«Wir lernen jeden Tag dazu»

Ebikon, 9. April 2020 – Seit über einem Monat läuft der Unterricht an der Heilpraktikerschule Luzern via Livestream. Das Schulhaus ist ungewohnt leer, doch es gibt viel zu tun. Wie dieses Virus den Schulalltag verändert hat, berichten Hein Zalokar und Peter von Blarer von der Schulleitung.

Das Telefon eingepackt und zuhause getestet: Ja, funktioniert, mit derselben Nummer. Schulleiter Hein Zalokar bereitet sich schon Anfang März auf Homeoffice vor – und nimmt das Telefon dann gleich wieder mit ins Büro: Homeoffice wird es für ihn kaum geben, zu viel gibt es mit dem Livestreaming zu tun.

Wie geht es euch?

Peter: Es ist eine aufregende Zeit. Die Situation ändert sich ständig, manchmal von Tag zu Tag. Wir sind kreativ und entwickeln so viel Neues. Mir macht es Spass, ein Problem am anderen zu lösen.

Hein: Ich bin stolz, dass alles recht rund läuft.

Ist dieser Ausnahmezustand nicht anstrengend?

Hein: Natürlich ist er das, er hört auch nach Feierabend nicht auf. Die Tage sind lang, danach gehe ich heim – und alle sind da. Unsere Kinder gehen ja weder zur Schule noch zu ihren Grosseltern oder Freunden.

Peter: Und die ganzen Emails… Mein Posteingang quillt über. Aber wie wir an diesem einen Wochenende alle Schulzimmer mit Kameras und Mikrofon ausgestattet hatten, das war grossartig.

Seither läuft der Unterricht über Livestream, funktioniert das gut?

Peter: Ja, am Anfang war alles noch etwas rucklig, aber jetzt läuft es tipptopp. Wir lernen jeden Tag dazu. Auch unsere StudentInnen, die im Umgang damit erfahrener werden. Wir haben es auch geschafft, den Unterricht interaktiver zu machen: Die StudentInnen können Fragen stellen, in kleinen Gruppen diskutieren.

Welche Stolpersteine gab es bisher?

Peter: Es gibt einige StudentInnen, die wenig versiert im Umgang mit der Technik sind. So haben wir gerade in den ersten zwei Wochen sehr viele Anfragen erhalten, unsere Telefone klingelten ununterbrochen, das hat sich jetzt etwas gelegt. Und wir konnten sie per Telefon so gut unterstützen, dass sogar unerfahrene TechnikerInnen Freude am Livestream bekommen haben.

Wie gehen die DozentInnen mit der Situation um?

Peter: Sie sind erstaunt, wie gut es läuft. Und, wie einfach es ist.

Hein: Genial! Es ist verrückt, wie sie in diese neue Situation reinspringen. Wir lernen gerade alle dazu – und die Lernkurve ist steil. Ich bin total stolz auf sie.

Und wie fühlt es sich an, wenn ihr hier im Schulhaus seid, die Leere?

Peter: Traurig. Mir fehlen die Menschen, die das Schulhaus füllen. Die lachenden StudentInnen, die Dozentinnen, das Team. Es ist ungewohnt ruhig hier.

Hein: Ich empfinde das Schulhaus gar nicht als leer. Bei mir läuft im Hintergrund immer ein Livestream, so bekomme ich vom Unterricht fast mehr mit als zuvor. Und täglich telefoniere ich mit DozentInnen.

Wie geht es jetzt weiter?

Peter: Einige DozentInnen unterrichten neu von zu Hause aus oder aus ihrer Praxis. Zum Beispiel, weil sie mit einer RisikopatientIn zusammenleben oder die öffentlichen Verkehrsmittel meiden. Also fahre ich zu ihnen nachhause und richte da die Technik ein. Es gibt viel zu tun.

Hein: Am Anfang ging es darum, den Unterricht aufrecht zu erhalten. Seit wir von Youtube zu Zoom gewechselt haben, verbessern wir die Livestreams, tüfteln an den Einstellungen. Inzwischen kann man den Unterricht auch im Replay schauen. Im Moment nimmt die Koordination viel Zeit in Anspruch, also dass die Kursunterlagen rechtzeitig hochgeladen und die Videos richtig verlinkt sind. Und dann das Replay: Wer hätte gedacht, dass etwas prinzipiell so Einfaches so schwierig und zeitaufwändig ist. Aber es sind ja unglaubliche Mengen an Daten, die zu verarbeiten sind.

Wie schützt ihr euch und das Büro-Team?

Peter: Wer kann, arbeitet im Homeoffice. Es ist nur eine Handvoll Personen im Schulhaus. Ich kümmere mich oft um die Technik, wenn keiner da ist. Wir haben selbst Desinfektionsmittel hergestellt, mit Thymian- und Lavendel-Zusatz intensiviert – und dass es auch gut riecht.

Hein: Wir halten sämtliche Empfehlungen des BAG ein, reduzieren unsere persönlichen Kontakte auf ein Minimum: Info-Anlässe laufen nun auch über Livestream, Beratungsgespräche per Telefon.

Und was gibt es Positives, das ihr dieser Zeit abgewinnt?

Peter: Wir erhalten so viele tolle Rückmeldungen, dafür sage ich danke.

Hein: Ich mag dieses Tempo: Vollgas. Unser neues Webinar, zum Beispiel: Von der Idee bis zur ersten Episode verging gerademal eine Woche. Es geht so schnell vorwärts. Und jetzt kommt das Osterwochenende. Da freue ich mich aufs Durchschnaufen und darauf, mit meinen Kindern Zeit zu verbringen. Ein bisschen innehalten und für sich selbst und die Familie da sein.

 

Und hier ein paar Links zur aktuellen Situation

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