«Wie magisch Shiatsu ist»

Ebikon, 8. Juli 2021 — Vor drei Jahren haben Claudia, Jeannine und Liliane abgeschlossen. Wie ist es ihnen in der Zwischenzeit ergangen? Über Rückschläge, Fortschritte und die Kraft von Shiatsu.

Claudia Sarri hat sich – wie Jeannine Bühlmann und Liliane Bernet – beruflich neu orientiert: In ihrer Praxis «Seelentau» bietet sie Shiatsu KT an. Foto: D. Ammann

Wie lief, wie läuft der Aufbau eurer Praxen? Habt ihr zum Beispiel viel Werbung gemacht? Wo steht ihr?

Claudia: Die Entwicklung meiner Praxis geht im gewünschten Tempo vorwärts und ich bin sehr zufrieden. Der Praxisaufbau ist jedoch ein längerer Prozess und geschieht nicht über Nacht. — Ich arbeite aktuell zwei Tage pro Woche in der Praxis und die restlichen drei Tage bin ich weiterhin im Büro angestellt. Ich habe mich vor allem für sehr dezente Online-Werbung entschieden. Am wertvollsten ist jedoch die Mund-zu-Mund-Werbung, die mir neue KlientInnen gebracht hat.

Jeannine: Bei mir ist es so, dass ich mein Leben in Luzern hinter mir gelassen habe letzten Herbst, durch einen enormen spirituellen Prozess hat mich meine Seele nach Engelberg geführt. Ich wohnte da schon einmal vor einigen Jahren über den Winter. Darum stehe ich mit meiner Praxis sozusagen wieder am Anfang. Ich habe aber doch KlientInnen, die mit mir mitgekommen sind, was mich enorm freut. Aktuell mache ich Werbung via Social Media und Engelberger Anzeiger. Was mich immer sehr freut, ist, wenn Menschen den Weg über Weiterempfehlungen zu mir finden, das ist ein grosses Kompliment.

Liliane: Bereits gegen Ende der Ausbildung war ich gut ausgelastet in meiner Praxis. Nach Erhalt des Branchenzertifikats und der Anmeldung beim EMR hat der Zulauf stetig zugenommen, so dass ich nie gross Werbung machen musste. Die Krankenkassenanerkennung ist ein grosses Bedürfnis, wird besonders geschätzt und schafft Vertrauen. Ein einmaliger Flyerversand brachte mir einige zusätzliche KlientInnen, sowie auch Google oder Blog-Beiträge auf meiner Website via Social Media. Die meisten KlientInnen finden jedoch durch Mund-zu-Mund-Weiterempfehlung zu mir. Ich bin sehr zufrieden mit der aktuellen Auslastung und habe inzwischen gelernt, mich optimal zu organisieren und die Arbeitswochen gut zu planen.

Es funktioniert nicht immer alles auf Anhieb. Welches Hindernis oder welchen Rückschlag habt ihr überwinden bzw. verkraften müssen? Wie habt ihr das geschafft?

Claudia: Einen eigentlichen Rückschlag hat es nicht gegeben. Der Lockdown auf unbestimmte Zeit in der Aufbauphase einer Praxis war aber definitiv eine Herausforderung. Man hatte keinen eigenen Einfluss und es halfen lediglich Geduld und Vertrauen auf bessere Zeiten. Nach der Öffnung hat sich aber alles schnell wieder eingependelt.

Jeannine: Das grösste Hindernis war oder bin immer ICH selber. Durch meinen Prozess, zu mir zu finden, habe ich das Aussen abgeblockt und mich automatisch zurückgezogen und die KlientInnen fanden den Weg nicht zu mir, was mich traurig machte. Dadurch fühlte ich mich nicht gut genug und fing an, vieles zu hinterfragen. Gleichzeitig bringt mich das auch immer weiter im Leben. Es ist auf Dauer immer schön zurückzublicken, was man dadurch erreicht hat.

Liliane: Eine Herausforderung, welche ich zu überwinden hatte, war die Organisation und Terminplanung, ohne mich zu überlasten. Mit der zügig zunehmenden Auslastung, höher als geplant, musste ich lernen, mich optimal zu organisieren, um nebenbei auch meiner Anstellung im Spital, meiner Familie sowie meinem eigenen Gleichgewicht gerecht zu werden. Dieses Erkennen und Respektieren eigener Grenzen und das Finden meiner Balance war eine wichtige und wertvolle Erfahrung für mich, welche ich auch nutzen kann in der therapeutischen Arbeit. Eine weitere Herausforderung, welche ich anfangs etwas unterschätzt hatte, war die HFP im April 2021, welche ich aber bestanden habe, worauf ich stolz und sehr erleichtert bin.

Was war bislang euer schönstes Shiatsu-Erlebnis? 

Claudia: Parallel zu der Suche nach einem geeigneten Praxisraum besuchte ich eine Weiterbildung. Dort traf ich meine Shiatsu-Therapeutin, die mich ursprünglich auf diesen Weg gebracht hatte. Sie teilte mir mit, dass in ihrer Gemeinschaftspraxis noch ein Raum frei sei. Ich zögerte keinen Moment und bin mittlerweile seit zweieinhalb Jahren dort.

Jeannine: Eines meiner schönsten Erlebnisse war gerade gestern, als eine Klientin mir erzählte, dass sie sich wie in einer sicheren und wunderschönen Energie-Kugel fühlte, gut aufgehoben, und wie sich die Energie von Kopf und Füssen wie magnetisch anfühlte. Da bin ich selber immer überwältigt, was Menschen spüren und wie magisch Shiatsu ist und was man alles mit den Händen bewirken kann. Darum liebe ich es, mit den Händen zu arbeiten und die Energie fliessen zu lassen. — Und ein anderes noch: Ich war ein paar Jahre lang in Luzern tätig als Therapeutin, den Praxisraum hatte ich damals bereits in der Ausbildung gefunden. Ich fühlte mich da auch lange wohl und konnte enorm viel lernen. Als ich dann aber nach Engelberg gezogen bin, wusste ich schnell, ich möchte auch dort einen Raum finden, gab mir aber noch Zeit mich einzufinden und genoss den Winter in vollen Zügen. Dann – aus dem Nichts – fand mich der Raum von selbst, als ich mich bereit fühlte. Ich hatte gleich Schmetterlinge im Bauch vor Freude. Dann ging alles sehr schnell, ich informierte meine KlientInnen und drei Wochen später zog ich in Engelberg in meine neue Praxis. Ich bin sehr happy mit dem Raum, es gibt so eine frische Energie. 

Liliane: Ich erlebe laufend viel Schönes in meiner Shiatsupraxis. Im verbalen und im nonverbalen Dialog. Als eine von vielen schönen Rückmeldungen kommt mir spontan in den Sinn, wie eine Klientin berichtete, dass sie heute an einem ganz anderen Punkt stehe als früher und mit ihrem veränderten Gefühl für sich und ihren Körper verschiedene Situationen in ihrem Leben auf eine positive Art und Weise bewältigen könne, wie sie es nie für möglich gehalten hätte. Genau darum geht es. Die Komplementärtherapie stärkt die Selbstwahrnehmung, Selbstregulation und Genesungskompetenz. Die therapeutische Arbeit mit meinen KlientInnen ist auch für meine persönliche und berufliche Entwicklung sehr wertvoll und ich schätze das Vertrauen, welches mir meine KlientInnen entgegen bringen.

Was beeindruckt dich am meisten an Shiatsu? Inwiefern sind da auch die KT-Aspekte wichtig, also die der KomplementärTherapie?

Claudia: Ich bin immer wieder beeindruckt, was mit so wenigen Hilfsmitteln in der Begegnung zwischen KlientIn und TherapeutIn passieren kann. Der Körper erinnert sich in seinem Tempo wieder an die Selbstheilungsprozesse und es kann ganzheitlich eine nachhaltige Veränderung in Gang gesetzt werden. Die Prozessphasen gemäss dem KT-Berufsbild «Begegnen, Bearbeiten, Integrieren, Transferieren» finde ich ein wunderbares Arbeitsinstrument für den ganzen Therapieprozess, für mich selbst und für die KlientIn, die dadurch eine aktive Rolle übernimmt.

Jeannine: Mich beeindruckt vor allem, wie schnell und wirksam Shiatsu ist. Die KT-Aspekte sind immer vorhanden und nicht wegzudenken für den Prozess jeder einzelnen KlientIn. Ich finde, das ist ein Zusammenspiel, aber auch individuell anwendbar, je nach dem, was eine KlientIn gerade braucht, um sich weiterzuentwickeln. 

Liliane: Shiatsu ist eine Methode aus der KomplementärTherapie, welche sich praktisch für jedermann eignet, besonders in schnelllebigen Zeiten wie diesen. Mich beeindruckt, wie durch die körper- und prozesszentrierte Arbeit, in Verbindung mit Anleitung und Gespräch, Bewusstseinsprozesse initiiert und so gesundheitshemmende- und fördernde Verhaltensweisen erkannt werden. Auch wie das Erkennen und Nutzen von Ressourcen die Gesundheit und das Wohlbefinden nachhaltig verbessern können. Durch Shiatsu können neue oder bestehende Ressourcen entdeckt werden. — Besonders schätze ich die ganzheitliche Arbeit, also den Einbezug von Körper, Geist und Seele, Umwelt und Ernährung. In meinem Pflegeberuf liegt der Fokus auf den körperlichen Beschwerden, was die Möglichkeiten einschränkt und die Eigenverantwortung der PatientInnen weniger fördert. Das Übernehmen von Verantwortung für das eigene Handeln und den Umgang mit sich ist jedoch ein wichtiger Resilienzfaktor. — Shiatsu fördert die Selbstwahrnehmung, reguliert das vegetative Nervensystem und harmonisiert den Energiefluss. Es geht dabei ums Loslassen, Fliessen lassen. Kombiniert mit den KT-Aspekten, welche die Struktur und die Prozesszentrierung integrieren, ist es eine beeindruckende, wertvolle Therapieform, die viel abdeckt und ergänzt.

Wenn ihr zurück an «Shiatsu Basis» denkt, eure ersten Shiatsu-Übungen: Inwiefern haben sich eure – vielleicht beruflichen, therapeutischen, auch persönlichen – Erwartungen an Shiatsu bislang erfüllt? Hattet ihr überhaupt Erwartungen?

Jeannine: Wenn ich an den ersten Tag meines Shiatsu-Basis-Kurses denke, muss ich schmunzeln. Persönlich habe ich mich enorm weiterentwickelt, die ganze Ausbildung war sehr therapeutisch für meinen ganzen Werdegang, ich wäre bestimmt nicht da, wo ich jetzt bin, dafür bin ich extrem dankbar. Durch die Ausbildung habe ich aber auch meine Berufung gefunden, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Das erfüllt mich. Shiatsu hat mir eine Welt eröffnet, die grenzenlos ist. Da kann man einfach akzeptieren, dass man auch einfach mal SEIN darf. Und annehmen, was gerade ist, und sich wieder spüren. Es ist eine wundervolle und magische Arbeit. Als Therapeutin finde ich es wichtig, auch sich selber stetig zu reflektieren und sich weiterzuentwickeln. — Erwartungen zu haben im Allgemeinen finde ich nicht gesund, das kann einen auch aufhalten. Was mir aber fehlt, sind noch mehr Ressourcen und mehr Vielfältigkeit, aber dafür sind Weiterbildungen da. Da finde ich es wichtig zu spüren, in welche Richtung ich mich entwickeln und welche KlientInnen ich anziehen möchte und was der Mensch braucht gerade in der heutigen Zeit. 

Liliane: Ich hatte damals nicht wirklich Erwartungen. Ich war einfach fasziniert von der neuen Welt, die sich mir eröffnete. Gewohnt an Nadeln, Schläuche und invasive Massnahmen aus dem Pflegeberuf, hatte ich manchmal Zweifel, durch die eher sanfte Arbeit im Shiatsu tatsächlich etwas bewirken zu können. Ich habe aber bald herausgefunden, dass mit Druck, Berührungs-, Bewegungs-, Atem- und Energiearbeit sehr viel bewirkt werden kann. — Shiatsu ist Berührung, die bewegt. Das darf ich immer wieder erleben und erfahren.

Was sind eure nächsten Pläne?

Claudia: Es ist mir ein Herzenswunsch, noch mehr Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Ziel ist es deshalb, die Praxistätigkeit weiterhin auszubauen, damit ich zu gegebener Zeit drei Tage pro Woche in der Praxis arbeiten darf.

Jeannine: Meine nächsten Pläne sind, mich noch mehr mit der Hochsensibilität auseinander zu setzen. Da gibt es leider immer noch zu wenig Unterstützung, doch liebe ich eben die Arbeit mit hochsensiblen Menschen. Dafür ist auch Shiatsu eine geeignete Methode, eine feinfühlige Arbeit. — Auch möchte ich noch mehr Menschen unterstützen: im spirituellen Erwachungsprozess, in der Bewusstseinserweiterung und der Persönlichkeitsentwicklung. Dafür fühle ich mich berufen.

Liliane: Ich habe mir vorgenommen, mir in diesem Jahr nichts mehr vorzunehmen und mich erstmal von der HFP zu erholen und mich ganz meiner Praxis, meiner Familie und mir selbst zu widmen. — Langfristig kann ich mir vorstellen, auch durch Vorträge, Workshops oder Kurse meinen Beitrag zu leisten zu einem besseren Gesundheitsverständnis in unserer Gesellschaft. Auch liegt mir am Herzen, dass die KT auch in der Welt der Schulmedizin vermehrt bekannt und ergänzend genutzt und empfohlen wird. Dafür möchte ich mich vermehrt einsetzen. Ich denke, dass Lücken, die im Gesundheitswesen entstanden sind durch Personalmangel und Sparmassnahmen, durch die KT teilweise gefüllt werden können. Die therapeutische Begleitung von PatientInnen nach Spitalaufenthalten und in Regenerationsprozessen kann die Genesung positiv beeinflussen und beschleunigen. Auch wiederholte Arztkonsultationen aus Angst, Unsicherheit und Überforderung können vermindert werden. Die KT unterscheidet sich deutlich von der Alternativmedizin. Ein Unterschied, den viele nicht kennen. Es lohnt sich also, sich vertieft mit den verschiedenen Möglichkeiten auseinander zu setzen, damit jeder für sich den optimalen Weg und sämtliche Ressourcen finden und nutzen kann.

Danke sehr!

Claudia Sarri (1976) hat als Marketingplanerin gearbeitet, mit hoher Drehzahl und ohne herunterzuschalten, bis ihre Gesundheit sie gezwungen hat, sich neu zu orientieren. Shiatsu hat sie zuerst während der Genesung kennengelernt, dann auch als berufliche Möglichkeit und nun tatsächlich als Beruf: Soeben hat Claudia die Prüfung zur Shiatsu-KT-Therapeutin* bestanden, jetzt geht es ans eidg. Diplom. Freizeit hat sie jetzt auch, sie liebt die Natur, ist jeweils mit Bike, Jogging- oder Wanderschuhen unterwegs. Sie entspannt beim Kochen, und ihr Herz schlägt noch immer für Reisen in andere Länder – schliesslich hat sie ihre Lehre damals in einem Reisebüro gemacht und die dazugehörenden Reisemöglichkeiten genutzt.

Shiatsu Seelentau
Claudia Sarri
Bundesstrasse 25
6003 Luzern
078 239 78 78
www.seelentau.ch
shiatsu@seelentau.ch

Interview mit Claudia 2018: «Shiatsu hat mir eine komplett neue Welt gezeigt»

Jeannine Bühlmann (1984) hat ursprünglich Sportartikelverkäuferin gelernt, dann die Handelsschule und anschliessend Weiterbildungen im Personalwesen und in der Buchhaltung absolviert. Sie arbeitet Teilzeit im Back Office im Unternehmen ihres Vaters und ist dort für die Buchhaltung und das Personalwesen verantwortlich. In ihrer Freizeit interessiert sie sich für Skifahren, Langlaufen, Biken, Wandern, alles, was man in der Natur unternehmen kann, die Hauptsache ist, es ist vielfältig, Abwechslung ist Jeannine sehr wichtig. 

Jeannine Bühlmann
Blumenweg 3
6390 Engelberg
079 129 68 88
www.empora.ch
info@empora.ch

Interview mit Jeannine 2018: «Ich bin auf die Suche nach meiner Berufung gegangen»

Liliane Bernet (1979) ist Pflegefachfrau DNII HF und dipl. Expertin Notfallpflege NDS HF. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder, arbeitet Teilzeit auf der Notfallstation und seit ihrem Abschluss als Komplementärtherapeutin HPS in der Methode Shiatsu resp. dem damit verbundenen Branchenzertifikat OdA KT betreibt sie ihre eigene Shiatsupraxis. Ach ja, und Sport: Body Pump, Schwimmen, Joggen und Reiten.

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Liliane Bernet
Lielisloo 47
8965 Berikon
079 381 09 12
www.touchforbalance.ch
bernet@touchforbalance.ch

Interview mit Liliane 2018: «Heute Abend gehen wir feiern»

Einstiegsmodul Shiatsu Basis

So fängt es an

Studiengang Shiatsu KT (eidg. Diplom)

Das könnte das Ziel sein

Shiatsu KT Ausbildung & Diplom - Shiatsu Therapeuten Weiterbildung mit HPSL

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