Ein solch intensives Studium ist wie eine Lebensschule.

Interview mit Fabienne 

Warum hast du den Beruf Medizinische Laborantin gewählt?

Schon als kleines Mädchen war ich fasziniert von Mikroskopen, Blut und Medizin. Auch das Rumexperimentieren mit verschiedenen Materialien und irgendwas zusammenbrauen hat mir schon immer gefallen. Also war schnell klar, dass ich in diese Richtung meine Lehre machen werde. Mir fehlte jedoch der Kontakt zu den Menschen, und so wechselte ich nach abgeschlossener Berufslehre in ein Behindertenheim. Die Arbeit mit schwerstbehinderten Kindern gab mir enorme Zufriedenheit und Kraft. Zwei Jahre blieb ich dort, und dann reiste ich ein paar Monate durch Afrika. Danach trat ich eine neue Stelle in einem Erwachsenen-Behindertenheim an. Fast gleichzeitig startete ich mit dem schulmedizinischen Teil der Ausbildung zur Heilpraktikerin an der TAO CHI Schule in Zürich.

Wann hast du dich für Naturheilkunde zu interessieren begonnen?

Meine Mutter ging mit meinem Bruder und mir jahrelang zu verschiedenen Heilpraktikern, um unseren Heuschupfen zu bekämpfen. Zwar haben wir immer noch Heuschnupfen, aber es ist kein Vergleich zu früher, jedes Jahr ist es etwas besser geworden. Ab und zu haben wir die Heilpraktiker gewechselt, weil wir an verschiedenen Themen arbeiteten und immer mal etwas anderes ausprobieren wollten. Mit Hilfe der Heilpraktikerschule Luzern habe ich meinen Heuschnupfen sogar noch besser in den Griff bekommen.

Warum hast du dich für die HPS Luzern entschieden?

Lange war ich unschlüssig, ob ich TCM oder wie mein Bruder TEN studieren sollte. Nachdem ich mich dann für TCM entschieden hatte, habe ich verschiedene Schulen besucht, unter anderem die HPS Luzern. Schon von Anfang an war die HPS Luzern mein Favorit, auch weil es die einzige Schule war, die Phytotherapie West-TCM unterrichtete. Doch ich war noch nicht bereit, mein ganzes Leben in Bremgarten aufzugeben, und ich wollte auch nicht pendeln, entweder ganz oder gar nicht. Ich begann also zuerst den schulmedizinischen Teil in Zürich. So konnte ich noch in meiner Wohngemeinschaft und an dem alten Arbeitsplatz bleiben. Eines Nachts bin ich aufgewacht, und auf einmal ist es mir klar geworden, dass jetzt die Zeit für diesen Schritt gekommen ist.

Warum hast du dich für TCM und Shiatsu entschieden? Warum nicht TEN?

Meiner Meinung nach geht TCM tiefer und setzt sich präziser mit der Krankheit und dem Menschen auseinander. TCM differenziert mehr und bringt die Ursache auch immer mit einem bestimmten Organ in Zusammenhang. TCM unterscheidet nicht nur nach Wärme und Kälte, sondern auch nach Yin und Yang, Innen und Aussen, Fülle und Leere. Mein Bruder und ich diskutieren das natürlich, und er hat jetzt auch TCM-Kurse genommen. Diese vielen Aspekte der TCM und natürlich auch die Akupunktur faszinieren mich. Und weil ich gerne noch manuell arbeite, entschied ich mich, Shiatsu in mein Studium zu packen.

Gibt es Dinge, die du wegen deinem neuen Wissen anders machst als vor deinem Studium?

Ja, ein solch intensives Studium verändert einen enorm. Es ist wie eine Lebensschule. Ich denke, dass ich ganz anders auf Menschen zugehe, viel besser zuhöre und mich mehr in sie hinein fühlen kann. Dadurch bin ich zum Beispiel viel einfühlsamer geworden. Auch mit meinen eigenen emotionalen Themen kann ich viel besser umgehen. Viele Selbstzweifel und Unsicherheiten haben sich gelöst. Gewissen Themen gegenüber bin ich viel offener und kann auch andere Meinungen annehmen. Durch die intensive Auseinandersetzung mit mir selbst habe ich vor allem viel an Menschlichkeit gewonnen.

Wie finanzierst du dein Studium?

Als Medizinische Laborantin und im Behindertenheim habe ich ziemlich gut verdient, auf alle Fälle habe ich einen grossen Teil auf die Seite legen können. Neben meinem Studium arbeite ich noch 60%, um besser über die Runden zu kommen. Dazu habe ich mir extra eine Stelle in Luzern gesucht. Und meine Mutter hilft mir mit dem Rest aus. Doch ich muss auf kleinem Fuss leben und gönne mir nicht sehr viel. Luxus ist nicht mehr drin. Das wusste ich aber von Anfang an, und deshalb stimmt es jetzt so auch für mich.

Ist dir das modulare System der HPS Luzern eine Hilfe?

Dieses System hat viele positive Seiten, doch auch einige negative. Durch die unregelmässigen Schulstunden war es für mich relativ schwierig, eine geeignete Arbeitsstelle zu finden. Gewisse Arbeitgeber waren überhaupt nicht flexibel. Auf der anderen Seite kann man so jederzeit mit dem Studium beginnen und hat nicht eine eigene Klasse, sondern lernt in jedem Modul wieder neue Studenten kennen. Das gibt einen intensiven Austausch zwischen den Studenten, was mir persönlich gefällt.

Wie ist das Studium?

Ich bin sehr zufrieden, und auch das Praktikum hat die HPS Luzern gut gelöst. Man hat verschiedene Möglichkeiten, die von der SBO-TCM geforderten Stunden zu absolvieren. Ich habe mich für die schulinterne Variante entschieden, als Assistentin mit zwei verschiedenen Therapeuten. So lerne ich verschiedene Arbeitsmethoden und kann enorm viel profitieren. Für 160 Praktikums-Stunden war ich noch am National Hospital of Traditional Medicine in Vietnam. Mit all diesen Möglichkeiten und Varianten werden wir sehr gut auf eine eigene Praxis und die Selbständigkeit vorbereitet.

Hat es dich von Anfang an fasziniert, selbständig zu werden?

Die Selbständigkeit macht mir heute noch Angst. Doch auch das ist eine Herausforderung, der ich mich stellen werde. Dabei kann ich sicher auch viel lernen. Vielleicht belege ich noch das Modul «Praxismanagement». 

Hast du schon eine Praxis bzw. einen Plan, wie du deine Kenntnisse beruflich anwenden wirst?

Eine eigene Praxis führe ich noch nicht, dafür ist es für mich noch zu früh. Mein Traum ist es, in einer Gemeinschaftspraxis zu arbeiten und nebenbei als Shiatsu-Therapeutin in einem festen Arbeitsverhältnis. So hätte ich genügend Zeit, um mir ein Patienten-Klientel aufzubauen, und wäre doch finanziell abgesichert.

Wann schliesst du ab?

Mit dem schulischen Teil bin ich bereits fertig, ich arbeite jetzt als Heilpraktiker-Assistentin und auch selbständig an der HPS Luzern mit Supervision. Einen Teil der Prüfungen habe ich bereits geschafft, die anderen stehen noch an. Mein Ziel ist es, bis im Herbst 2011 alles abgeschlossen zu haben, inklusive Diplomarbeit.

Fabienne Beyeler

Die Medizinische Laborantin Fabienne Beyeler (29) hat für ihr Studium gleich den Wohnort gewechselt: Sie ist von Bremgarten nach Luzern gezogen und hat sich hier auch eine neue Stelle gesucht, die sich mit dem Studium vereinbaren lässt. Fabienne studiert seit Februar 2007 TCM und Shiatsu. Ihren Teilzeit-Job hat sie ein paar Schritte von der Heilpraktikerschule Luzern entfernt gefunden: im Frühstücksdienst des Hotel Palace. Momentan vertieft sie ihr Wissen und Können als Heilpraktiker-Assistentin an der HPS Klinik. Dieses Jahr wird sie abschliessen, und so schreibt sie gerade an ihrer Diplomarbeit.