und sie anwenden. In diesem Kurs schaffen wir den Boden und bereiten uns den Weg vor, und dann gehst du Schritt für Schritt schön strukturiert durch die HFP.

Schulmedizin war ja schon immer wichtig, jetzt wird sie sogar noch stärker betont. Wie viel bist du an der HFP AM zur Schulmedizin geprüft worden?

Während der Fallstudie, also P1, kannst du dich ja eingehend über Bücher oder das Internet informieren. Bei P2, dem Fachgespräch, sind dann schon schulmedizinische Fragen gekommen, die auf mein Thema bezogen waren. Aber auch da war ich genügend vorbereitet. Für P3 aber würde ich mich nochmals eingehend mit der Schulmedizin und den Krankheitsbildern befassen. Auch für P4, denn da können schon Fragen kommen.

Hast du eigentlich etwas aufschulen müssen oder hat dein schulmedizinisches Wissen gereicht?

Für meine Prüfungen, also P1 und P2, hat mein schulmedizinisches Wissen gut gereicht. Für P3 und P4 würde ich aber aufschulen, um sicherer zu sein.

Du, was ist eigentlich, wenn ich nicht bestehe? Kann ich es dann nochmals versuchen?

Ja, es gibt die Möglichkeit zu wiederholen. Aber das ist ja nicht das Ziel.

Und warum muss man diese HFP eigentlich machen? Was bringt sie dir?

Im Scherz habe ich einmal gesagt: Ein Diplom mehr. Natürlich ist es viel mehr als das. Es ist ein Meilenstein in der Geschichte unseres Berufes. Ich bin stolz, dass ich nun ein eidgenössisches Diplom habe. Es ist nicht mehr wegzudenken, und bald wird es keine Frage mehr sein, ob wir die HFP überhaupt machen wollen. Es bringt uns auch enorme Anerkennung von öffentlicher Seite, und auch das freut mich sehr.

Danke für das Gespräch, Chris!

  • HFP AM: Prüfungsvorbereitung

 

Christina – Chris – Brunner ist diplomierte Shiatsu-Therapeutin und «Naturheilpraktikerin mit eidgenössischem Diplom in der Fachrichtung TCM mit Schwerpunkt Akupunktur/TuiNa» und die Fröhlichkeit in Person. Ihre Praxis führt sie in Küssnacht, und sie unterrichtet an der Heilpraktikerschule Luzern.