Shiatsu in der Schwangerschaft

Ebikon, 3. November 2016 Ein paar Shiatsu- und Schwangerschafts-Fragen an Dozentin Katerina Bläsi Chrissochou. Katerina antwortet am Telefon.

Zeigt die Arbeit mit ausserordentlichen Meridianen, dazu spezifische Übungen und Lagen: Katerina Bläsi Chrissochou.

Katerina, du unterrichtest das Modul «Shiatsu in der Schwangerschaft». Aus Sicht von TherapeutInnen: Warum sind Schwangere besondere Klientinnen?

Da sie in einer besonderen Lebenslage ein besonderes Shiatsu brauchen. Für viele Frauen, besonders in der ersten Schwangerschaft, ist es eine enorme Umstellung im Alltag und im Leben. Wir als Therapeutinnnen dürfen dabei unterstützend und begleitend zur Seite stehen. Als Therapeutin kann es sein, dass man sich nicht so recht traut, mit Schwangeren zu arbeiten. Natürlich hat man das in der Ausbildung gelernt: Wie verändert sich z. B. der Körper einer Schwangeren, was ändert sich aus Sicht der Westmedizin und was aus Sicht der TCM. Es ging aber auch um Vorsicht: Welche Meridiane und Punkte wirken eher bewegend, können je nach Situation auch gefährlich werden.

Also besser: Finger weg von Schwangeren?

Nein sicher nicht – einfach bewusst und achtsam mit ihnen arbeiten. Genau deshalb geht es mir jetzt darum, dass wir uns das alles ganz genau anschauen, in die Tiefe gehen. Als Shiatsu-TherapeutInnen sollten wir keine Angst haben, Schwangeren Shiatsu zu geben. Respekt ja, und natürlich viel Freude, aber keine Angst. Und es gibt einige Beschwerden, die während der Schwangerschaft auftreten können, und da ist es schön, wenn man als Therapeutin ein paar Tricks auf Lager hat. Diese Tricks lernen wir auch.

Und üben?

Auf alle Fälle. Zum Beispiel schauen wir uns einige der ausserordentlichen Gefässe ganz genau an, theoretisch wie praktisch. So wird man die Zurückhaltung am besten los. Auch gibt es Übungen, die wir erst selbst erproben, bevor wir sie dann anleiten, z. B. bei einer Iliosacralgelenksblockade. Shiatsu ist so toll für Schwangere, ich selber bin damals auch ins Shiatsu und nicht in die Schwangerschaftsgymnastik. Shiatsu bringt so viel, sogar auch dann, wenn man gar keine Beschwerden hat.

Was genau?

Nehmen wir den Körper. Wenn in dir ein Baby heranwächst, dann verändert sich auch dein Körper. Du bist schneller müde, vielleicht sogar die ganze Zeit, manchmal ist dir unwohl, eventuell kommt es zu Ödemen, der Rücken schmerzt, deine Stimmung ist mal so, mal so. Und während eines Shiatsu bekommst du wundervoll Zeit, um mit deinem Baby in Kontakt zu treten. Sich gegenseitig kennenlernen. In unsererem schnelllebigen Alltag ist das eine Wohltat.

Und in Bezug auf die eigene Person?

Ja, manche Frauen werden während einer Schwangerschaft auch unsicher: Kommt alles gut, fragen sich viele. Und gemeint ist mit dieser Frage nicht nur das Baby. Es können sich schrecklich viele Fragen stellen. Wie geht es im Beruf weiter, wie organisiere ich das alles, hält die Beziehung das aus, passt die Wohnung noch, wie soll man sich das alles leisten, wie wird die Geburt, wird das Baby gesund, muss wirklich alles rosa sein und und und. Da kann es schon drunter und drüber gehen.

Eine Zeit mit viel Unsicherheit?

Ja, für viele schon. Und gerade wir als Shiatsu- TherapeutInnen können da wirklich gut begleiten. Ruhe, Entspannung, Erdung, Urvertrauen, Körperwahrnehmung, Selbstsicherheit. Schliesslich sind unsere Klientinnen ja nicht krank, sondern einfach schön schwanger.

Danke, Katerina!

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