«Das ist Weiterbildung, persönlich auf mich zugeschnitten»

Die Shiatsu-Therapeutin Alice Stöckli-Fischer besucht regelmässig die Supervision, und zwar bei Ulrike von Blarer Zalokar. Doch was ist eigentlich Supervision, und wie genau läuft sie ab? Im Interview sagt Alice Stöckli-Fischer, was ihr dieser Termin an der Heilpraktikerschule Luzern bringt. 

Alice Stöckli-Fischer, was war der Anlass für dich, in die Supervision zu gehen?

In der ersten Zeit nach meiner Ausbildung fühlte ich mich noch etwas unsicher, denn mir fehlte die Praxis-Erfahrung. Damals war es noch nicht möglich, ein Praktikum zu absolvieren, um diese wichtigen Erfahrungen gut begleitet sammeln zu können. So entschloss ich mich, meine Arbeit regelmässig supervisieren zu lassen. Was ich mir damals sehr gewünscht hätte, ist nun möglich, werden doch jetzt Praktika an der HPS Luzern angeboten.

Wie läuft so eine Supervision ab?

Während der Arbeit in meiner Shiatsu-Praxis sammle ich anstehende Fragen, notiere mir auftauchende Unklarheiten. Vor der Supervisionsstunde setze ich dann Prioritäten, was ich besprochen haben möchte. Das können zum Beispiel gezielte Fragen zu Krankheitsbildern sein. Ich kenne die Diagnose der Klientin aus der westlichen Medizin, möchte nun aber die Sicht aus der TCM genauer erkunden. Oft bringe ich ein Fallbeispiel mit. Beim Analysieren werden ganz verschiedene Aspekte besprochen. Ulrike zeigt mir gezielte Behandlungsmöglichkeiten auf, sei es durch Shiatsu, durch Diätetik oder Phytotherapie. Manchmal gibt sie mir Hinweise auf andere Therapieformen. Meine Fach-, Methoden- und Sozialkompetenzen werden dadurch überprüft und supervisiert.

Du nutzt dieses Angebot regelmässig. Was bringt es dir genau?

Seit ich die Ausbildung abgeschlossen habe, vereinbare ich mit Ulrike regelmässig einen Supervisionstermin, anfänglich einmal pro Monat. So werde ich kompetent begleitet und erhalte auf meine Fragen Antworten, die mich weiter führen. Von Ulrikes immensen Erfahrungen zu profitieren, das hat mir sehr viel Sicherheit gegeben. Schliesslich habe ich auf einen zweimonatigen Supervisionszyklus reduzieren können. Seit ich meine Zusatzausbildung für Trauma-Arbeit abgeschlossen habe, supervisiere ich diese Arbeit ebenfalls regelmässig. So habe ich jetzt nur noch alle drei Monate eine Supervision an der HPS Luzern. Es ist wirklich ein gutes Gefühl, kompetente Personen im Rücken zu haben. Das ermöglicht es mir, meine eigenen Kompetenzen laufend zu erweitern. So wird Supervision zu einer Weiterbildung, die persönlich auf mich zugeschnitten ist.

Du bist ja in die Supervision, weil du damals kein Praktikum machen konntest. Jetzt, da es diese Praktika ja gibt: Kannst du die Supervision dennoch empfehlen?

Ja, unbedingt. Ich empfehle es allen, die eine eigene Praxis führen, die sich mit ihrer Arbeit immer wieder kritisch auseinandersetzen wollen und offen sind für hilfreiche Tipps

 

Ein Beispiel, wie Supervision bei einer Behandlung geholfen hat:

Bei einer dreissigjährigen Klientin ist Endometriose diagnostiziert worden. Sie möchte aber im Moment keinen operativen Eingriff, sondern sie versucht zunächst, ihre Beschwerden mithilfe von Shiatsu-Behandlungen zu lindern.

In der Supervision haben wir das Beschwerdebild sowohl aus Sicht der westlichen Medizin wie auch aus Sicht der TCM genau analysiert. Für mich war es wichtig zu wissen, ob eine Operation in diesem Fall verschoben werden darf. So haben wir ein ganzheitliches Behandlungskonzept ausgearbeitet, das uns die Sicherheit gab, dass auf eine Operation verzichtet werden kann, zumindest vorerst. Zu diesem Konzept zählten natürlich die ganz gezielte Energiearbeit mit Shiatsu sowie die Ernährungsumstellung. Gerade die Ernährung schien mir wie auch Ulrike zentral, und eine Umstellung unumgänglich. Ulrike hat mir dazu sehr nützliche Tipps gegeben. Ebenfalls haben wir Rezepturen ausgearbeitet, um die Klientin phytotherapeutisch zu unterstützen.

Zusätzlich haben wir uns überlegt, wie die Klientin zu begleiten ist, damit sie sich der emotionalen Anteile ihrer Beschwerden bewusst werden kann. Regelmässig konnte ich in der Supervision nachfragen und mich kompetent beraten lassen.

Schon bald nach den ersten Shiatsu-Behandlungen bemerkte die Klientin eine positive Veränderung. Die Umstellung der Ernährung sowie die Unterstützung durch die Phytotherapie verminderten zusätzlich ihre Beschwerden und stärkten ihr allgemeines Wohlbefinden. Die Klientin war sehr offen, und wir diskutierten mögliche Veränderungen ihrer emotionalen Situation. Dank der guten Zusammenarbeit wurden die Ziele dann tatsächlich erreicht.

Die Klientin geht regelmässig zur ärztlichen Kontrolle, und bis heute musste sie sich keiner Operation unterziehen.

Alice Stöckli-Fischer, Shiatsu SE Traumatherapie, SHIATSU-Praxis Gesundheitszentrum Apotheke Kaufmann AG, 6130 Willisau, www.apowill.ch, alice.stoeckli(at)bluemail.ch