«Ayurveda orientiert sich am Positiven»

Ebikon, 6. Mai 2016 – Eine Ayurveda-Fussmassage ist wunderbar angenehm und vermag schon einiges zu bewirken. Dozentin Sigrun Laepple Haake im Interview.

Für die Photographin demonstriert Sigrun Laepple Haake spontan eine Rückenmassage. Am Grossen Schnuppertag führt die Ayurveda-Therapeutin die Schnupperkurs-TeilnehmerInnen in die Kunst der Ayurveda-Fussmassage ein.

Sigrun, wie wichtig ist die Fussmassage innerhalb des Ayurveda? Ist es einfach eine Feelgood-Massage?

Natürlich ist es eine Feelgood-Massage, sie kann jedoch weitaus mehr. Ihr Name lautet Pristabhyanga, und es gibt zwei Arten dieser Fussmassage. Die eine beruhigt das Luftelement, wir benutzen wärmende Öle dazu, zusammen beruhigt das Nervensystem, reduziert Stress und fördert den Schlaf. Die andere Art entzieht übermässige Hitze. Dazu nehmen wir kühlende Substanzen, vor allem natürlich im Sommer oder bei zu viel Hitze im Körper. Dieses Zuviel an Hitze in Körper und Kopf kann sich in Kopfschmerzen, entzündlichen Prozessen, Augenbeschwerden und vielem mehr zeigen.

Das heisst, eine Fuss- bzw. Pristabhyanga-Massage kann wirklich einiges bewirken. Woran liegt das?

Pristabhyanga erreicht den ganzen Köper mit all seinen Organen und Muskeln über die Marma-Punkte am Fuss – vergleichbar mit den Reflexpunkten. Sie stärkt dadurch auch das Immunsystem. 

Und woran liegt es, dass Fussmassagen immer so unglaublich angenehm sind?

Beide Arten werden mit langsamen Bewegungen ausgeführt, mit sanftem Druck. Das ist sehr angenehm, richtig «Feelgood», wie du am Anfang gesagt hattest. Ausserdem vernachlässigen wir unsere Füsse ja etwas, obwohl wir sie ja im Normalfall den ganzen Tag beanspruchen. Sie tragen und halten uns und bringen uns von einem Ort zum anderen. Wir putzen unsere Zähne, pflegen unsere Nägel, unsere Haut, wir essen und trinken, aber die Füsse kommen zu kurz. Daher ist eine Fussmassage eine Wohltat, und eigentlich sollte man sie sich täglich gönnen – in Form von einer Selbstmassage und regelmässig auch bei einer geschulten TherapeutIn. 

Öle sind im Ayurveda sehr bedeutsam. Inwiefern? Und gilt das auch für die Fussmassage?

Ja, Öle können die Wirkung der Massage verstärken bzw. verändern. Im Ayurveda kennen wir eine ganze Reihe von spezifischen Ölen, zum Beispiel kühlende, wärmende, erhitzende, entgiftende, nährende und fettende. Wir widmen den Ölen viel Aufmerksamkeit, es gibt sogar gewebespezifische Öle, und wir nutzen auch die Eigenschaften von Substanzen, die wir in langen Zubereitungsprozessen den Ölen hinzugeben. Im Pristabhyanga benutzen wir das sogenannte Ghee, das ist das reine Butterfett. Auch Sesamöl verwenden wir oft, zubereitet mit bestimmten Kräutern.

Greifen die TeilnehmerInnen deines Schnupperkurses schon gut ins Öl? Muss man sich nachher ordentlich waschen?

Natürlich, die TeilnehmerInnen sollen ein gutes Gefühl dafür erhalten, wie ayurvedische Massagen funktionieren, deshalb arbeiten wir gleich mit Öl und Ghee. Wir werden aber nur so viel davon verwenden, wie der Körper, in diesem Fall die Füsse, aufnehmen können. Das zeichnet auch eine gute TherapeutIn aus, die Respekt hat vor diesen Ölen, die ja in aufwändigen Prozessen hergestellt sind. Ein Tuch um den Bauch ist Schutz genug, und Händewaschen wie nach dem Eincremen des Körpers mit etwas Seife, das reicht.

Du hast ein Diplom in TanzTheater, machst experimentelles sowie Kindertheater. Was hat Theater mit Ayurveda zu tun?

Ayurveda habe ich in Indien kennengelernt, ich war neun mal für längere Zeit dort. Die Denkweise des Ayurveda hat mich fasziniert, sie ist einfach und logisch und gilt in ihrer Essenz an jedem beliebigen Ort. Ayurveda hat ebensoviel mit Kreativität zu tun wie das Theaterspielen. Schau, für jeden Menschen passe ich die ayurvedische Therapie entsprechend seinem Typ, seiner Umgebung, seinen Möglichkeiten an. Dies gilt für die Medizin wie auch für unsere Kochrezepte, die ich dem Gusto der KlientIn anpassen kann. Und die Ayurveda-Massage ist wie ein Tanz für mich: Zuerst lerne ich das ABC, das sind die Schritte beim Tanzen, die Griffe bei der Massage. Danach setze ich die Choreographie zusammen, also den Ablauf, je nach Tanzstück, je nach KlientIn. Und wenn alles sitzt, gebe ich mein Herzblut mit hinein.

Deine Praxis heisst «Sama GenussHeilpraxis für Ayurveda & Yoga». Was hat Gesundheit mit Genuss zu tun?

«Gesundheitspraxis» wäre ja das Normale, aber das war mir zu langweilig, so entstand «GenussHeilpraxis». Und das hat ja was. Denn Ayurveda ist Genuss und Medizin zugleich, da das Ziel wir selbst sind in unserer ureigenen Natur. Um diese Natur zu entdecken, müssen wir vielleicht aufgesetzte und liebgewonnene Gewohnheiten mal beiseite lassen, mal einen Reset wagen, zum Beispiel in Form einer Entgiftung. Wenn wir erst einmal bei unserer Grundkonstitution angelangt sind, unserer ureigenen Natur, dann fühlen wir uns wohl mit genau den Dingen, die unsere Konstitution unterstützen. Ayurveda ist eine Medizin, die sich am Positiven orientiert, an dem, was man tun kann. Wenn wir zum Beispiel unser Essen oder eine Massage richtig geniessen, werden der Geist und der Körper sozusagen runtergefahren, Glückshormone werden frei gesetzt und es geht mir gut. Glück stärkt das Immunsystem.

Kommen die Patienten denn nach einem Reset wieder zu dir in die Praxis?

Es gibt solche, die regelmässig kommen, zur Erhaltung der Gesundheit. Es gibt jedoch immer mehr, die auch selber noch mehr über Ayurveda erfahren und in Ihr Leben integrieren wollen. Viele kommen dann auch in eines der Kennenlernmodule unserer Ausbildungen, sei es zur Ernährung, sei es ein Massage-Modul, mit dem sie ihre FreundInnen oder ihre Familie verwöhnen können. Die meisten nehmen dann noch ein oder zwei Module, und einige machen weiter, weil sie dieses einfache Wissen vom Leben fasziniert. 

Danke für das Gespräch, Sigrun.

 

Statt eines kurzen Lebenslaufes mag Sigrun Laepple Haake lieber eines ihrer Lieblingszitate angeben, von Alexis Carell: «Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben.» Und auch gleich dieses Sprichwort aus dem Orient «Geh langsam, Du kommst doch immer wieder nur zu Dir selbst.» Ihre Ayurveda- und Yoga-Praxis führt Sigrun in Thalwil.