«Hochgefühle sind Gehirn-Nahrung pur»

Ebikon, 11. Dezember 2015 – Hirn-Nahrung hält das Gehirn jung. Damit sie aber richtig nützt, muss man vielleicht sein Leben ändern, sagt Diplom-Pädagogin Eva Maria Wagner: weniger Sorgen und Pflichtübungen, mehr Freude und Begeisterung.

Eva Maria Wagner: Für das Gehirn ist alles wichtig, was das Herz berührt. Das Modul «Das Gehirn jung halten» steht allen offen, die das Handwerkszeug dazu lernen – und sich inspirieren lassen möchten.

Eva Maria, das Gehirn jung zu halten – heisst das, täglich Sudokus zu lösen oder ein Gedicht auswendig zu lernen?

Absolut nicht – es sei denn die damit verbundenen Informations- und Lernprozesse sind emotional so bedeutsam, attraktiv und spannend für den Betreffenden, dass Botenstoffe wie Dopamin und andere ausgeschüttet werden, die die Aufmerksamkeit und die Gedächtnisleistung intensivieren.

Also spannend muss es sein, dann bleibt das Gehirn jung?

Eher beglückend, begeisternd. Denn die Begeisterung, mit der wir etwas tun, ist entscheidend. Jede einseitige – zeitweise auch noch so beglückende – Tätigkeit führt über kurz oder lang zu Ermüdung, wenn sie nicht dazu inspiriert, eine neue, andere Erfahrung zu machen als bisher. Menschen, denen es gelingt, ihr Gehirn auf immer wieder andere als die bisher gewohnte Weise zu benutzen, stärken ihr Gehirn. Die Wissenschaft nennt diesen Prozess Potenzialentfaltung. Alles, was mit der Zeit zu eintönig wird oder was wir nur als blosse Pflichtübung absolvieren, ohne dass es wirklich unser Herz berührt, allein aus einem Muss, einer Angst oder Sorge heraus, schmälert unsere Lern- und Lebenslust und lässt unsere Hirnverschaltungen eher erstarren und absterben als wachsen.

Also beglückend und immer wieder anders?

Ja. Schau: Warum lernen Kinder so leicht und voller Begeisterung? Weil sie im Hier und Jetzt leben und bei dem, was sie beschäftigt, voll und ganz dabei sind, sich von ihm berühren, faszinieren lassen …, es dann aber auch wieder loslassen, um sich Neuem zuzuwenden, was ihr Interesse oder Wohlgefühl weckt… . Sie schaffen es, weil ihr Gehirn noch jung und elastisch ist. Es ist noch nicht so belastet, verkrustet mit all den hinderlichen Konditionierungen, Glaubenssätzen und Vorerfahrungen, Zwangs- und Pflichtmustern, Auswirkungen von Giften und Fehlernährung, … wie es bei Erwachsenen der Fall ist. Je früher aber Kindern die nötige Geborgenheit vorenthalten wird und ihr sensibles System in den Strudel der Überforderung und anderer gesundheitsschädlicher Einflüsse gerät, desto schneller und deutlicher zeigen auch sie die Symptome hirnbedingter Leistungsdefizite. 

Merke ich überhaupt, ob mein Gehirn jung oder alt ist? Woran?

Ja, du kannst es merken. Bist du noch begeisterungsfähig und ausdauernd genug, für das, was dich wirklich weiterbringt? Wie gut kannst du dich auf das, was im Moment wesentlich ist, konzentrieren – ganz banal: auch beim Zähneputzen auf das Zähneputzen, beim Gehen auf das Gehen. Bist du Sklave deines Kopfkinos und musst dabei feststellen, dass dessen Programme allmählich immer destruktiver, negativer und angsterregender werden? Wie sieht es mit deiner Lernfähigkeit aus? Bist du übermässig vergesslich? Verzettelst du dich mit Unwesentlichem? Wird dein Blick immer starrer und enger, so dass du nicht mehr über deinen Tellerrand hinausschauen magst und akribisch an Dingen festhält, die schon längst keine Relevanz mehr für dich haben? Kannst du nicht mehr gut schlafen, weil eine innere Unruhe dich wachhält? Oder bist du den ganzen Tag so schläfrig, so lustlos, dass dich nichts mehr vom Hocker reissen kann, du die Schönheiten des Lebens nicht mehr zu sehen vermagst und du die Dinge eher freudlos und pessimistisch betrachtest, als dich neugierig zu fragen: Was steckt denn da für ein Geschenk darin? Was kann ich denn hier Positives lernen? Das alles muss nicht bedeuten, dass das Gehirn alt ist, aber es sind Anzeichen dafür, dass wir auf dem Weg sind, das Potenzial unseres Gehirns nicht angemessen zu nutzen. Und was wir nicht nutzen, verlieren wir. Man sagt: Use it or loose it – in der Gehirnstruktur wird dies deutlich sichtbar. 

Und als TherapeutIn: Woran erkenne ich bei jemand anderem, ob sein bzw. ihr Gehirn jung oder alt ist?

An genau den eben erwähnten Symptomen, an der Stressbelastung des Menschen und den daraus resultierenden physischen Veränderungen: Ablagerungen in den Gefässen, Organschwächen, verminderte Immunabwehr, reduzierte Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit. Viele Gehirnausfälle sind primär nicht gehirnbedingt, sondern krankheitsbedingt. Wenn wir aber dort nicht die nötige Abhilfe schaffen, zieht das Gehirn unweigerlich nach – mit all den sich wiederum daraus ergebenden physischen und psychischen Leistungsausfällen. 

Und wenn jemand über Stress klagt?

Ja, Stress spielt hier eine ausschlaggebende Rolle. Stress gilt als Hauptursache für die Alterung des Gehirns – egal, ob er entsteht, weil wir zu viel, zu wenig oder das Falsche machen. Oder wir uns Lebensumständen aussetzen, die eine entsprechende Wirkung auf uns haben. 

Eigentlich heisst das ja, dass man auch die Lebensführung etwas überdenken müsste?

Das stimmt. Aber das Überdenken ist nur die eine Seite der Medaille, die andere – und meist viel schwierigere – lautet: die anstehenden Veränderungen auch vorzunehmen. Die Rossini-Methode – eine dynamische Entspannungsmethode – deren wichtigste Elemente ich im Modul «Das Gehirn jung halten» unterrichte, kann hier eine grosse Hilfe sein. In Verbindung mit Musik, Bewegung, Tanz, Affirmationen und inneren Bildern werden hier auf spielerische Weise, Glückshormone stimuliert, Nervenbahnen neu verschaltet und positive Erfahrungen im Körpergedächtnis verankert. Ich halte diese Methode für eine der wirksamsten, um Stress sinnvoll begegnen zu lernen und auch Ziele beherzter und kraftvoller anzugehen. Die Methode weist eine recht hohe Erfolgsquote auf, und das nicht nur, weil sie leicht zu erlernen ist und schnell zu deutlichen Verbesserungen führt, sondern vor allem – so denke ich – weil sie einfach Spass macht. 

Jetzt, wo es um Lebensführung geht, scheint mir meine nächste Frage etwas schief. Trotzdem: Gibt es Nahrung, die speziell fürs Gehirn gut ist?

Natürlich gibt es so etwas wie Brainfood, und ich messe ihm grosse Bedeutung bei. Wir werden in dem Modul ausführlich darauf eingehen, mit welchen Nahrungsmitteln wir die nötige Versorgung und damit auch die Leistungsfähigkeit des Gehirns optimal unterstützen können. Aber – und das ist der Grund, warum du deine Frage für schief hältst – die Zufuhr einer gehirngerechten Nahrung allein garantiert noch nicht, dass sie auch ihre Wirkung zeigt und wir die anderen wesentlichen Bedingungen, von denen wir gerade gesprochen haben, ausser Acht lassen könnten.

Warum altert das Gehirn überhaupt? Ist es der Zahn der Zeit, der daran nagt?

Gehirnalterung bedeutet: Die Präzision der Zellfunktionen lässt nach. Hinzu kommt ein Verlust an neuronalen Zellen und Verschaltungen, das lässt sich sogar zeigen. Die steigende Anzahl der Lebensjahre spielt dabei eine gewisse Rolle, aber bei weitem nicht die, die ihr vielfach zugeschrieben wird. Wie schnell der Alterungsprozess vonstattengeht, hat viel mit uns selbst zu tun, unserer Einstellung, unserem Lebensstil und Verhalten. Unsere Möglichkeiten, das Gehirn jung zu halten, sind vielseitig – auf physischer wie auch geistig-seelischer Ebene.

Zum Beispiel?

Eine der wichtigsten Voraussetzung für eine möglichst jugendliche Gehirnfunktion sehe ich darin, den nötigen Energielevel des Gehirns für seine laufenden Umbau- und Regenerationsprozesse zu gewährleisten. Er steigt, wenn wir uns vermehrt dem widmen, was uns innerlich zufrieden und glücklich macht. Und das hat viel mit der Bewältigung sinnvoller, erfüllender Aufgaben und der Weiterentwicklung unserer „inneren“ Werte zu tun. Kommt eine Aufgabe auf uns zu, die zu unserem geistig-seelischen Wachstum gedacht ist, und wir setzen sie auch um, bekommen wir einen Energieschub und ein Hochgefühl. Das ist Nahrung pur für das Gehirn. Wir verschwenden vielfach Zeit mit Aktivitäten, die das Gehirn zwar in Anspruch nehmen, aber zu wenig Energie für seine Gesund- und Jungerhaltung kreieren und zudem wertvolle Nährstoffreserven verschleissen. Daraus ergibt sich nicht nur ein Mangel an Lebensfreude und Begeisterung für das Leben, sondern auch ein Mangel an dem Gefühl der inneren Stimmigkeit, mit dem eigenen Tun und Sein, sich selbst und andere genügend zu beschenken. Neuronale Zellen und Zellverschaltungen bekommen so nicht das nötige Futter, gehen zugrunde und bilden sich nicht neu. Das Gehirn liebt eines: Es möchte uns darin unterstützen, uns den uns allen innewohnenden Wunsch nach Entfaltung des individuellen Potenzials zu erfüllen. Solange es das kann, wächst und gedeiht es zu unserem Wohle. 

Für wen ist dieser Kurs interessant? Und gibt es da nur graue Theorie für graue Zellen? Oder auch die eine oder andere Übung?

Oh, da stellst du mir gleich mehrere Fragen. Nur graue Theorie wird es nicht geben, es würde das Gehirn langweilen und erschöpfen. Mit einem gewissen Mass an Theorie werden wir uns beschäftigen, um die Grundlagen und Hintergründe neuronaler Alterungsprozesse zu verstehen, aber der viel wichtigere Aspekt liegt darin: Was können wir konkret zur Jungerhaltung des Gehirns tun und was erleichtert es uns, dies auch umzusetzen? Die zentralen Fragen sind:

  • Wie schaffen wir es, dem Gehirn die notwendigen Nähr- und Wirkstoffe in der richtigen Qualität zu geben, so dass seine Leistungsfähigkeit nicht nachlässt, sondern zunehmen kann?
  • Wie können wir das Gehirn umsichtig entgiften und weiteren Belastungen durch schädliche Stoffe und Schwingungen bewusst entgegenwirken?
  • Wie verbessern wir in kurzer Zeit die Zusammenarbeit des Kopf-, Bauch- und Herzhirns, so dass wir viel stressresistenter, selbstsicherer und glücklicher werden?
  • Wie regen wir das Gehirn dazu an, seine neuronalen Verschaltungen effizienter und üppiger zu gestalten, zum Wohle unser Gesundheit und Persönlichkeitsentfaltung?
  • Von welchen Tätigkeiten profitiert das Gehirn besonders, und was braucht es, um sich regelmässig auch wieder erholen zu können?

Und wie wird das konkret aussehen?

Das Modul erschliesst neben dem theoretischen Basiswissen, auch vielerlei praktische Anregungen und Übungen, die neue Zugänge zu sich selbst und der individuellen Gesundheitsförderung ermöglichen. Dazu gehören nicht nur wirksame und alltagstaugliche Ernährungs- und Gesundheitstipps, sondern auch lustvolle musikalische Bewegungsspiele, wohltuende Entspannungs-, Stille- und Wahrnehmungsübungen wie auch Methoden zur Umprogrammierung verhärteter Konditionierungen und emotionaler Lasten. Das alles bietet neue Erfahrungsmöglichkeiten, hilft, das Gehirn zu stimulieren und mit frischer Energie zu versehen. Daraus erwächst ein viel feineres Gespür für das, was einem persönlich wesentlich ist und dem Gehirn die nötige Unterstützung gibt.

Für wen ist das Modul geeignet?

Für jeden, der nach neuen Impulsen sucht, die Jungerhaltung seines Gehirns gezielt zu fördern. Das Handwerkszeug, das dieses Modul dazu bietet, eignet sich wunderbar auch zur Anwendung im therapeutischen Feld, um auch dort eingefahrene Bahnen zu beleben und zu erweitern.

Danke, Eva Maria, für das Gespräch!

 

Eva Maria Wagner ist Diplom-Pädagogin, Gesundheitspädagogin und Erwachsenbildnerin, ebenfalls hat sie eine Ausbildung in «Focusing-Beratung», «Liebevoller Zwiesprache nach Peggy Paquet», «Gordon-Familientraining» und als «Familienaufstellerin» absolviert. Für ihre Weiterbildungsseminare an der Heilpraktikerschule Luzern bereitet Eva Maria oft Themen auf, die weniger eine spezialisierte Teilkompetenz stärken und trainieren, sondern vielmehr eine neue Perspektive eröffnen. Deswegen stehen die meisten ihrer Seminare auch Laien offen, also allen, die sich in ein neues Thema einarbeiten möchten. Dazu gehören zum Beispiel das Modul «Somatische Intelligenz – Die Körperweisheit zu Rate ziehen» oder das Modul «Das Gehirn jung halten». Eva Maria geht Themen nach, die das Leben verbessern und die Lebenfreude erhöhen. Eva Maria lebt in Rigi Kaltbad.