«Körper und Seele über die Füsse in Einklang bringen»

Ebikon, 31. März 2021 – An den Füssen massiert werden, an anderen Stellen Linderung erfahren, das ist die Fussreflexzonen-Massage. Dozentin Karin Stettler im Interview.

Karin Stettler empfiehlt Körpertherapien wie die Fussreflexzonen-Massage bei körperlichen Beschwerden und emotionalen Themen, auch und gerade bei so langandauerndem Stress und Ungewissheit wie während der Pandemie.

Karin, was fesselt dich so an Füssen?

Eine spezielle Frage. Ich sage es mal so: Die Füsse «fesseln» uns auf ihre Weise an die Erde, und wenn sie unverletzt, gepflegt und gesund bleiben, tragen sie uns durch das Leben und ermöglichen uns eine enorme Mobilität. Das ist doch sehr faszinierend, immer wieder zu fühlen und gewahr zu sein, wie viel Kraft in ihnen ist und welch wichtigen Körperbereich sie ausmachen: Diese Bewegungsfähigkeit und ebenso die Verbindung und Verwurzelung mit der Erde und in einem weiteren Sinn auch mit der Gemeinschaft und den Tätigkeiten, in denen wir uns entfalten. Wurzeln sind der Ausdruck von Kraft, Nahrung und die Energien unserer Ahnen, durch die wir hierhergekommen sind. Die hohe Sensibilität der Füsse und das überlieferte Wissen, dass sie den ganzen Körper als verkleinerte Selbstwiederholung auf den Fusssohlen und um den ganzen Fuss herum spiegeln, ist doch wahrlich fesselnd. Somit haben wir die Möglichkeit, viele Beschwerden zu behandeln. Zudem sind sie verknüpft mit den Händen, wo sich ebenso alle Reflexzonen des ganzen Körpers spiegeln und massiert werden können.

Du hast grad von Selbstwiederholung gesprochen. Vielleicht musst du kurz sagen, was Fussreflexzonen sind?

Wenn wir von Reflexzonen an den Füssen sprechen, sind damit die Organzonen gemeint, die als Selbstwiederholung und Spiegelung des ganzen Körpers auf den Fusssohlen und rund um den Fuss herum liegen, zum Beispiel Kopf- und Halsbereich an der Grosszehe. Somit ist es möglich, durch Manipulation, Massage, Palpation, Druck, Streichungen alle inneren Organe, die Lymphe, den Muskelapparat, die Leitbahnen, also die Meridiane, zu aktivieren, mehr zu durchbluten, Schlacken abzutransportieren und den Energiefluss zu steigern. Ebenso gelingt es oft bei einer solchen Massage, eine ganz tiefe Entspannung zu erfahren.

Mir half eine einzige Fussreflexzonen-Massage einmal bei Kopfschmerzen, zumindest für etwa drei Wochen. Das ist also möglich?

Ja, es ist möglich, Schmerzen aller Art und auch Kopfschmerzen zu behandeln. Denn wir nehmen über die Fussreflexzonen-Massage Einfluss auf viele Körperfunktionen wie die Verdauung, die Ausscheidungskraft, das vegetative Nervensystem, die Leitbahnen im Körper. Dadurch können sich der Körperfluss und vorhandene Blockaden lösen. Kopfschmerz ist eine Beschwerde, die ganz verschiedene Ursachen haben kann, und durch die Organzonen am Fuss bekommen wir Hinweise, welche Vorgänge im Körper aus dem Gleichgewicht sind. Das kann der Stoffwechsel sein, es können Giftstoffe sein, es kann von Fehlhaltungen und Verspannungen her kommen, es kann auch von älteren Erfahrungen her sein, wie einem Unfall, oder von tieferen seelischen Themen, unverarbeiteten Prozessen oder es sind Muster aus frühkindlichen Konditionierungen, usw.

Bei welchen weiteren körperlichen Beschwerden hilft sie?

Die Fussreflexzonen-Massage kann viele Beschwerden regulieren: Stoffwechselprobleme, Migräne, Menstruationsbeschwerden und Hormonhaushalt, Wechseljahrbeschwerden, diverse Körper- und Gelenkschmerzen, statisch-muskuläre Verspannungen und Belastungen, schwaches Immunsystem, Lymphsystem, Schlaflosigkeit, Übersäuerung, Allergien, Erkältungen, Sinusitis, Stärkung vor und Regeneration nach Operationen.

Inwiefern sind Fussreflexzonen-Massagen auch bei emotionalen Themen eine gute Idee? Momentan, in der Pandemie, sind ja Traurigkeit, Melancholie Thema, sogar Depressionen. Aber kann ich mich mit Fussreflexzonen-Massage so stärken, dass ich dieser Traurigkeit, dieser Schwermut vorbeugen kann?

Die Fussreflexzonen-Arbeit mit den Berührungen an den Füssen kann sehr tiefe und intensive Reaktionen bewirken. Ich empfehle sie deshalb auch für seelische und psychosomatische Lebensthemen. Dafür wurden von interessanten, empathischen Menschen unterschiedliche Behandlungsmethoden entwickelt. Dazu gehören die Psychozonbehandlung, die Metamorphose bzw. Pränatalbehandlung oder die Chakrabehandlung, um zu einem inneren Gleichgewicht zurück zu finden.

Wie ist das bei schweren psychischen Erkrankungen? 

Da ist natürlich psychologische und psychiatrische Begleitung unerlässlich. Doch abgesehen davon häufen sich in dieser globalen Krisenzeit Stress, Ängste, Druck und viele starke Emotionen. All dies wirkt sich ebenso belastend auf unsere Körper aus, und da sind Körpertherapien wie die Fussreflexzonen-Massage ein wahres Geschenk. Körpertherapien helfen, Kräfte freizusetzen und das seelische und das körperliche System zu entstauen. Auch harmonisieren sie das Hormonsystem, denn langandauernder Stress durch zu viele und dazu negative Inputs, Verunsicherungen und Ungewissheit wirken sich störend auf die hormonellen Abläufe aus. Es fällt uns schwerer, langandauernde Stimmungen der Ungewissheit, Traurigkeit, Gefühle von Sinnlosigkeit, Einsamkeit, Frustrationen oder auch Aggressionen zu regulieren. Das alles können wir in dieser Zeit der Pandemie beobachten. 

Machst du denn als Fussreflexzonen-Therapeutin auch Gesprächstherapie?

Die Kommunikation, die Präsenz und das Zuhören der TherapeutIn sind sehr wichtig. Gespräche gehören auch dazu. Doch liegt der Fokus auf der Arbeit an den Füssen. Die verschiedenen Methoden, die wir vermitteln, sind enorm hilfreich, um Körper und Seele wieder in Einklang zu bringen und den Verstand zu beruhigen, der oft überhand nimmt und die Menschen peinigt durch ein unaufhörliches, unkontrollierbares Gedankenkarussell. 

Wenn du die Füsse von jemandem siehst – sagen sie etwas über diese Person aus?

Jede Lebenssituation ist am Fuss abzulesen. So wie unser ganzer Körper spiegeln sich unser Lebenswandel und ebenso unser Potenzial sowie die Konstitution, die Körperstatik, die Erfahrungen an den Füssen. Man erkennt das Verlangen und die Kräfte im Menschen, sich im Leben selbst zu verwirklichen und sein Potenzial zu entfalten.

Nicht alle Füsse kommen wie aus dem Prospekt. Wie gehst du als Therapeutin damit um, dass manche Füsse vielleicht übel riechen? 

Da kann man ganz praktisch handeln, und zum Beispiel ein Fussbad anbieten oder mit sanften Abreibungen und Düften vor der Massage arbeiten. Es gibt auch Fusscremes, die angenehm riechen, falls es wirklich so schlimm wäre. Meine Erfahrungen sind, dass die meisten Menschen vor dem Gang in die Fussreflexzonen-Behandlung ihre Füsse pflegen. Die Ausdünstungen der Füsse geben einen Hinweis über den Stoffwechsel der KlientIn, da der Fuss seine Arbeit zur Entgiftung für den ganzen Körper tut, also können übel riechende Füsse mit einem belasteten Darm zu tun haben oder auch mit viel Stress, denn Schweiss oder übermässiges Schwitzen an den Füssen weist wiederum auf das Hormonsystem hin, das vielleicht aus dem Gleichgewicht ist.

Stichwort Fussschweiss: Muss ich als KlientIn da eigentlich Hemmungen haben zu einer TherapeutIn zu gehen? Oder hilft da die Fussreflexzonen-Massage sogar?

Hemmungen können in bestimmten Situationen angebracht sein, Mani Matter hat es uns ja schon lange vorgesungen mit seinem «Hemmige», aber sie sollten uns nicht bei allem im Wege stehen. Gerade Fussschweiss könnte uns ja auf die Idee bringen, in die Fussreflexzonen-Massage zu gehen, um ein paar Antworten und gute Tipps dazu zu erhalten. Ich frage die KlientInnen mit diesem Thema immer, in welchen Materialen die Füsse die meiste Zeit stecken. Sind es synthetische Socken, welche Schuhe sind es, wie ist die Pflege im Allgemeinen? Eine gute, regelmässige Hygiene, Fusspflege mit Bädern sind da ratsam, Wollsocken statt synthetischer, barfuss laufen, wo immer es geht, evtl. eine Ernährungsumstellung, was oben rein kommt, muss verstoffwechselt wieder ausgeschieden werden, und da machen die Füsse eine ebenso grosse Arbeit wie die Ausscheidungsorgane.

Danke, Karin.

Bitte, Martin.

Karin Stettler ist Fussreflexzonen-Therapeutin, -Dozentin und Prüfungsexpertin. Sie führt ihre Praxis in Luzern, schreibt auch Bücher, zum Beispiel «Der Weg in die Freiheit», ist Malerin und Künstlerin:
www.corunda.ch

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