«Davon will ich mehr»

Subingen/Ebikon, 1. März 2017 – Da war eine gewisse Unzufriedenheit, und dann kam Shiatsu. Mittlerweile behandelt Maya Rudolf von Rohr mit dieser japanischen Energie-Massage auf der Geriatrie-Abteilung. Wie es dazu kam und wie die SeniorInnen reagieren, lesen Sie hier.

Maya Rudolf von Rohr arbeitet als Pflegefachfrau und bietet jetzt Shiatsu für SeniorInnen an. Die Senioren finden dank Shiatsu zur Ruhe und Maya zu ihrer eigenen Zufriedenheit.

Du warst viele Jahre Pflegefachfrau und hast unterrichtet, dann hast du dich für die Shiatsu-Ausbildung entschieden. Wie kam das?

Unzufriedenheit. Ich war diplomierte Pflegefachfrau HF und arbeitete auch als Unterrichtsassistentin. Sachlich betrachtet war alles in Ordnung. Doch spürte ich, dass ich irgendwie unzufrieden war. Ich wollte meine Zukunft nicht dem Zufall überlassen.

Und dann?

Dann machte ich mich auf die Suche nach Ausbildungen zur Naturheilpraktikerin.

Warum gerade Naturheilkunde?

In der Ausbildung zur Krankenschwester habe ich zum ersten Mal mit Schröpfen und Moxa gearbeitet. Ich war fasziniert. Da ich ja bereits eine schulmedizinische Ausbildung hatte, reizte mich die Naturheilkunde.

Und dann hast du dich auf die Suche gemacht?

Genau. So landete ich auf der Webseite der Heilpraktikerschule Luzern. Ich war neugierig und buchte gleich mehrere Kurse. Nach «Shiatsu Basis» war mir klar: Davon will ich mehr. 

Bist du zufrieden mit deiner Entscheidung?

Ja, Shiatsu macht Freude. Ich bin sehr zufrieden und geniesse meine Arbeit. Für diese Veränderung bin ich dankbar. Nur mit Freude, Gelassenheit und Vertrauen kann ich mein Pensum bewältigen. 

Es ist also schon sehr stressig?

Ja, mein Arbeitspensum ist stressig, das kann man so sagen. Eigentlich arbeite ich 75 Prozent als Pflegefachfrau und Pflegedienstleiterin. Da ich die Einsatzpläne erstelle, kann ich mir mein Pensum selbst planen und die Zeit für Shiatsu in der Institution organisieren. Von der Arbeit kann mich gut abgrenzen und fühle mich nicht gestresst, sondern ruhig und ausgeglichen. Und ich weiss, dass die hohe Belastung nur für eine begrenzte Zeit anhält. Mein Ziel ist es, ausschliesslich als Shiatsu-Therapeutin zu arbeiten.

Du arbeitest mit Shiatsu auf einer geriatrischen Abteilung. Wie kam das?

Während der Fachausbildung als Shiatsu-Therapeutin habe ich mein Hauptfachgebiet beibehalten. Das neu erworbene Fachwissen wendete ich bei der Arbeit an und behandelte schon während der Ausbildung einzelne Senioren.

Wie haben die Senioren reagiert?

Erstmal stellten sie viele Fragen zur Ausbildung. Sie wollten wissen, was Shiatsu ist. So entstanden Diskussionen, auch mit KollegInnen und Fachpersonen. Ich war so begeistert, dass ich gleich Weiterbildungen besuchte, auch «Shiatsu in der geriatrischen Pflege». Da war ich mir sicher, dass ich Shiatsu im geriatrischen Bereich anbieten will.

Und dein Arbeitgeber war mit deinen Plänen einverstanden?

Mir war klar, dass ich meinen Plan mit der Heimleitung besprechen musste. Das habe ich gemacht und die Heimleitung hat mir einen Raum angeboten. Ich habe eine mobile Liege organisiert, für SeniorInnen geht es mit dem Futon ja nicht so gut, und behandelt. Für das Vertrauen und die Wertschätzung meiner Arbeit bin ich sehr dankbar.

Und die SeniorInnen machen mit? 

Das ist sehr unterschiedlich. Ihre Aufmerksamkeit und das Konzentrationsvermögen hängen stark von der Tagesform ab. Ich therapiere nie gegen den Willen der SeniorInnen. Und für die Behandlung brauche ich sogar eine Einwilligung der Angehörigen. Während der Therapie stelle ich fest, dass die SeniorInnen deutlich ruhiger werden.

Fällt das auch anderen auf?

Ja, die Pflegefachpersonen bemerken, dass sich die PatientInnen weniger rastlos verhalten: Sie finden zur Ruhe und die Hilflosigkeit im Alltag ist weniger ausgeprägt. Die unterschiedlichen Demenzformen sind immer wieder eine Herausforderung. Wir konnten bereits bei einer Person die Medikation reduzieren. Es sieht so aus, als ob das mit der Shiatsu-Behandlung zusammenhängt, aber ob das tatsächlich so ist, werden wir natürlich nie erfahren. Auf alle Fälle stimmt es mich zuversichtlich, dass wir die Dosierung eines hochpotenten Neuroleptikum, ein Arzneimittel zur Behandlung psychischer Erkrankungen, erfolgreich herabgesetzt haben.

Und wie sieht es aus, wenn eine Behandlung erfolgreich ist? 

Durch die regelmässigen Behandlungen verbessert sich die Beweglichkeit und die Sprache wird deutlicher. Leider nur für kurze Zeit.

Und trotzdem lohnt sich der Aufwand?

Viele meiner Patienten leiden an Schmerzen: Rheuma oder degenerative Gelenksveränderungen wie Arthrose. Für die Betroffenen ist die Zeit sehr wichtig, die sie in der Therapie verbringen. Sie erhalten Aufmerksamkeit und Zuwendung – auch das ist wichtig. Sie fühlen sich wohl bei mir und das verbessert ihre Lebensqualität.

Eröffnest du jetzt deine eigene Praxis? 

Ich habe seit einem Jahr einen Raum und arbeite am Aufbau der Praxis. Im ErfahrungsMedizinischen Register (EMR) habe ich mich bereits registriert – ich freue mich über jeden Meilenstein.

Gehst du auch an die Höhere Fachprüfung fürs eidg. Diplom?

Im Moment ist das erst ein Gedanke, es eilt nicht. Ich möchte mich ganz auf Shiatsu konzentrieren und Erfahrung sammeln. Ich würde sagen, das eidg. Diplom ist mein Fernziel.

 

Maya Rudolf von Rohr, 50, kennt viele Berufe aus eigener Erfahrung: Kauffrau, Unterrichtsassistentin, Religionslehrerin, Pflegefachfrau, daneben ist sie Hausfrau und Mutter. Seit 2009 arbeitet sie in der Langzeitpflege, 2011 begann sie die Fachausbildung als Shiatsu-Therapeutin. Ihr Ausgleich: Radfahren, Skifahren und Wandern. Oder einfach ein Buch lesen und Freunde treffen.

 

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