«Die Forschungsdaten geben Vertrauen»

Ebikon, 18. Januar 2019 – Die Shiatsugesellschaft hat auf ihrer Website Forschungsdaten zu Shiatsu veröffentlicht. Zur Bedeutung dieser Daten: Schulleiter Peter von Blarer im Interview.

Peter von Blarer: Alle Shiatsu-TherapeutInnen sollten die Forschungsdaten kennen, die die Shiatsugesellschaft veröffentlicht hat.

Peter, wenn du ein Shiatsu gibst, denkst du da: «Hoffentlich wirkt’s?»

Die grosse Kunst im Shiatsu ist die innere Haltung: Dazu gehört dieses wunderbare «Tue nichts». Das heisst, wir wollen absichtslos sein. Und das ist eine gute Voraussetzung, dass die KlientInnen ihr inneres Gleichgewicht wieder finden können. Und dann ist ja bereits einiges wieder im Guten.


Ich frage, weil es mittlerweile Forschungsdaten gibt, die zeigen, dass Shiatsu tatsächlich wirksam ist. Wie wichtig ist dir das? Beruhigt dich das?

Klar, das beruhigt nicht nur, sondern gibt auch Vertrauen. Und Vertrauen ist doch ein Urbedürfnis von uns Menschen. Ich glaube, dass noch viel zu wenige Shiatsu-TherapeutInnen von diesen Forschungsergebnissen wissen.

Reicht es nicht, dass die KlientInnen sagen, dass Shiatsu – oder eine andere Methode – ihnen gut tut? Und dass sich die Beschwerden bessern?

Bestätigung auch von anderen Seiten finde ich wunderbar. Auch den KlientInnen hilft das, sich auf die Reise zu machen zu diesem unbekannten Ziel, wohin ein Shiatsu führen kann. Es ist ja vor allem eine körperliche Erfahrung, die es ermöglicht, den energetischen Ausgleich innerhalb des Körpers stattfinden zu lassen. Und unser Körper hat bei der entsprechenden Berührung manche Nuancen auf Lager, die ich im normalen Alltag, ohne Shiatsu, nicht erfahren würde – völlig abgesehen von den Meridianen und Akupunkturpunkten, die schon seit langer Zeit bekannt und die Basis dieser Methode sind.

Wenn wir an Gesundheit und Wissenschaftlichkeit denken, fällt uns wohl sofort die Schulmedizin ein, die ja starkt für Wissenschaftlichkeit steht. Wie siehst du die Schulmedizin? Und wie wünschst du dir die Zusammenarbeit?

Respekt für beide. Das neue Berufsbild der KomplementärtherapeutIn mit eidg. Diplom ist derart humanistisch geprägt, dass dieser Beruf grossen Respekt verdient. Und von der Schulmedizin bin ich genau so beeindruckt, welche Möglichkeiten da tagtäglich dazu kommen. Zum Beispiel ganz individuelle Medikamentenherstellung, Stichwort personalisierte Medizin. Es gibt Pharmafirmen, die voll darauf setzen. Diese schulmedizinischen und naturheilkundlichen Möglichkeiten zu kombinieren, zum Beispiel Krebstherapie mit Shiatsu zu verbinden, das wird der Hammer.

Viele sagen ja, dass sich der goldene Standard der Wissenschaftlichkeit in der Naturheilkunde nicht anwenden lässt: die Doppelblindstudie. Warum eigentlich nicht? Was meinst du dazu?

Nehmen wir Shiatsu. Eigentlich ist das eine Meridianbehandlung, du drückst Akupunkturpunkte, streichst Meridiane, dehnst sie, das sieht alles ganz mechanisch und für Studien so reproduzierbar aus wie das Verabreichen einer Tablette. Doch Shiatsu ist eben zusätzlich noch etwas anderes, nämlich vor allem eine Begegnung, und diese Begegnung ist ganz anders als die zwischen einer Person, die eine Tablette bringt, und einer Person, die diese Tablette entgegennimmt. Die Begegnung in der Komplementärtherapie löst in der KlientIn Entwicklungen aus, die nicht reproduzierbar sind. Ich würde sogar sagen, dass bereits diese Begegnung nicht reproduzierbar ist.

Gibt es da Beispiele?

Ja, einer der Haupteffekte von Komplementärtherapie – neben Shiatsu zum Beispiel auch Craniosacral und Kinesiologie – besteht in einer inneren Entwicklung. Die KlientInnen entwickeln sich weiter. Sie machen morgen etwas anders als heute, sie ändern sich, und das zu ihren Gunsten. Das ist ein wirklich wichtiger Effekt der Komplementärtherapie und deshalb auch ein wichtiger Teil bei uns im Unterricht. Das heisst dann auch, dass eine KlientIn nicht jedes Mal dasselbe Shiatsu erhält, sie hat sich verändert, und so verändert sich auch das Shiatsu. Dein Shiatsu morgen hat eine gute Chance, anders zu sein als das heute.

Danke, Peter, für das Gespräch.

Keine Ursache, Martin.

Die Forschungsdaten sind veröffentlicht auf der Website des Shiatsuverbandes, hier.

Peter von Blarer ist Mitglied der Schul- und Klinikleitung und Miteigentümer der Heilpraktikerschule Luzern; Heilpraktiker für Chinesische Medizin mit Akupunktur, Phyto-West-TCM, Ernährung und Shiatsu; Komplementärtherapeut mit eidg. Diplom. Ursprünglich war Peter Elektroniker, doch dann war Shiatsu für ihn «Liebe auf den ersten Blick».

Eine Übersicht zu unseren Ausbildungen? Hier. Direkt zu Shiatsu KT (eidg. Diplom), hier.