«Plötzlich sitzt man in der Schule»

Luzern, 9. Juli 2010 – Interview mit Alexander Inderbizin

Alexander, du bist gelernter Schreiner und hast auch noch eine Bürofachlehre gemacht. Was hat dich jetzt dazu geführt, eine Massage-Ausbildung zu absolvieren?

Meine eigene Krankengeschichte. Ich habe viele Leiden und Wehwehchen mit alternativen Methoden lindern oder beheben können. Wenn man einige Bücher gelesen hat und plötzlich nicht mehr weiter kommt, muss man halt die Informationen von einer anderen Fachstelle einholen. Und plötzlich sitzt man in einer Schule. Du hast eine Familie mit drei Kindern – und machst eine anspruchsvolle Ausbildung.

Wie geht das alles an einander vorbei: sich um die Familie zu kümmern, eventuell noch Geld zu verdienen und zu all dem noch eine Ausbildung zu machen?

Das ist sicher extrem intensiv. Wie das geht, kann ich auch nicht so genau sagen. Sicher ist es sehr wichtig, einen Partner zu haben, der einen voll und ganz unterstützt. Ohne meine Frau könnte ich das alles gar nicht schaffen! Weiter sind eine sehr grosse Flexibilität und Zielstrebigkeit wesentlich. Das gilt für die ganze Familie. Auch muss das Umfeld (Arbeitsstellen, Freunde, Verwandte, usw.) mitmachen. Aber irgendwie schaffen wir das alles. Manchmal besser und manchmal müssen wir daran arbeiten.

Gibt es ein bestimmtes Erlebnis oder ein Schlüsselereignis, das dich für Massage begeistert hat?

Ja, ich hatte mit 28 einen Bandscheibenvorfall, laut Schulmedizin. Die Ärzte wollten mir den Lendenwirbelbereich über drei Wirbel versteifen. Als ich nachfragte, ob es auch noch alternative Methoden gäbe, wie Chiropraktik, Massagen oder Physiotherapie, die eine Besserung herbeiführen könnten, sagten die Ärzte, ich könne es probieren, aber es werde keinen Erfolg haben. Nach dieser Aussage habe ich mir einen Chiropraktiker in meiner Region gesucht, und nachdem er mein schulmedizinisches Röntgenbild begutachtet hatte, meinte er, dass eine Vielzahl von Muskelverspannungen mir den Nerv reizen und die geschilderten Symptome verursachen würden (Ausstrahlungen, Schmerzen, Schonhaltung usw.). Er könne das richten, aber ich müsse auch Sport machen und mir in Zukunft auch etwas Gutes tun. Er sagte, er brauche zwei Wochen, um meine Verspannungen zu lösen. So war es dann auch, und ich konnte mich wieder frei bewegen. Ich entschied mich dann, einmal im Monat zur Massage zu gehen. So konnte ich den „Bandscheibenvorfall“ beheben.

Du kombinierst den Studiengang Berufsmasseur mit myKinesiologie. Was ist der Grund dafür?

Ich finde, dass unsere körperlichen Leiden auch seelisch-geistige Ursachen haben. Kinesiologie ist für mich eine Verbindung zwischen den verschiedenen Systemen des Körpers und dem Geist und der Seele.

Du besuchst auch Shiatsu Basis, das nicht Teil des Studienganges Berufsmasseur ist. Was reizt dich an Shiatsu?

Zuerst die Wirkung und dann die Einfachheit. Für Shiatsu brauchst du eine Matte und deinen Körper. Die Wirkung ist auf allen drei Ebenen (Körper, Geist und Seele) fantastisch. Für mich bringt Shiatsu sehr viel beim Erspüren und Lösen von Blockaden. Auch kann man manchmal das Thema erspüren, das den Patienten beschäftigt. Shiatsu fliesst immer ein wenig in meine Behandlungen ein, ob ich klassische Massage, Fussreflexzonen oder Lymphdrainage mache. Es hat sehr schöne Grundsätze, die beim Empfangenden und beim Gebenden ihre Wirkung entfalten.

Wann schliesst du die Ausbildung ab? Und hast du schon eine Praxis?

Ich schliesse etwa im Sommer/Herbst 2011 die Ausbildung ab. Je nach dem, wie ich mit den Prüfungen zeitlich durchkomme. Eine Praxis habe ich noch nicht. Was ich habe, ist einen Raum, in dem ich üben kann. Manchmal mache ich auch Hausbesuche, oder ich behandle MitstudentInnen in der Schule. Das alles hat aber mehr Übungscharakter. Wer weiss, vielleicht ist es bald so weit und ich kann eine Praxis einrichten, wenn ich im Lotto gewonnen habe.

 

Alexander Inderbitzin

Seit Frühling 2009 studiert Alexander Inderbitzin, 38, an der Heilpraktikerschule Luzern Berufsmasseur mit myKinesiologie. Als selbständiger Schreiner und Vater von drei Kindern hat er daneben noch viel zu tun. Im Interview sagt Alexander, was ihn zum Studium bewegt hat und wie er die verschiedenen Anforderungen meistert.