«Du musst neugierig bleiben»

Ebikon, 31. Mai 2019 – Ach, dieses lebenslange Lernen. Schön und gut. Doch bis in welches Alter geht das? Fragen wir am besten unsere älteste Studentin. Und, wenn wir schon dabei sind, unsere jüngste.

Lernen, dazu gehören Bücher, Unterlagen, Gruppenarbeiten, Erkenntnisse, Auswendiglernen, Zusammenhänge – und manchmal auch Mut und Entschlossenheit. Photo: Patrick Tomasso on Unsplash

Mariamma Heggli-Parethazuth ist pensioniert. Als Pflegefachfrau hat sie in Teilzeit gearbeitet, daneben ihre Ayurveda-Praxis geführt, und seit ihrer Pensionierung widmet sie sich ihrer Praxis nun voll, bildet sich auch weiter: «Schröpfen, Schmerztherapie und Manuelle Lymphdrainage, auch das Gleichwertigkeitsverfahren habe ich seit der Pensionieung absolviert.» Und jetzt beginnt Mariamma also mit der Ausbildung Fussreflexzonen-Masssage, mit über 70.

Leona Rühli ist Fachfrau Gesundheit, sie startet die Ausbildung Ernährungscoach. Leona ist über 50 Jahre jünger als Mariamma und staunt: «Ich arbeite in einem Altersheim, da haben wir BewohnerInnen mit Mariammas Jahrgang.» Mariamma: «Für mich ist das normal, ich will immer etwas Neues entdecken, schon als Kind war ich sehr neugierig.»

Also, die Frage: Wie ist das Lernen im Alter? «Du bist nie zu alt, etwas zu lernen», sagt Mariamma, «deine Hirnfunktionen wachsen mit, werden besser.» Zwar reiche es in der Jugend vielleicht, etwas ein einziges Mal zu lesen, sie hingegen müsse es halt manchmal zehnmals lesen. «Aber genau diese Zeit nehme ich mir, und ausserdem habe ich einen starken Willen, ja geradezu einen Ehrgeiz.»

«Naja, ich muss auch manchmal etwas zehnmal lesen», sagt Leona. Wie einfach ihr das Lernen falle, hänge davon ab, ob das Thema sie packe. «Wenn nicht, rechne ich mehr Zeit zum Lernen ein, greife auf Lerntechniken zurück, zum Beispiel auf Eselsbrücken.» Und wenn gar nichts gehe, überlege sie sich, was genau der Grund ist, warum sie das lernen möchte. «Den Grund zu finden, sich der Motivation bewusst zu sein, das ist ganz wichtig, das hilft meistens.»

Auch etwas Druck hilft: «Wenn ich weiss, dass ich nicht mehr so viel Zeit bis zur Prüfung habe, dann geht es gut.» Deshalb wählt sich Leona einen Stichtag: den Tag, an dem sie den Stoff plant und zu lernen beginnt. «Bei einer kleineren Prüfung etwa vier Tage davor.»

Ob sie jeweils nervös sei. Nein, nicht wirklich: «Irgendwie», sagt Leona, «geht es immer, das weiss ich.» Und dies zu wissen, «das ist mega wichtig für mich.»

Natürlich: Nicht alle haben eine solch positive Lernvergangenheit. Hat Mariamma aus ihrer Sicht, auch als Ayurveda-Therapeutin, einen Tipp, wie man besser lernt, auch und gerade dann, wenn es bis anhin mit dem Lernen schwierig war?

Es gehe darum, offen zu bleiben: «Man muss neugierig sein, sich besser ernähren, viel trinken, viel laufen, bewusst leben.» Sie habe sich immer gesagt: «Ich bin ich. Ich muss mich nicht schämen, nur weil andere etwas können, was ich nicht kann, ich muss nicht auf andere eifersüchtig sein. Ich muss nicht auf andere schauen, es ist mein Leben.»

Vielleicht wird es mit dem Älterwerden auch schwieriger, überhaupt einen Grund zu finden, etwas Neues zu lernen. Schliesslich hat man ja schon einiges erreicht, kann sich zurücklehnen. Oder, wenn das nicht der Fall ist, ist man vielleicht zu verzweifelt, hat resigniert, kann sich nicht mehr auflehnen.

Oder man will kein Geld mehr investieren, fragt sich, ob sich eine Ausbildung überhaupt noch rentiert. Da antwortet Mariamma: «Geld interessiert mich nicht, das war und ist sowieso knapp. Wissen ist etwas, das ich mitnehmen kann, alles andere nicht.»

Danke, Mariamma und Leona, dass ihr euch die Zeit für die Gespräche genommen habt.


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