«Es macht richtig Spass»

Ebikon, 20. August 2021 – Ilona Lypik, 32, wollte einen Beruf, der sie erfüllt. Darum ist sie jetzt in Ausbildung zur Naturheilpraktikerin TEN. Unterstützt wird sie dabei auch von einer Stiftung.

Ilona Lypik über ihre Entscheidung, Naturheilkunde TEN zu studieren: «Ich habe mein Leben auf den Kopf gestellt, um meinen Träumen zu folgen. Das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.» Bild: zVg

Ilona, du bist Deutschlehrerin, und du machst jetzt eine Ausbildung zur Naturheilpraktikerin TEN. Wie kam es dazu?

Ich bin direkt nach dem Studium in Krakau aus Polen ausgewandert. Leider konnte ich meinen Beruf in der Schweiz nicht ausüben, da mein Unidiplom nicht anerkannt wurde. Es hat mich nicht wirklich enttäuscht. Ich dachte, ich kann hier doch etwas Neues lernen und meine Deutschkenntnisse so nutzen.

Du hast also einen neuen Beruf gesucht?

Genau, es begann meine Entdeckungsreise nach dem, was ich wirklich möchte im Leben, wer ich bin, was mich erfüllt und glücklich macht. Ein Traumberuf heisst für mich, das erworbene Wissen und die Leidenschaft zu verknüpfen. Naturheilpraktikerin? Das schien mir lange unerreichbar. Mein Herz sehnte sich aber danach. Vor zwei Jahren war ich soweit und startete intensiv.

Warum gerade Naturheilkunde TEN?

Ich war schon immer fasziniert von der alten slavischen Kultur und vom Wissen in Bezug auf das Heilen. Ich bewunderte ältere Dorffrauen, die keine medizinische Ausbildung hatten, trotzdem waren ihre Methoden wirksam. Das waren Werkzeuge, die über Generationen von Mund zu Mund übermittelt wurden. Ich sah dort etwas Magisches und Kraftvolles. Ich habe etwas gesucht, das mir entspricht, und in der Naturheilkunde-TEN-Ausbildung ist vieles von dem alten Wissen enthalten. Es ist abwechslungsreich und mit der Kultur, in der ich aufgewachsen bin, verbunden. Das war für mich entscheidend.

War es dann einfach für dich, diese Entscheidung zu treffen?

Die Entscheidung selbst war nicht schwierig zu treffen. Ich wusste, welche Studienrichtung ich machen möchte. Es gab eher persönliche Fragen: Ich hatte damals keinen Ausblick auf finanzielle Unterstützung, lebte alleine, weit weg von der Familie in der Schweiz. Ich bin auch der Meinung, dass man gewisse innere Reife für diese Ausbildung braucht.

Innere Reife, was meinst du damit?

Ja, ich habe mich die letzten paar Jahre intensiv mit mir selbst beschäftigt und habe den Eindruck, dass ich meinen Prozess erst angefangen habe. Ich machte auch einen fünf Jahre langen Weg zu meiner Genesung. Ich hatte eine Krankheit, die nach westlicher Medizin eine lebenslange medikamentöse Behandlung braucht. Dabei haben mir verschiedene Methoden der Alternativmedizin geholfen, wie u.a. Akupunktur, Homöopathie, Energiearbeit, Familienstellen, Ernährung und Supplements. All das machte mich bereit und sicher: Diese Richtung gehe ich.

Du hattest im März 2019 deinen ersten Kurs besucht. Wie hat sich dein Leben, dein Alltag seit da verändert, wenn überhaupt?

Ich musste anfangen, sehr gut zu planen. Für mich – einen künstlerischen Geist, der gerne die Freizeit spontan gestaltet – war es anfangs eine Herausforderung. Einen Grossteil der Zeit, die ich früher fürs Malen, Singen, Gitarrespielen und Bücherlesen genutzt hatte, verbrachte ich nun mit Lernen, vor allem für die westliche Medizin. Und ich freundete mich langsam mit dem Buch «Naturheilpraxis heute» an.

Hast du während deiner Ausbildung nebenbei gearbeitet?

Ja, da ich im ersten Jahr kein Stipendium bekommen habe, arbeitete ich 80% als Kellnerin und den Rest der Woche war ich meist in der Schule. Es fehlte mir Freizeit, ich war müde und hatte wenig Kapazitäten fürs Selbststudium, was enorm wichtig wäre. Dazu kam noch der Schulweg, der von Liechtenstein nach Ebikon circa zwei Stunden in Anspruch nimmt. Ich spreche dieses Thema absichtlich an, denn ich finde, dass es viele StudentInnen an der Heilpraktikerschule Luzern gibt, die richtig weit aus der eigenen Komfortzone rausgehen. Für mich sind das stille Helden, die trotz allen Unbequemlichkeiten konsequent bleiben und ihr Ziel im Auge behalten.

Und wie sieht dein Alltag heute aus?

Der ist jetzt viel harmonischer geworden, seitdem ich ein Stipendium bekommen habe. Ich konnte mein Arbeitspensum auf 60% reduzieren. Ich besuche aktuell Kurse, lerne für kommende Prüfungen, behandle Bekannte daheim, gehe zur Arbeit und erhole mich dazwischen. Manchmal finde ich sogar Zeit für meine kleinen Kunstarbeiten. Die Wochen sind gut gefüllt.

Hast du einen Raum zum Üben für deine FreundInnen und Bekannten?

Ja, ich habe bei mir zuhause einen Behandlungsraum eingerichtet. Dort kann ich üben, was ich bis jetzt gelernt habe, vor allem klassische Massage und Fussreflexzonenmassage. Im Einsatz sind auch Schröpfglaser und Akupunkturnadeln. Es macht richtig Spass, das Gelernte sofort einzusetzen. Es gibt mir viel Energie, ich lerne die Methoden und den Umgang mit den Menschen und mir selbst besser kennen.

Dann bringst du also Arbeit und Schule unter einen Hut?

Ja, wie ich vorhin erwähnt habe, arbeite ich momentan 60% in einem Sushi-Restaurant und die Auslastung der Ausbildung liegt auch bei 60%. Es klingt nach viel und ist viel, aber mit einer guten Organisation geht es. An dieser Stelle möchte ich noch sagen, dass ich von Anfang an von meinem Chef unterstützt wurde, indem er meinen Arbeitsplan nach den Schultagen gestaltet. Ich finde solch eine Geste nicht selbstverständlich und bin dafür enorm dankbar.

Du hast ein Stipendium erwähnt, wie machst du das mit der Finanzierung?

Eine Stiftung übernimmt einen Sechstel aller Schulgebühren. Und den Rest der Gebühren meistere ich alleine.

Mit Fussreflex hast du deinen ersten Abschluss auf dem Weg zur NaturheilpraktikerIn TEN. Was ist dein nächstes Ziel?

Mein nächstes Ziel ist die Prüfung der Klassischen Massage, die ich für November dieses Jahres geplant habe.

Zum Schluss: Was würdest du jemandem raten, der noch nicht sicher ist, ob er eine Ausbildung starten soll?

Wenn man sich nicht sicher ist, steht offensichtlich etwas dazwischen. Es wäre auf jeden Fall gut, sich Fragen zu stellen wie: Ist dieser Beruf wirklich etwas für mich? Aus welchem Grund möchte ich ihn machen? Kann ich mir vorstellen, dass mich diese Arbeit erfüllt? Halten mich Zweifel zurück, ob ich es überhaupt meistere? Wieso glaube ich nicht an mich? Gibt es eine andere Richtung, die mich noch interessieren würde?

Das sind ja einige Fragen…

…ja, und zudem gibt es an der Schule die Möglichkeit, reinzuschnuppern. Dabei kann man mit StudentInnen in Kontakt kommen und bei ihnen direkt nachfragen. Das ist sehr hilfreich. Ausserdem ist das modulare System super. Man kann einfach mal ein Modul buchen zum Start. Es macht die Sache im Falle von Unsicherheit leichter. Und schlussendlich ist es gut, aufs Herz zu hören. Unser Verstand mischt sich gerne ein.

Danke, Ilona.

Gern, Veronika

 

Das Lehrbuch «Naturheilpraxis heute» ist bei vielen HPS-Ausbildungen Pflichtlektüre. Die Google-Suche dazu, hier.

Ilona Lypik lebte bis 2012 in Polen und war Deutschlehrerin. Heute behandelt sie als angehende Naturheilpraktikerin bereits FreundInnen und Bekannte. In der Freizeit ist sie gerne in der Natur: Sie geht joggen und biken, liebt veganes Essen und bunte Farben. Und seit Neuem knüpft sie Makramees.

Naturheilkunde TEN

Studiengang mit Ziel eidg. Diplom

Naturheilkunde TEN: Naturheilkunde & Praktiker Ausbildung