«Aus Holz gebaut, majestätisch wie ein verwunschener Baum»

Ebikon, 11. Dezember 2019 – Erst eine Rede von Peter, dann die Diplome – so läuft die Diplomfeier seit Jahren ab. Doch dieses Jahr überrascht Chris Brunner alle: Als alle versammelt sind, trägt sie einen Text vor, selbstgeschrieben und auswendig, in dem sie die Heilpraktikerschule zum Leben erweckt.

Versteckte sich erst in dem Materialraum, um dann alle mit ihrem selbstgeschriebenen Text zu überraschen: Chris Brunner, DozentIn und Naturheilpraktikerin mit eidg. Diplom in TCM sowie KomplementärTherapeutin mit eidg. Diplom in Shiatsu. Foto: Maya Jörg

Aus Holz gebaut steht sie, die Heilpraktikerschule Luzern, majestätisch wie ein verwunschener Baum.
Die Wege zum Ziel für manche schon erfüllt, und für viele noch ein Traum.
Die Philosophie und die Visionen der Gründer Ulrike und Peter sind überall zu spüren.
Begegnungen und Freundschaften, die sich manchmal anbahnen im Hier und Jetzt, sind nicht so von Wichtigkeit, wohin sie noch führen.

Es riecht in den Gängen nach Wissensdurst und Fragen sind in der Luft.
Die Bibliothek lädt ein zum Verweilen, und aus der Küche strömt manchmal ein verlockender Duft.
Bunte Stühle und Tische in der Cafeteria, die auf Gesellschaft warten.
Draussen die Pflastersteine, getränkt von Geschichten, Kräuter und Brunnen, die vom Bild her immer mehr zu einem Innenhof werden, zu einem Garten.

Fussabdrücke auf dem geölten Holzboden vom zusammen Üben sind manchmal zu sehen,
wie wenn sie verewigt werden sollten, bevor die Übenden wieder gehen.
Die Räume sind hergerichtet und bereit für den kommenden Morgen, und in manchen ist ein Foto zur Anleitung an der Wand.
Doch nicht immer so aussehend und dann der letzte Schliff, die Korrektur, die Abrundung, gemacht wie von Zauberhand.

Vergessene Schirme stehen ohne Konzept zusammengewürfelt im Eingang.
Hören gespannt und doch entspannt den Gesprächsfetzen zu und haben nur einen Drang:
Weiterhin vergessen zu bleiben, und gedeckt vom Regen zu rasten und Neuankömmlinge und schon vertraute Menschen zu sehen.
Stille Bewunderung was sie von ihnen alles hören, und doch neugierig sind wohin sie dann gehen.

Das emsige Treiben im obersten Stock, wie eine Uhr, das Sehen an der Front und doch passiert so viel im Hintergrund.
Wird alles erledigt, ineinander arbeitend, und am Schluss des Arbeitstages so einfach aussehend, läuft vieles, aber nicht immer alles, rund.
Manche Wand ist warm verpackt mit gemusterten Teppichen. Bei längerer Betrachtung entdecken die Augen Geschichten, die sie erzählen.
Neue Broschüren sind zu sehen, die nach frischem Druckpapier riechen, nicht erzählend von den vielen Arbeitsstunden mit Anpassungen, fordern uns auf zu studieren und machen es dann nicht immer einfach beim Wählen.

Das An- und Wegfahren der Parkgarage fördert unsere Präzision und noch weit wichtiger: immer im Hier und Jetzt zu bleiben.
So wie im Frühling die Osterglocken in den grauen Fenstern gelbe Flecken bilden, indem sie blühen und um die Wette treiben.
In den oberen Stockwerken, wenn Pausen sind, freut sich das Klavier über den Gebrauch, und beim Spielen am Fussballkasten geht es nicht immer ums Gewinnen.
Einige nutzen die Minuten in Gruppen draussen, andere sind in Gespräche vertieft und bleiben drinnen.

Wenn die Lichter löschen, die Amsel im Sommer zuoberst im Innenhof das letzte Bad genossen hat im Plätschern des Brunnens, wird es Nacht in den Räumen.
Dann erwacht die dicke Katze im Eingang, die wie unbeteiligt zusammen gerollt liegt auf der Waage, aus ihren Träumen.
Die Luft ist immer noch gefüllt von Energie, die an den runden Ecken umher tanzen bevor sie sich setzen und Aha-Erlebnisse austauschen.
Oft ist dies spürbar beim Innehalten und Lauschen.

Aus Holz gebaut steht sie, die Heilpraktikerschule Luzern, majestätisch wie ein verwunschener Baum.
Die Wege zum Ziel für manche schon erfüllt, und für viele noch ein Traum.
Glyzinien, die langsam aber gezielt, wie die Studierenden auf dem Weg, sich an den Drähten entlang schlingen zu einem grünen Dach.
Und wenn sie ungezähmt blieben in hundert Jahren zu uns zurück ein neues Märchen brächten, das mit Geschichten gefüllt uns zum Staunen bringt, mit Erzählenden vom Fach.

Danke, Chris, für diesen wunderbaren Text.

 

Und hier Chris' Rede, gefilmt von Petra vom Büro-Team: