«Alles lässt sich nach Ayurveda-Prinzipien einsetzen»

Ebikon, 6. September 2017 – Besuch aus Indien: Prof. Dr. Tanuja Nesari soll für die indische Regierung klären, wie Ayurveda ausserhalb von Indien unterrichtet wird. Tanuja Nesari ist sehr zufrieden, und so können wir bald über Wichtigeres sprechen: Ernährung.

Im Gespräch zu Ayurveda-Ernährung und -Kräuter: Kerstin Rosenberg von unserer Partnerschule, der Europäischen Akademie für Ayurveda, und Tanuja Nesari, Professorin für Ayurveda-Ernährung und -Kräuter an der Universität All India Institut of Ayurveda (AIIA) in Dehli in der Lobby der Heilpraktikerschule Luzern. Es gibt sogar natürliche Lernverstärker, zum Beispiel Basilikum. Photo: Maya Jörg

Gemeinsame Themen verbinden – und Essen sowieso: Tanuja Nesari und Kerstin Rosenberg sind beides Spezialistinnen für Ayurveda-Ernährung und -Kräuter. Ein guter Anlass also, nach dem Rundgang durch unser Schulgebäude ein paar Ernährungsfragen zu stellen, obwohl es hier gerade nur Wasser gab.

Prof. Dr. Tanuja Nesari, was fasziniert Sie an Ernährung?

Tanuja Nesari: Unsere Beziehung zum Universum. Schliesslich ist jeder von uns eine kleine Kreation des Universums. Dadurch, dass wir essen, beeinflussen wir unsere Gesundheit mithilfe der natürlichen Elemente. Wir nähren Körper, Geist und Seele durch die Energien der Natur.

Was ist das grösste Problem in Europa hinsichtlich Ayurveda?

Kerstin Rosenberg: Die Produkte. Viele ayurvedische Produkte und Medikamente sind hier nicht zugelassen, sie sind nicht erhältlich. Für die Ayurveda-Dozenten aus Indien ist es wirklich schwierig, Ayurveda-Medizin hier zu unterrichten. Natürlich, wir können einzelne Kräuter und Gewürze nehmen, Ayurveda hat ja eine lange pharmakologische Tradition, auch du, Tanuja, bist ja eine Pharmazie-Spezialistin. Du kennst das Problem, dass die wirksamsten Produkte hier nicht erlaubt sind. Deshalb legen wir in unserem europäischen Unterricht den Fokus mehr auf Lebensstil, Gesundheit, Massage-Therapie.

Tanuja Nesari: Nun, da gibt es etwas Gutes und eine Herausforderung. Das Gute ist, dass wir die Ressourcen nützen können, die es hier in der Umgebung gibt, in der Region. Wir können unsere Gesundheit durch sie fördern, sie sogar gegen Krankheiten nutzen. Dies deswegen, weil alles, was erhältlich ist, hinsichtlich der Prinzipien des Ayurveda eingesetzt werden kann. So wird sogar Wasser zur Medizin: Bei einigen Beschwerden hilft es, Wasser heiss zu trinken, bei anderen kalt oder sogar eiskalt. Du harmonisierst deine inneren Elemente mit dem externen Universum, und du erschaffst Harmonie. Nimm Brot. Wir zeigen dir, wie du es essen solltest, damit es keine Disharmonien in dir verursacht. Dasselbe gilt für die Gewürze, die du nimmst. Wir versuchen deine Essgewohnheiten zu identifizieren und dich darin zu lehren, wie du diese Gewürze zu deinem Vorteil einsetzt.

Und die Herausforderung?

Tanuja Nesari: In Indien können wir auf einen riesigen Fundus zurückgreifen, wir haben über 500 Phytotherapeutika von natürlichen Pflanzen. In Europa sind nur sehr wenige erhältlich. Aber dieser Herausforderung lässt sich begegnen, indem wir die einheimischen Kräuter betrachten, wie Rosmarin oder Lavendel, und wir untersuchen sie, wie sie nach den Prinzipien des Ayurveda funktionieren. Das ist sehr spannend, und wir nutzen tatsächlich diese einheimischen Kräuter und Gewürze nach Prinzipien des Ayurveda.

Kerstin Rosenberg: Wir wollen nun ein Projekt organisieren, bei dem die Europäische Akademie für Ayurveda mit führenden Universitäten in Indien und unterstützt durch die indische Regierung europäische Pflanzen hinsichtlich der Prinzipien des Ayurveda untersucht.

Lassen sich neben körperlichen auch mentale Erkrankungen mithilfe von Ernährung behandeln?

Tanuja Nesari: Ja, tatsächlich, und das tun wir auch, die Erfolge sind sehr gut. Das sagt ja auch das ayurvedische Prinzip, du bist, was du isst. Unsere Emotionen und unsere mentalen Kapazitäten, mit Stress umzugehen, hängen davon ab, was wir essen. Das wird im Westen unterschätzt. Wenn wir Nahrungsmittel mit negativer Energie essen, also sogenannt tamasische Ernährung, dann nähren wir damit unsere Trägheit und unsere Inaktivität. Das können wir dadurch überwinden, dass wir sattivische Ernährung zu uns nehmen, also Nahrungsmittel mit positiver Energie.

Kerstin Rosenberg: Das Prinzip dahinter: Gleiche Qualitäten fördern gleiche Qualitäten. Wenn du also etwas Saures isst, werden deine Gefühle sauer. Und wenn du eine zornige Person bist und du scharfe Gerichte isst, wirst du noch zorniger. Für deinen Geist ist es am wichtigsten, frische Nahrungsmittel zu essen. Und dass du sie wirklich frisch zubereitest. Wenn du Fastfood isst, wirst du dich schwer und depressiv fühlen. Das ist im Übrigen ein grosses Problem: Leute, die sich depressiv fühlen, essen mehr Fastfood und verstärken dadurch ihre depressiven Gefühle. Der Schlüssel liegt in der Wahrnehmung: Ich nehme wahr, wie ich mich fühle, und dann kann ich meine tägliche Ernährung so verändern, dass sie meinem Geist hilft. Dazu gibt es natürlich auch Kräuter und Gewürze, die den Geist direkt beeinflussen. Nimm Pipalli, also den langen Pfeffer. Der lässt dich besser denken, er hilft dir, dass sich rechte und linke Hemisphäre deines Gehirns besser verbinden und so besser miteinander kommunizieren.

Tanuja Nesari: Diese Kräuter und Gewürze nennen wir psycho-neuro-kognitive Verstärker, das ist eine Gruppe von Kräutern und Gewürzen, die Lern- und Memorisierungsfähigkeiten verbessern. Beispiele sind Basilikum, Spargelwurzel, Süssholz.

Das heisst, es gibt eine Art natürliches Gehirn-Doping, das einem beim Lernen hilft?

Tanuja Nesari: Oh, ja.

Vielen Dank, dass Sie sich kurz Zeit genommen haben. Vielleicht kommen wir auf diese psycho-neuro-kognitiven Verstärker später einmal noch zurück, sie könnten für unsere StudentInnen ja sehr interessant sein.

 

Tanuja Nesari ist Ayurveda-Ärztin MD (Ayu) und leitet die Fakultät für Phytotherapie und Pharmakologie an der Universität All India Institut of Ayurveda (AIIA) in Dehli, eine der modernsten Ayurveda-Universitäten Indiens. Vormals leitete sie das renommierte Tillak Ayurveda-Collage in Pune. Tanuja Nesari lehrt und erforscht ayurvedische Ernährungstherapie und medizinische Kräuter-Arzneikunde zum Schwerpunkt psychische Erkrankungen. Zusammen mit Kerstin Rosenberg bildet sie an der Europäischen Akademie für Ayurveda in Ayurveda-Ernährung aus, und gemeinsam haben sie ein Buch verfasst: Ayurveda heilt. Ernährung als Medizin, Südwest-Verlag, 2015.

Auch wir haben eine starke Tradition in Diätetik und Phytotherapie: Sowohl unsere Partnerschule, die Europäische Akademie für Ayurveda, wie wir von der Heilpraktikerschule Luzern sehen die Bedeutung der täglichen Ernährung für unsere Gesundheit und unsere Lebensfreude.

Das äussert sich in Büchern für ein breites Publikum sowie in Publikationen für Fachleute – zu Ayurveda-Ernährung von Kerstin Rosenberg, zu TCM-Ernährung und -Kräutern von Ulrike von Blarer, Gründerin der Heilpraktikerschule Luzern. 

https://www.heilpraktikerschule.ch/newsroom/news-detail/news/2017/09/06/alles-laesst-sich-nach-ayurveda-prinzipien-einsetzen