«Ich habe geübt und geübt und geübt»

Luzern, 22. Oktober 2012 – Doris Mutter, 52, sah am Info-Abend vom Mai 2001 den Shiatsu-Film, und ihr wurde sonnenklar, wohin ihre Reise geht. Doris war Verkäuferin und ist jetzt Shiatsu-Therapeutin, Dozentin und Prüfungsexpertin.

Doris, du warst Verkäuferin. Dann hast du dich entschieden, Shiatsu-Therapeutin zu werden. Wie ist es zu dieser Wende gekommen?

Doris Mutter: Ja, Verkäuferin war mein Ursprungsberuf, aber befriedigt hat mich dieser Beruf nie. Die Wende brachte mein Bedürfnis nach einer verantwortungsvollen Aufgabe, bei der ich mich auf einer tieferen Ebene mit anderen Menschen unterhalten kann, und das eben nicht nur verbal, sondern auch über den Körper und die Seele.

Bringt eine Praxis das sichere Einkommen, das du vorher gehabt hast?

Auf jeden Fall. Als Verkäuferin hatte ich ja auch nicht gerade einen riesigen Lohn.

Dann war es gar nicht schwierig, deine Praxis zum Laufen zu bringen?

Kurz nachdem ich die Ausbildung begonnen hatte, habe ich mir einen Raum gemietet. Und ich habe geübt und geübt und geübt und geübt und Behandlungen gegeben. Und das hat sich herumgesprochen. Nur so kann ich es mir erklären, dass es überhaupt nicht schwierig war, meine Praxis zum Laufen zu bringen. Es war quasi ein Selbstläufer, ohne Werbung und so. Wahrscheinlich war mein Herzblut genug Werbung.

Ist dir die Entscheidung schwer gefallen, eine neue Karriere anzufangen?

Überhaupt nicht. Ich wusste ja schon lange, wohin die Reise gehen sollte, aber ich hatte einfach das passende Fahrzeug für diese Reise noch nicht. Das erhielt ich erst, als ich den Shiatsu-Film von Ulrike und Peter am Info-Abend gesehen hatte. Und da war mir sofort klar, was ich tun werde, und das habe ich dann auch getan. Jetzt habe ich einen Beruf, der mich wirklich glücklich macht.

Meistens sind ja solche Entscheidungen eher schwer zu treffen. Was hat sie dir so leicht gemacht?

Es gibt diese innere Gewissheit, das Richtige gefunden zu haben, und die hatte ich damals, und heute habe ich sie immer noch. Und Shiatsu gefällt mir halt auch, weil ich dabei selbst in Bewegung bin, sogar in Körperkontakt mit der KlientIn. Bewegung ist mir wichtig, ich habe seit meiner frühesten Kindheit intensiv Sport getrieben, und so kann ich mein Bedürfnis, mich zu bewegen, in die Therapie miteinbeziehen.

Was gefällt dir am besten an deinem jetzigen Leben?

Dass ich noch immer auf der Reise bin. Ich bin nirgends angekommen, es ist alles im Fluss.

Du unterrichtest ja an der Heilpraktikerschule, z.B. Shiatsu Basis. Was ist das Tolle an diesem Modul?

Das erste Modul ist der Grundstein für die ganze Ausbildung, die SchülerInnen lernen die Hara-Diagnose, alle Meridiane und sich richtig zu bewegen, also aus dem Hara, der Bauchmitte, heraus. Sie lernen also sehr viel, und am Ende dieses Moduls können sie sogar schon ein kleines Shiatsu geben. Es macht mich sehr glücklich, wenn ich sehe, wie die SchülerInnen meine Liebe und Leidenschaft für diesen Beruf übernehmen – und auch die Verantwortung.

Was meinst du mit Verantwortung?

Die KlientInnen vertrauen sich mir ja an, sei es auf der körperlichen Ebene, sei es über das Gespräch, also auf der emotionalen Ebene. Ich habe die Verantwortung, mit diesem Vertrauen richtig umzugehen, es anzunehmen, zurückzugeben und vor allem nicht zu enttäuschen. Egal, um welches körperliche Leiden es geht, jedes hat seine Ursache immer in der Tiefe. Für mich ist immer gerade das besonders wichtig, was hinter dem körperlichen Leiden ist. Das, was sich in der Tiefe verbirgt. Es geht immer um mehr als körperliche Themen, ja, viele meiner KlientInnen tragen Themen mit sich, die nicht sehr leicht sind, manchmal geht es sogar um existenzielle Themen. Shiatsu-TherapeutIn zu sein, das hat also sehr viel mit Verantwortung zu tun.

Und trotz aller Verantwortung und Tiefe der Ursachen von körperlichen Problemen: Das hört sich nach Schwere an, doch für mich hat Shiatsu – als Shiatsu-Empfangender – immer eine unglaubliche Leichtigkeit und Entspanntheit, ja Freude. Wie siehst du dieses Moment der Freude?

Ja, da hast du vollkommen recht. Beim Shiatsu bin ich mit meiner KlientIn in direkter körperlicher Berührung. Achtsame und liebevolle Berührung vermittelt Gefühle von Sicherheit und Geborgenheit, es ist, wie wenn man gehalten wird. Das wiederum erlaubt es, loszulassen, und das führt zu Entspannung und Leichtigkeit. Somit geschieht Heilung oftmals fast von allein.

Wie ist es eigentlich nach einem ganzen Tag Shiatsu geben: Bist du da nicht fix und fertig? So viel Bewegung, so viel Drücken, Ziehen und Dehnen?

Nein, fix und fertig habe ich mich nach einem Arbeitstag noch nie gefühlt. Müde ja, aber das darf ja auch sein. Ich fühle mich müde, aber nie erschöpft oder gar ausgelaugt.

Was empfiehlst du jemandem, der oder die sich für eine Ausbildung in Naturheilkunde interessiert, sich aber noch nicht sicher ist?

Auf die innere Stimme hören! Und damit meine ich nicht den Verstand. Sehr gut ist es natürlich, in die verschiedenen Module einzusitzen und den Unterricht vor Ort mitzuerleben. Auch hilft es, den Kontakt nicht zu scheuen und sich mit TherapeutInnen, DozentInnen und SchülerInnen zu unterhalten.

Danke, Doris, für dieses Interview.

 

Doris Mutter, 52, sah am Info-Abend vom Mai 2001 den Shiatsu-Film, und ihr wurde sonnenklar, wohin ihre Reise geht. Doris war Verkäuferin und ist jetzt Shiatsu-Therapeutin, Dozentin und Prüfungsexpertin.

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