«Die Zeit ist knapp, der Druck hoch – im Shiatsu ist das anders»

Ebikon, 10. März 2020 – Sich auf seine PatientInnen einlassen und etwas Positives mitgeben: Dafür fehlte in der Pflege oft die Zeit. Innert drei Jahren hat Michaela Woodtli den Studiengang Shiatsu KT mit Ziel eidg. Diplom abgeschlossen, heute behandelt sie in ihrer eigenen Praxis.

Der Wunsch, mehr Zeit für ihre PatientInnen, und dann das Ziel: Shiatsu-Therapeutin. Vor drei Jahren hat sich Michaela Woodtli für den Studiengang entschieden, seit Januar ist sie offiziell KomplementärTherapeutin in der Methode Shiatsu, ihr nächstes Ziel: das eidg. Diplom.

Shiatsu, wie bist du darauf gekommen?

Ich war auf der Suche nach etwas Neuem, wollte aber weiterhin mit Menschen arbeiten, etwas Sinnvolles und Erfüllendes tun. Und ich bin gerne in Bewegung. Die Komplementärtherapie kannte ich aus eigener Erfahrung mit Kinesiologie. Mich beeindruckten die ganzheitliche Sicht und die Zusammenhänge mit der TCM. Im Shiatsu war ich vor der Ausbildung nur wenige Male. Aber plötzlich wusste ich: Das ist es.

Was genau?

Mit Menschen arbeiten, in Bewegung sein, den KlientInnen etwas Positives vermitteln und mitgeben.

Wolltest du weg vom Pflegeberuf?

Ehrlich gesagt ja. Aber ich halte mir diese Tür noch offen. Das ist das Schöne und Praktische am Pflegeberuf, ich kann jederzeit wieder einsteigen. Gerade in der Langzeitpflege, in der ich tätig war, sind Pflegefachleute immer gesucht.

Von der Pflege hört man oft, es bleibe kaum Zeit für die einzelnen Menschen. Wie erlebst du das als Komplementärtherapeutin?

Ja, das ist so, leider. Die Zeit ist knapp, der Druck hoch. Krankheiten und Behinderungen nehmen viel Raum ein. Für positive Momente wie Gespräche bleibt wenig Zeit. Doch gerade sie wären sehr wichtig für die PatientInnen, um gesund zu werden. Während meiner Ausbildung zur Komplementärtherapeutin ist mir das noch deutlicher bewusst geworden. Auch, wie wichtig es ist, kleine Momente zu nutzen, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen – und sie dadurch zu berühren.

Du hast mit ganz unterschiedlichen Menschen gearbeitet: mit körperlich und mehrfachbehinderten Kinder und Erwachsenen, Frauen im Wochenbett, Menschen mit Demenz. In welchen dieser Fälle würdet du Shiatsu empfehlen?

In allen dieser Fälle. Shiatsu hat eine wohltuende Wirkung auf Körper, Geist und Seele: Menschen mit körperlichen Behinderungen leiden oft unter Schmerzen und Spasmen, die kann Shiatsu lindern. Frauen im Wochenbett erleben Shiatsu als wohltuend, es stärkt ihr Körpergefühl und unterstützt sie dabei, sich in der neuen Lebenssituation zurecht zu finden. Manche geniessen es einfach, Zeit nur für sich zu haben. Bei Demenz lässt sich der Geist beruhigen. Mit Shiatsu arbeite ich sehr kreativ, passe meine Behandlung der Klientin, dem Klienten an, dem Stadium der Krankheit und den Symptomen. Wohltuend ist es in jeder Phase der Demenz.

Du wohnst im Gürbetal in der Nähe von Thun, nicht gerade um die Ecke. Weshalb hast du dich für die Ausbildung an der Heilpraktikerschule Luzern entschieden?

Der modulare Aufbau entsprach meinem Bedürfnis, Familie und Ausbildung unter einen Hut zu bringen. Die Heilpraktikerschule Luzern war mir sympathisch, ich entschied auch nach meinem Bauchgefühl. Und ich bin in der Zentralschweiz aufgewachsen, so habe ich die Schultage oft mit einem Besuch bei meiner Familie oder Freunden verbunden. Die Zeit im Zug nutzte ich zum Lernen oder Entspannen.

Du hast drei Kinder und nebenbei das Studium in drei Jahren abgeschlossen, die letzte Prüfung im Januar. Wow! Wie hast du das geschafft?

Meine Familie stand immer hinter mir und unterstützte mich sehr. Vor allem mein Mann. Durch unser gutes soziales Umfeld konnte ich mich gut organisieren. Dank meinen drei Kindern war immer jemand da, der sich zum Üben hingelegt hat. Der Zeitpunkt war ideal für eine neue Ausbildung, da unsere Kinder alle in die Schule gehen. So hatte ich Zeit für meine Ausbildung, für meine Praxis oder zum Lernen und Arbeiten schreiben. Aber klar, es war manchmal anstrengend und es gab viel zu tun.

Wie hat die Ausbildung dein Leben verändert? Hat sie das überhaupt?

Oh ja, sehr, angefangen bei mir selbst, der bewusste Umgang mit mir und meinem Körper, mein Selbstbewusstsein. Ich fühle mich jetzt viel ruhiger und zentrierter – etwas mehr angekommen bei mir selbst. Das ganze TCM-Wissen kann ich im Alltag anwenden: die Ernährung, die ganzheitlichen Zusammenhänge von Emotionen, Verhalten und Charakter. All das. Noch wichtiger geworden sind mir die Offenheit und Wertfreiheit gegenüber jedem einzelnen Menschen. Wir sind alle einzigartig in unserem Empfinden und bringen unsere persönliche Geschichte mit.

Deine Ausbildung hast du im Januar abgeschlossen, was ist dein nächstes Ziel?

Genau, jetzt habe ich das Branchenzertifikat, der nächste Meilenstein ist das eidgenössische Diplom zur eidg. dipl. KomplementärTherapeutin. Doch das wird noch etwas dauern. Erst baue ich meine Praxis auf und meine Familie ist ja auch noch da. Ich denke in drei bis vier Jahren bin ich bereit, wenn ich die nötige Praxiserfahrung habe und genügend Supervisionsstunden.

Und, letzte Frage, wie sieht dein typischer Arbeitstag heute aus? Arbeitest du weiterhin in der Pflege?

Zuerst kommt die Familie. Ich frühstücke mit meinen Kindern und bereite sie für den Schultag vor. Danach mache ich die Praxis bereit für die KlientInnen, oft beginne ich um 9 Uhr mit einem Shiatsu. Zwei KlientInnen, danach das Mittagessen vorbereiten, Zeit und Essen mit den Kindern. Am Nachmittag ist meine jüngste Tochter meist noch zuhause. Manchmal gebe ich am Abend noch eine Behandlung. So baue ich mir meine Praxis nach meinen Wünschen auf, abgestimmt auf die Familie. In der Pflege arbeite ich zurzeit nicht, ich möchte mich gerne ganz auf meine Praxis und Shiatsu fokussieren.

Danke für das Gespräch!

Gern, Luzia.


Shiatsu Michaela Woodtli, Fischermatt 9a, 3127 Mühlethurnen, 078 737 66 30, info@shiatsu-miwo.ch, www.shiatsu-miwo.ch

 

Shiatsu

Shiatsu ist eine Komplementärtherapie, kurz KT, die Schul- und Alternativmedizin ergänzt. Für das Einsteigermodul Shiatsu Basis gibt es keine Voraussetzungen. Weitere Methoden der KT sind Craniosacral-Therapie, Kinesiologie und Ayurveda-Therapie.