Bei Schmerzen: Shiatsu, trianguläre Beziehungen, divergente Meridiane, Visualisierungen

Ebikon, 31. März 2021 – Wie sie ihren Schmerz-KlientInnen hilft, dazu haben wir Shiatsu-Therapeutin Katerina B. Chrissochou gebeten, einen Text zu verfassen. Hier ist er.

Katerina B. Chrissochou hilft mit Shiatsu bei Schmerzen. Gemäss einer Umfrage erfahren 98% der Schmerz-KlientInnen durch Shiatsu eine Besserung. Viele können auch Medikamente reduzieren. Die Umfrage wurde von der Shiatsu-Gesellschaft Schweiz von 2009 bis 2011 durchgeführt. Photo: Privatklinik Hohenegg, vor Corona

«In meiner Praxis habe ich viele KlientInnen mit Schmerzen, oft chronischen. Diese können sich als Gelenks-Rücken-Kopfschmerzen oder Schmerzen des Magen-Darmtraktes äussern. Häufig gibt es Zusammenhänge zwischen körperlichen und psychischen Themen.

Es ist bei der Behandlung nicht nur relevant, wo die Schmerzen sind, auch die Qualität der Schmerzen spielt eine wichtige Rolle. Manchmal ist es notwendig, mit der Kiyindo-Shiatsutechnik zu arbeiten, also mit triangulären Beziehungen, so dass ich nicht direkt an der schmerzenden Stelle arbeiten muss, sondern über Fernpunkte bzw. -zonen arbeiten kann. Als einfaches Beispiel kann man Knieschmerzen des rechten Knies über die Arbeit am linken Ellbogen lindern oder Kopfschmerzen über das Sakrum. Oder einen verspannten Nacken über das Handgelenk.

Ein wichtiger Ansatz bei chronischen Beschwerden ist auch die Arbeit mit den divergenten Leitbahnen. Das sind die tiefen, inneren Verläufe der Meridiane. Dadurch, dass sie tief im Körper sind, sind die normalen Techniken kaum geeignet. Trotzdem lässt es sich aber an diesen Meridianen arbeiten, das finde ich immer wieder faszinierend: nämlich zum Beispiel mithilfe von Atem- und Visualisierungstechniken, auch mit Tönen wie den heilenden Lauten der TCM. So hat jedes Element einen bestimmten Ton, der sich summen lässt. Beim Holzelement kann man zum Beispiel die gestaute Energie von Wut und Ärger mithilfe einer Visualisierung – einer giftgrünen Wolke – abatmen. Diese Techniken bringe ich meinen KlientInnen bei, denn sie lassen sich sehr gut zuhause einsetzen. Das hilft und überbrückt die Zeit bis zur nächsten Sitzung. 

Übrigens: Die SGS, also die Shiatsu-Gesellschaft Schweiz, hatte Shiatsu-KlientInnen nach ihren Gründen für das Aufsuchen von Shiatsu-TherapeutInnen befragt und auch nach den Wirkungen. Fazit: Jede zweite der 325 befragten KlientInnen gab Schmerzen als Grund für das Aufsuchen einer Shiatsu-TherapeutIn an. Dabei ging es hauptsächlich um Schmerzen am Bewegungsapparat: Rücken, Schulter, Nacken, Becken. Genannt wurden auch Kopfschmerzen und Migräne und durch Fibromyalgie verursachte Schmerzen. 

Zur Wirkung sagten 98%, dass sich Shiatsu positiv auf ihren Zustand ausgewirkt habe. Konkret genannt wurden die allgemeine Entspannung, die Linderung der Beschwerden und eine verbesserte Körperwahrnehmung; viele KlientInnen konnten ihre Medikamente reduzieren.

Was auch betont wurde, und das finde ich sehr spannend, ist die hohe Bedeutung der Beziehungsqualität zwischen KlientIn und TherapeutIn sowie der Stellenwert dieses empathischen Umgangs und des Vertrauens. Spannend ist das, weil diese Umfrage um 2010 stattfand, also vor der Einführung des Komplementärtherapie-Aspekts in die Shiatsu-Behandlung, das heisst vor der Einführung genau dieser Themen rund um Empathie und Vertrauen, die die KlientInnen genannt haben.

Ausserdem gab es eine andere Studie: In Grossbritannien boten HausärztInnen ihren PatientInnen mit chronischen Beschwerden und Erkrankungen sechs Shiatsu-Behandlungen bei einer qualifizierten Shiatsu-TherapeutIn an. Die PatientInnen, die dieses Angebot wahrnahmen, meldeten Positives zurück: Sie schätzten den individuellen Behandlungsansatz und die psychosozialen Aspekte der Shiatsu-Therapie. Auch bei ihnen zeigte sich eine Verbesserung des Zustands und eine Reduktion des Medikamentenkonsums.

Das ist auch meine Erfahrung in meiner Praxis. In den allermeisten Fällen lassen sich Schmerzen mit Shiatsu deutlich reduzieren, und das schon in einer Sitzung. Um eine nachhaltige und anhaltende Wirkung zu erzielen, ist die Mithilfe der KlientInnen wichtig, zum Beispiel durch Dehnungs-, Kräftigungs- oder Atemübungen, heilenden Lauten, Visualisierungen, um nur einige zu nennen. 

Oft gebe ich diese Übungen schon nach der ersten Sitzung mit, individuell auf die KlientInnen ausgerichtet. Das hat verschiedene Funktionen, einerseits hat die KlientIn mit diesen Übungen etwas in der Hand, um zwischen den Sitzungen etwas Hilfreiches gegen die Schmerzen zu tun; die Ursachen dieser Schmerzen sind oft noch nicht so schnell behoben. Und zweitens lassen sich mithilfe dieser Übungen dann genau diese Ursachen angehen. 

Es gibt sehr schöne Erlebnisse, zum Beispiel wenn Schmerzen oder Beschwerden schon nach einer Sitzung verschwinden. So hatte ich neulich eine KlientIn, die nach einer Knieoperation eine taube Stelle am Bein hatte, die trotz klassischer Therapien nicht besser wurde. Medizinisch gesehen war alles in Ordnung, dieses Taubheitsgefühl war nicht erklärbar. Durch die Zusammenarbeit mit der Klientin während des Shiatsu sowie durch Nachforschungen in der Klinik kam heraus, dass an der tauben Stelle eine Art «Block» für die Operation angebracht wurde, der dafür sorgte, dass die Blutversorgung während der Operation unterbrochen wurde. Nachdem wir dieses Trauma im Körpergedächtnis gelöst hatten, wurde die Stelle deutlich belebter, und das taube Gefühl schwand bis zum Ende der Sitzung.

Es ist übrigens entscheidend, den sogenannten pathogenen Faktor zu finden und aufzulösen. Die TCM – und damit auch Shiatsu – kann das sehr gut. Hingegen hat die westliche Medizin kein Erkenntnissystem dafür. Zwar kann sie vieles, das aber ist genau die Stärke von Shiatsu bzw. TCM. Ein Beispiel: Jemand hat Arthrose in der Hüfte. Um sie anzugehen, gibt es eine Operation, und sie hilft. Das Gelenk ist ersetzt und schmerzt nicht mehr. Doch der pathogene Faktor – das, was die Ursache für die Arthrose war – ist nicht eliminiert, sondern bloss weiter in den Körper eingedrungen. Die inneren Verläufe gehen meistens durch das Herz, deswegen zeigt sich der pathogene Faktor oft dort. Tatsächlich kommt es nach solchen Gelenkoperationen ziemlich oft zu Herzinfarkten. Gut wäre es deshalb, die KlientIn, wenn sie um eine Operation nicht herum kommt, schon vorher und auch danach mit Shiatsu zu betreuen.»

 

Katerina B. Chrissochou ist eidg. dipl. KomplementärTherapeutin in der Methode Shiatsu, eidg. dipl. Sport- und Bewegungstherapeutin; an der Heilpraktikerschule Luzern unterrichtet Katerina Shiatsu und QiGong und leitet das Ressort Shiatsu KT. Sie führt ihre Praxis in Zürich und arbeitet in der Gemeinschaftspraxis Seegarten sowie im Rückenkompetenzzentrum: 

Links

Die Studie der Shiatsu-Gesellschaft Schweiz:

Die Studie aus Grossbritannien:

Zu Gelenkersatz und Herzinfarkt zum Beispiel:

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