«Es scheint alles möglich»

Ebikon, 24. Juni 2021 – Was ist das Gute am Sommer? Dazu haben wir unsere TEN-, TCM-, Ayurveda- und KT-DozentInnen gefragt. Zu Mittagssiesta, Vitamin-D3, Agni, Holunderblütentee, Feuer und mehr – hier.

Sommer – raus an den See, in die Berge, den Garten. Und die volle Pracht der Farben geniessen, wie hier die strahlende Kornblume.

Im Sommer hat man das Bild von der Hängematte, von der Siesta auch, der kurzen Erholung über Mittag. Wie wichtig sind Erholung und Schlaf aus Cranio-Sicht? Besonders im Sommer?

Die Sommerzeit ist ideal, um auszuruhen, aufzutanken und seinen Körper den Rhythmen der Natur zu überlassen. Also: Auf die Erde hinlegen, sich dem nährenden Boden hingeben, mit dem Flüssigkeitskörper des Wassers spielen, das Licht und die Wärme der Sonnenstrahlen in sich aufnehmen und sich mit dem Lebensatem und seiner Weisheit verbinden – das ist eigentlich eine kostenlose Craniobehandlung im Sommer mit dir zusammen.

Übrigens ist das sehr passend mit den Grundrhythmen, die wir im Cranio unterrichten: CRI für die Erde; Mid Tide für das Wasser; Long Tide für die Sonne und dynamische Stille für das Licht.

Sandra Gubler, Cranio-Dozentin

Wie kühle ich mich an heissen Tagen richtig ab? Kalt duschen, Getränke mit viel Eis, Glacé?

Nein, obwohl das viele denken, gehört das kalte Duschen nicht zur perfekten Sommer-Abkühlung. Viel besser ist es, sich lauwarm zu berieseln, und dann nicht «abrubbeln», sondern lufttrocknen lassen. Ich glaube, den Tipp habe ich von Ulrike.

Und Taulaufen nach Kneipp ist auch ein super Immunsystem-Booster – also barfuss im taufrischen Gras – und dabei gleich noch den Sonnenaufgang geniessen.

Weniger gut sind eiskalte Getränke. Diese kühlen unsere Verdauung stark, und dadurch schwächen sie unser Immunsystem. Besser wäre es, zum Beispiel einen Holunderblütentee lauwarm zu trinken oder einen frischen Zweig Zitronenmelisse mit heissem Wasser zu übergiessen und dann mit kaltem Wasser aufzufüllen. Wenn man das lauwarm trinkt, ist es auch sehr erfrischend.

Und dann empfehle ich einen Salat mit geraffelten Rüebli und Kohlrabi. Beides sollte man vorher im Dampfkörbchen weichkochen. Ein Dressing mit Apfelessig, Olivenöl, Ahornsirup statt Balsamico, Senf, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Und frische Pfefferminze feinhacken und dazugeben für den Extrafrischekick – fertig!

Sarah Föhn, Ressortleiterin TEN

Eric, ist unser Immunsystem im Sommer fitter? Und wie unterstützen wir es auch jetzt, hast du einen Tipp?

Ja, im Sommer räkeln wir uns wieder an der Sonne, unsere Haut kriegt viel Licht ab. So wird der Vitamin-D3-Spiegel im Körper erhöht und unser Immunsystem arbeitet besser. Das heisst, man hat weniger Infektionskrankheiten und falls doch mal eine zugreift, verläuft diese milder. Wahrscheinlich ist das auch bei Corona so.

Eric Haberthür, dipl. Arzt und WestMed-Dozent

Brigitta, nach so viel Stubenhockerei endlich wieder wandern, laufen, schwimmen: da ist Muskelkater vorprogrammiert. Hast du einen Tipp zum Loslegen? Und umgekehrt, wann sollte man besser bremsen?

Muskelkater? Mit einer Manuellen Lymphdrainage kann man eine wohltuende Linderung erzielen. Das Streichen und feine Drücken an den Extremitäten hat eine detonisierende Wirkung. Tja, alles mit Mass.

Brigitta Zumbühl, Lymphdrainage-Dozentin

Wie wichtig ist die Ernährung im Sommer? Worauf gilt es aus Ayurveda-Sicht zu achten?

Das Ziel im Ayurveda ist ja, dass die Menschen strahlen, also dass sie voller Energie und Lebensfreude sind. Im Ayurveda nennen wir dieses Strahlen auch «Ojas», und ja, darauf hat die Ernährung einen massgeblichen Einfluss. Da muss ich kurz ausholen: Unser Körper besteht aus sieben zusammenhängenden Gewebeschichten. Jeweils dazwischen brennt Agni, unser Verdauungsfeuer. Ernähren wir uns gesund und gut, sind alle sieben Gewebeschichten wohl genährt und unser Immunsystem ist in Schwung, wir sprühen vor Energie – und strahlen! Damit unser Agni auch im Sommer ausgeglichen bleibt, müssen wir die Hitze im Körper reduzieren. Tipps dazu habe ich in meinem Blog, hier.

Rebekka Heckendorn, Ressortleiterin Ayurveda-Medizin

Nach der Traditionellen Chinesischen Medizin TCM ist der Sommer die Zeit des Feuers, diesem Element werden die Organe Herz und Dünndarm zugeordnet. Was bedeutet das?

Der Sommer ist der Höhepunkt an Licht und Wärme. Oder anders ausgedrückt: die Zeit des Feuers. Wir können uns unseren Körper als ein Mandala vorstellen, eine Art Königreich. Dabei ist das Herz der Kaiser und der Dünndarm sein wichtigster Beamter. Während des Sommers ist die Energie hauptsächlich in diesen zwei Organen. Somit haben sie Kraft zum Wirken und das Volk – Körper und Geist – zu achten. Unterstützt der Beamte seinen Kaiser korrekt, dann spricht man von geistigem Sortieren, dann kann der Kaiser gut und weise regieren. – Es geht uns gut, wir sind klar und können das Leben aktiv geniessen.

Philippe Marty, TCM-Dozent

Sommer ist das Element Feuer. Hat das Leben – von Geburt bis Tod – auch so eine Art Sommer, eine Art Feuer? Gibt es einen Sommer des Lebens?

Das Element Feuer schenkt uns im Sommer die volle Pracht der Farben in Blütenform und der Yang-Energie. In der Blüte des Lebenszyklus scheint alles möglich. Die Liebe erblüht, die Freude regt an und der Tanz erfüllt. Diese Fülle lässt uns unendliche Möglichkeiten der Entfaltung. Um daran nicht «auszubrennen», gönne dir immer wieder Yin-Momente, um dein Herz wieder in Ruhe zu bringen.

Franziska Hürbin, TuiNa-Dozentin

Nach der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde TEN ist der Sommer die Zeit des Feuers, der Choleriker. Kannst du das erklären? Was ist typisch cholerisch?

Typisch für das Cholerische ist die hohe Irritabilität, also die schnelle Reizbeantwortung beziehungsweise die schnelle Reaktion auf einen Reiz, und die hohe Vitalität. Der Choleriker, welcher physiologisch einen höheren Anteil an Gelbgalle produziert, entspricht dem Feuerelement. Die Gelbgalle repräsentiert das Feuerelement im Menschen. Das Feuer sowie die Gelbgalle sind daher qualitativ warm und trocken. Deswegen kann sich der Choleriker im Sommer, der jahreszeitlich ebenfalls warm und trocken ist, eher überhitzen. Meist sucht er im Urlaub Abkühlung im Gebirge und trinkt gerne ein kühlendes Bier.

Das aktuelle Jahr steht aber nach dem 100-jährigen Kalender unter der Herrschaft des Saturns. Das Jahr wird also von der «Melanchole», der schwarzen Galle beherrscht. Im Zentrum stehen somit die Qualitäten kalt und trocken.

So gesehen dominieren dieses Jahr die Organe und Systeme, welche mit der «Melanchole» in Verbindung stehen. Das sind Milz und Bindegewebe: Faszien, Knochen, Haut. Zugleich werden Organe und Systeme belastet, die einen hohen Bedarf an Feuchte haben: Schleimhäute, Gehirn, Gelenke. Insbesondere kleine Gelenke leiden schnell bei Feuchtedefizit, und auch die abschirmenden Kräfte wie die Hautbarriere, Nervenabschirmung und das Immunsystem sind anfällig.

Typisch für schwarzgallige Jahre, also Saturnjahre, ist die langanhaltende Kälte nach dem Winter. Die sanguinische Phase des Frühjahrs kann sich nicht kraftvoll entfalten. Das gesamte Jahr tendiert zur Kälte, meist verbunden mit Regenneigung, aber auch trockene Phasen sind möglich. Kalt-trocken bedeutet beim Saturnjahr nicht, dass das Wetter zwangsläufig kalt und trocken ist, sondern es bedeutet, dass das Wetter die Vitalität mindert.

Sehr typisch für schwarzgallige Belastungen ist die Störung organisierender und rhythmischer Funktionen wie Schlafrhythmus, Herz, Atmung und Endokrinum als Folge der devitalisierenden, statischen Kraft von «Melanchole». Dadurch werden Heilungsprozesse erschwert und verzögert; bewährte Therapien scheinen dann plötzlich nicht zu funktionieren; Leiden werden hartnäckiger und manchmal auch gefährlicher.

Schauen wir, ob sich diese Theorie bewahrheitet.

Paul Hänni, TEN-Dozent