«Shiatsu hat mir eine komplett neue Welt gezeigt»

Ebikon, 22. Juni 2018 – Claudia Sarri musste sich beruflich neu orientieren. Soeben hat sie die Shiatsu-KT-Prüfung bestanden. Ein Interview über Karriere und Gesundheit – und über eine Woche Ferien zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt.

Zuviel gearbeitet, dann mithilfe von Shiatsu wieder auf die Beine gekommen – und sogar einen neuen Beruf gefunden: Die ehemalige Marktingplanerin Claudia Sarri hat soeben die Shiatsu-KT-Prüfung bestanden. (Photo: zvg)

Die schweizweit ersten drei Shiatsu-KT-AbsolventInnen, die auf direktem Weg via akkreditierter Schule das Branchenzertifikat der OdA KT in der Methode Shiatsu erhalten, sind Claudia Sarri, Jeannine Bühlmann und Liliane Bernet. In dieser letzten Folge antwortet Claudia auf unsere Fragen. Die Interviews mit Jeannine Bühlmann und Liliane Bernet findet ihr hier im Newsroom.

Und, Claudia, hast du eine gute Zeit gehabt seit der Prüfung, es ist ja jetzt auch schon ein kleines Weilchen her. Warst du in den Ferien?

Danke, ich hatte eine gute Zeit seither. Ferien hat es zwar keine gegeben, da ich vor der Prüfung ganz spontan eine Woche eingezogen hatte, weil ich einen Tapetenwechsel brauchte. Dort habe ich nochmal richtig Energie für meinen Endspurt getankt.

Und hast du da gelernt? Es gab ja wohl genug zu tun, und bei Prüfungen weiss man ja nie?

Nein, die Schulunterlagen habe ich zu Hause gelassen und die Seele voll und ganz baumeln lassen.

Das ist ja cooler als cool. Woher nimmst du diese Gelassenheit?

Stimmt eigentlich. Wenn du mich jetzt so fragst, fällt mir das auch auf. Ich war sehr zuversichtlich und der Überzeugung, dass ich gut vorbereitet bin. Ich war aber auch so stark lerngesättigt, dass ich wohl gar nicht mehr aufnahmefähig gewesen wäre.

Es hat ja auch tiptop geklappt. Wie bist du überhaupt zu Shiatsu gekommen, du bist ja Marketingplanerin?

Meine Lehre habe ich im Reisebüro gemacht, und ich bin viel in der ganzen Welt umher gereist. Anschliessend arbeitete ich in internationalen Medizinaltechnikfirmen, zum Beispiel im Produkt-, Kongress- und Eventmanagement. Auch da war ich viel unterwegs. Dann habe ich die Ausbildung zur Marketingplanerin absolviert und mich voll und ganz meiner Karriere gewidmet. Das hiess, auch nach Feierabend noch zu arbeiten. Bis es einfach zu viel war, und ich habe gesundheitlich kürzertreten müssen. Es hat kein Weg daran vorbeigeführt, mich neu zu orientieren. Shiatsu habe ich dann während meiner Genesungsphase erlebt. Shiatsu hat mich tief berührt, bewegt und verändert. Und mir eine komplett neue Welt gezeigt.

Wie ist diese «komplett neue Welt»? Wie hat dir Shiatsu als Klientin geholfen?

Es ist eine Welt voller Ruhe, Entspannung und losgelöst von sämtlichen Verpflichtungen. Es besteht ein tiefes Vertrauen zwischen KlientIn und TherapeutIn. Mir hat das extrem geholfen, mich von dem Stress und den ganzen Umständen zu distanzieren, und es hat meinem Körper dazu verholfen, sich daran zu erinnern, was mir wirklich gut tut.

Und Shiatsu zu geben, als Therapeutin, wie ist das?

Nach meiner hektischen beruflichen Vergangenheit geniesse ich es unendlich, in dieser Ruhe zu arbeiten und mit einer KlientIn in Verbindung zu treten. Es ist ein schönes Gefühl, einen Menschen auf seinem Weg zu begleiten. Für mich ist es sehr bereichernd, und ich lerne aus jeder Begegnung etwas.

Wie bist du während deiner Genesungsphase auf die Idee gekommen, ins Shiatsu zu gehen?

Meine Hausärztin hat mir eine Visitenkarte einer Shiatsu-Therapeutin gegeben. Diesem Rat bin ich dann gefolgt.

Fürs eidg. Diplom ist Shiatsu eine Methode der Komplementärtherapie KT. Wie siehst du die KT?

Die Komplementärtherapie ist eine wichtige Ergänzung zur Schulmedizin. Ich finde es vor allem auch wichtig, den ganzheitlichen Ansatz der Verbindung von Körper, Geist und Seele anzuschauen. Der Mensch wird dabei individuell betrachtet und in der Selbstheilung gestärkt.

Während deiner Ausbildung hast du zu 60 Prozent gearbeitet. Machst du das weiter?

Ja, damit ich diesen Weg gehen konnte, habe ich mich für eine Tätigkeit entschieden, die nach dem Feierabend keine Verpflichtungen mit sich bringt, damit ich mich voll und ganz auf meine angestrebte Berufung konzentrieren konnte. Ich arbeite weiterhin in einem 60 Prozent-Pensum in einer Softwareentwicklungsfirma.

Ging das eigentlich gut, neben der Ausbildung 60 Prozent zu arbeiten?

Für mich war das eine gute Mischung, aber nur machbar, da meine Arbeitsstelle mich ausserhalb der normalen Arbeitszeiten nicht beansprucht hatte. Der Spagat zwischen den beiden total unterschiedlichen Berufen war manchmal eine Herausforderung für mich. Auf der einen Seite ist da die sehr strukturierte und rationale Arbeit in der Softwareentwicklungsfirma, auf der anderen Seite die sehr einfühlsame und emotionale Arbeit im Shiatsu.

Der Vorteil der Selbständigkeit ist ja, dass man sehr selbstbestimmt arbeiten kann. Führst du deine Praxis voll- oder teilzeit, am Tag oder zu Randzeiten? Am Wochenende?

Die 40 Prozent, die ich bis anhin in die Ausbildung investiert hatte, investiere ich jetzt in den Aufbau meiner Praxis und meiner Selbständigkeit. Ich kann mir durchaus vorstellen, einen Samstag pro Monat und einen Abend pro Woche zu arbeiten.

Einerseits habt ihr während der Ausbildung auch Praxismanagement und in diesem Rahmen auch Marketing. Andererseits bist du ja Marketingplanerin: Inwiefern nützt dir dieses zusätzliche Wissen beim Aufbau deiner Praxis?

Die Marketingplaner-Ausbildung hat mir ein breites Wissen gegeben, das mir für den Aufbau meiner Praxis hilft – nicht nur marketingspezifisch. Ich denke dabei vor allem auch an das konzeptionelle Vorgehen, also die Planung, wie die Praxis werden soll und wie der Weg dahin aussieht. Mit allen kleinen und grossen Entscheidungen, die sinnvollerweise zeitlich aufeinander abgestimmt sind.

Das noch bitte, Claudia. Vielleicht möchte ja jemand, der dieses Interview liest, selber Shiatsu lernen. Darf ich noch fragen: Wie war der Unterricht bei uns?

Die Heilpraktikerschule Luzern verfügt über ein breites Spektrum an Lehrpersonen. Ich konnte von den Unterschieden der einzelnen DozentInnen und Unterrichtsmethoden sehr profitieren. Das öffnet den Blick, macht neugierig. Ich habe dadurch unterschiedliche Perspektiven und Arbeitsweisen kennenlernt, und das hat mir die Möglichkeit gegeben, meine eigenen Ansichten zu überdenken.

Hast du für jemanden, der vielleicht auch in einer Genesungsphase – oder noch in der Ich-gebe-alles-für-meine-Karriere-Phase – steckt, einen Buchtipp?

Meines Erachtens ist in diesen Phasen ein Buch nur sehr schwer in der Lage weiterzuhelfen. Deshalb würde ich vorschlagen: Komm vorbei!

Danke für das Gespräch, Claudia.

Gerne, Martin.

Claudia Sarri (1976) hat als Marketingplanerin gearbeitet, mit hoher Drehzahl und ohne herunterzuschalten, bis ihre Gesundheit sie gezwungen hat, sich neu zu orientieren. Shiatsu hat sie zuerst während der Genesung kennengelernt, dann auch als berufliche Möglichkeit und nun tatsächlich als Beruf: Soeben hat Claudia die Prüfung zur Shiatsu-KT-Therapeutin* bestanden, jetzt geht es ans eidg. Diplom. Freizeit hat sie jetzt auch, sie liebt die Natur, ist jeweils mit Bike, Jogging- oder Wanderschuhen unterwegs. Sie entspannt beim Kochen, und ihr Herz schlägt noch immer für Reisen in andere Länder – schliesslich hat sie ihre Lehre damals in einem Reisebüro gemacht und die dazugehörenden Reisemöglichkeiten genutzt.

* Der offizielle Name ist einiges länger, nämlich: KomplementärTherapeutin mit Branchenzertifikat OdA KT in der Methode Shiatsu

Claudias Praxisadresse
Claudia Sarri
Felsenegg 1
6023 Rothenburg
079 664 49 53
www.seelentau.ch
shiatsu@seelentau.ch

Jeannines Praxisadresse
Jeannine Bühlmann
Stadthausstrasse 6
6003 Luzern
079 129 68 88
www.empora.ch
info@empora.ch

Lilianes Praxisadresse
touch for balance
Liliane Bernet
Lielisloo 47
8965 Berikon
079 381 09 12
www.touchforbalance.ch
bernet@touchforbalance.ch

Newsroom-Beiträge: zu «neuem Beruf» hier und zu «Shiatsu» hier

Ausbildungen: der Studiengang Shiatsu KT (eidg. Diplom) hier und das Modul Shiatsu Basis hier