«Vegane Küche sättigt, ist leicht und sogar therapeutisch wirksam»

Ebikon, 16. August 2017 – Die vegane Küche bringt Abwechslung und bei gewissen Beschwerden sogar Linderung. Dozentin Silvia Schmid nennt einen wichtigen Anfängerfehler – und sagt, weshalb sie sich auf den ersten veganen Kochkurs freut.

Silvia Schmid hat den Kurs «Vegane Küche, die Spass macht und schmeckt» konzipiert: «Frische Zutaten, abwechslungsreiche Rezepte und eine Kostprobe an jedem Kurstag, das erwartet die TeilnehmerInnen.» Photo: HPS

Hand aufs Herz, es ist Sommer, kannst du dem Duft eines feinen Koteletts vom Grill widerstehen?

Das fällt mir nicht schwer. Gerade an heissen Sommertagen lege ich Wert auf leichte Kost, die gut verdaulich ist. Also kein Fleisch, auch wenn es verführerisch duftet. Ich geniesse lieber gegrilltes Gemüse und frische Salate. Dazu Hülsenfrüchte, zum Beispiel ein Linsensalat mit gerösteten Nüssen garniert.

Ernährst du dich schon lange vegan, also ohne Milch, Butter, Käse und Eier?

Obwohl ich sehr gerne vegan koche, ernähre ich mich nicht vegan. Ich esse auch mal ein frisches Bio-Ei. Auf Milch verzichte ich eigentlich schon lange. Ebenso auf Weizen, so gut es geht. Seit meiner Ausbildung an der Heilpraktikerschule ernähre ich mich bewusster.

Wenn du dich selber nicht vegan ernährst, wie bist du denn auf die Idee gekommen, diesen Kurs zu unterrichten?

Die vegane Ernährung interessiert mich, die Küche ist sehr vielseitig und ich probiere gerne neue Rezepte aus. Schon während der Ausbildung las ich das Fachbuch «China Study» von Campbell und ich bin überzeugt, dass wir weniger tierisches Eiweiss essen sollten. Besser Eiweisse aus pflanzlicher Herkunft. Als Dozentin für Kochkurse haben mich immer wieder StudentInnen auf das Thema angesprochen. Ich experimentiere gerne und bin offen für Neues – so ist der Kurs entstanden.

Ernähren sich VeganerInnen gesünder als Nicht-VeganerInnen?

Diese Frage kann ich so nicht beantworten. Wenn sich jemand vegan ernährt, aber nicht ausgewogen, ist das genauso ungesund wie der übermässige Verzehr tierischer Produkte.

Ist vegan kochen kompliziert?

Nein, zum Glück ist es das nicht. Es macht sogar viel Spass.

Und wie bringst du diesen Spass in die vegane Küche?

Frische Zutaten, abwechslungsreiche Rezepte, bunte Früchte und Gemüse. Und natürlich mit einer Prise Humor, die darf nicht fehlen.

Und wozu braucht es den Humor?

Humor und Liebe machen die gesunde Vollwertküche noch interessanter, bekömmlicher und vor allem viel spannender.

Welche Risiken birgt vegane Ernährung? Es gibt sicher typische Anfängerfehler, die du dann im Kurs durchnimmst. Kannst du uns schon einen verraten?

Oft passiert es, dass Menschen spontan entscheiden, sich vegan zu ernähren. Die lassen dann von einem Tag auf den anderen sämtliche tierische Nahrungsmittel weg, ohne dass sie sich fragen: Wie kann ich diese Nährstoffgruppen decken? Wer sich mit der veganen Ernährung auseinandersetzt und ein bisschen hinter den Mode-Hype schaut, erkennt bald, wie man sich gesund ernähren kann – ohne dabei die Lust am Essen zu verlieren.

Wenn du von Nährstoffgruppen sprichst, ist das eine schulmedizinische Betrachtungsweise. Doch gemäss TCM, auch Ayurveda und TEN, ist Nahrung ja mehr als Nährstoff. Spielen diese Elemente in der veganen Ernährung auch eine Rolle?

In der TCM spricht man ja nicht von Kalorien oder Mineralstoffen. Man achtet sich, dass alle Elemente in der täglichen Nahrung enthalten sind. Die Nahrungsmittel lassen sich gemäss TCM in fünf Elemente einteilen, zum Beispiel nach ihrem Geschmack oder der Farbe. Das Ziel ist, dass in einer Speise alle fünf Elemente enthalten sind, damit sie harmonisch und abgestimmt ist und den Körper ideal nährt. Mit TCM-Ernährung lässt sich vegane Ernährung sehr gut kombinieren, darauf achte ich für mich und meine PatientInnen. Wie es mit Ayurveda- oder TEN-Ernährung ist, da müsstest du eine entsprechende SpezialistIn fragen.

Wann empfiehlst du vegane Ernährung in der Therapie?

Manche Zivilisationskrankheiten stehen im Zusammenhang mit falscher Ernährung, also zu viel tierische Eiweisse, denaturierte Nahrungsmittel, weisser Zucker, Weizen, Fertiggerichte, Aromazusätze und E-Nummern. Wenn also plötzlich unerklärliche Krankheiten auftauchen und schulmedizinisch keine Besserung auftritt, rate ich meinen PatientInnen, sich über eine gewisse Zeit vegan zu ernähren und begleite sie dabei.

Hast du Beispiele?

Gerade bei Allergien wie Heuschnupfen habe ich für meine PatientInnen vegane Ernährungspläne empfohlen und erstellt. Und auch bei Stoffwechselstörungen und Hautkrankheiten lassen sich Linderung und Besserung erzielen. Zum Beispiel bei Neurodermitis berichten meine PatientInnen nach zwei bis drei Wochen Verzicht auf Weizen- und Milchprodukte, dass die Beschwerden schwächer werden. Die Ernährung mildert den Juckreiz, Rötungen gehen zurück.

Irgendwann sind die Vitamin-B12-Speicher aufgebraucht. So kann es mit den Jahren zu schweren Symptomen kommen, manche davon unumkehrbar: Lähmungserscheinungen, Gedächtnisstörungen, Depressionen. Wie kann man den Vitaminmangel vermeiden?

Ich esse ab und zu ein Ei, natürlich bio, oder auch etwas Fleisch. VeganerInnen empfehle ich Nahrungsergänzungspräparate, zum Beispiel eines mit vielen B-Vitaminen. Ein regelmässiger Check-Up beim Arzt wäre ist sicher sinnvoll. Und natürlich pflanzliche Lebensmittel, die viel B12 enthalten. Zum Beispiel Algen.

Algen?

Ja, kurz gekocht schmecken sie prima in Suppen, auf frischem Gemüse oder im Salat.

Der Kurs eignet sich für AnfängerInnen, da es keine Voraussetzungen gibt, wie auch als Weiterbildung für ErnährungsberaterInnen, TCM-DiätistInnen und Ernährungscoaches. Was lernen TeilnehmerInnen dazu, die den Kurs als Weiterbildung besuchen?

Die Freude am Ausprobieren steht im Vordergrund. Vielleicht beginnen die TeilnehmerInnen, einen Tag pro Woche vegan zu kochen. Vielleicht steigen sie langfristig um. Es geht darum, tierische Eiweisse sinnvoll zu ersetzen – und wir schauen an, wie man sie ersetzt.

Und sind EinsteigerInnen nach diesem Kurs Vegan-Profis?

Ich denke, wer sich mit seiner Ernährung bewusst auseinandersetzt, ist ein Profi. Es geht darum, sich so zu ernähren, wie es einem gut tut. Auf seinen Körper hören und entsprechend handeln.

Steht ihr am Kochherd wie in «Kochen Basis» oder ist das eher ein Theorie-Kurs?

Der Kurs ist ähnlich aufgebaut wie Kochen Basis und Kochen Spezial

Und zum Schluss: Was schätzt du an der veganen Küche?

Die vegane Küche ist sehr vielseitig und interessant. Sie eröffnet mir viele spannende Möglichkeiten zum Ausprobieren. Was mich beeindruckt ist, dass die ausgewogene Ernährung, besonders in der veganen Küche, sättigt und dennoch leicht ist – und therapeutisch wirksam.

Silvia Schmid

Als dipl. Heilpraktikerin TCM bietet Silvia Schmid in ihrer Praxis in Hitzkirch unter anderem Akupunktur, Phytotherapie und Ernährungsberatung sowie Fussreflexzonen und Shiatsu an. Vor einigen Wochen hat Silvia Schmid die Höhere Fachprüfung bestanden, wir gratulieren zum eidgenössischen Diplom für KomplementärTherapie in der Methode Shiatsu. An der Heilpraktikerschule Luzern unterrichtet Silvia Nothilfe Niveau 1 und 2, Kochen Basis, Kochen Spezial und nun zum ersten Mal Vegane Küche, die Spass macht und schmeckt.

 

Schnuppertag

Kommen Sie doch am Samstag, 16. September 2017 an den Grossen Schnuppertag und besuchen Sie einen Schnupperkurse bei Silvia. Zum Beispiel «Ernährung: Vegan, richtig gesund und voller Genuss» oder «TCM-Ernährung: Rezepte für schlaue Eltern».

Zum ersten Mal

Das Modul Vegane Küche, die Spass macht und schmeckt startet am Dienstag, 21. November 2017 und findet an fünf Abenden statt.