Mönchspfeffer aus Sicht von TEN und TCM

Ebikon, 24. März 2022 – Er wurde zur Arzneipflanze 2022 gewählt, vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde: der Mönchspeffer. Wir fragen unsere TEN- und TCM- DozentInnen Fabian Hodel und Ursula Wihler, was diese Heilpflanze so drauf hat.

Foto vom Strauch des Mönchspfeffers, Vitex angus-castus

Tonisiert Yin und Yang, ist in der Frauenheilkunde nützlich. Und hoch dosiert, mindert Mönchspfeffer männliche Lust. – Foto: Pixabay

Mönchspeffer ist Arzneipflanze 2022, gewählt vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde, Würzburg. Vitex agnus-castus, so der wissenschaftliche Name, wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin TCM und der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde TEN angewendet; die Ayurveda-Medizin hingegen nutzt diese Pflanze nicht.

Wir fragen Fabian Hodel, Therapeut und Dozent der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde TEN, und Ursula Wihler, Therapeutin und Dozentin der Traditionellen Chinesischen Medizin TCM: Was hat es mit dem Mönchspfeffer in den jeweiligen Methoden so auf sich? 
 

Foto von Ursula Wihler, Heilpraktikerschule Luzern

Aus Sicht der TCM – Mönchspeffer tonisiert sowohl das Yin wie auch das Yang

Vitex agnus-castus setze ich gerne bei Menstruations- und Wechseljahrbeschwerden zusammen mit anderen Kräutern ein. Denn je nach Beschwerdebild ist es sinnvoll, mit weiteren Kräutern, wie z.B. der Traubensilberkerze, dem Frauenmantel und anderen Pflanzen die gewünschte Wirkung zu verstärken, je nachdem, ob ich noch mehr das Yin oder Yang tonisieren möchte, oder mehr den freien Fluss der Energien unterstützen will.

Er wird auch Keusch-Lamm genannt, so die Übersetzung des wissenschaftlichen Beinamens agnus-castus, weil es den starken sexuellen Drang eines Mannes zu mindern vermag, vor allem bei höherer Dosierung – dazu passt auch der Name Mönchspfeffer: Angeblich haben die Mönche diese Pflanze in ihren Klostergärten genau für diesen Zweck angebaut und die reifen Früchte dann als Pfefferersatz konsumiert; diese Samen schmecken ja bitter und scharf. 

Die Libido einer Frau hingegen, die vermag diese Pflanze anzuregen bzw. in Balance zu bringen, denn Mönchspfeffer tonisiert das Yin und das Yang – das ist das Beste, um gesund zu sein; und er bewegt obendrein noch das Qi. Letzteres ist für alle Blockaden und Stockungen im weiblichen Hormonhaushalt bewegend, so beseitigt es Menstruationsstörungen, Wechseljahr- und PMS-Beschwerden. 

Da die Pflanze hormonwirksam ist, ist sie auch in der Lage, unsere Psyche wieder mehr in das Gleichgewicht zu bringen. Sie hilft gegen zu viel Yang in Form von Reizbarkeit, gegen zu viel Yin in Form von Depressionen und gegen Gefühlsschwankungen. Der Mönchspfeffer bewegt ja das Qi, d.h. die stagnierte Energie.

Aber es ist wie immer – es kommt auf die Dosierung an, in niedriger Dosierung kann es auch die Impotenz eines Mannes verhindern. 

Man kann Mönchspfefferpräparate einfach so kaufen; ich empfehle aber, eine TCM-TherapeutIn aufzusuchen: So wird Mönchspfeffer richtig dosiert und ggf. mit anderen Kräutern der individuellen Situation der PatientIn angepasst; ausserdem werden so alle Kontraindikationen und Wechselwirkungen geklärt, denn Mönchspfeffer sollte zum Beispiel nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden.

Ursula Wihler, Diplomagraringenieurin, TCM-Therapeutin, Dozentin an der Heilpraktikerschule Luzern, eigene Praxis: www.praxisnoreisana.ch 

Foto von Fabian Hodel, Heilpraktikerschule Luzern

Aus TEN-Sicht: Er wärmt, bewegt und zerteilt zähe oder verunreinigte Feuchtigkeit

Die humorale Qualität der Mönchspfefferfrucht ist wärmend, befeuchtend / nährend und trocknend. Der Geschmack scharf (wie Pfeffer). Somit wirkt er erwärmend, bewegend / zerteilend auf zähe oder verunreinigte Feuchtigkeit. Zudem öffnet und entstaut der Mönchspfeffer die Milz und Gebärmutter und fördert den Lymphfluss.

Mönchspfeffer wirkt anregend auf die Progesteronbildung, hormonregulierend, zyklusregulierend, prolaktinregulierend, verdauungsfördernd und in hohen Dosen anaphrodisierend für Männer, also die sexuelle Lust hemmend. 

So wurde der Mönchsfeffer in der Heilkunde der Antike vor allem verwendet, um eine kinderlose Ehe zu führen. Dafür sollte der Mann 3 Monate lang 2 x täglich 12 Körner kauen. Auch die Mönche in den Klöstern machten sich dieses Wissen zunutze, um frei von menschlicher Begierde leben zu können, daher auch der Name «Mönchspfeffer». 

In der Frauenheilkunde nutzt man den Mönchspfeffer insbesondere bei Symptomen wie Reizbarkeit, Nervosität, Ängstlichkeit, Brustschmerzen, Ödemneigung, Depressionen und Kopfschmerzen, vor allem, wenn diese Symptome mit PMS zusammenhängen; auch bei Wechseljahr-Symptomatiken, Zyklusstörungen wie Amenorrhöe, Oligomenorrhöe, Polymenorrhöe; sowie bei Unfruchtbarkeit, Menstruationsbeschwerden mit Blähungen, Krämpfen, Verdauungsstörungen und ähnlichen Beschwerden. 

Bei Männern ist der Mönchspfeffer ein Multitalent in der Behandlung sexueller Störungen wie Hypersexualität, aber auch bei erektiler Dysfunktion oder sexueller Unlust. 
Selber habe ich Mönchspeffer noch nie verschrieben. Andere Pflanzen schienen mir bislang naheliegender und passten besser zu den patientInnenspezifischen Symptomen.

Es ist übrigens so: Der Mönchspfeffer hemmt bei den Männern tatsächlich die Lust, dazu muss er aber in hohen Dosen eingenommen werden. Aber Achtung: In niedriger Dosierung regt er die männliche Lust an! So heisst es wie bei vielen Arzneipflanzen: Die Dosis macht‘s!

Achtung: Es gibt einige Präparate, die man einfach so kaufen kann. Besser ist es, eine TEN-TherapeutIn einzubeziehen: Mönchspfeffer kann Nebenwirkungen hervorrufen wie juckende Ekzeme, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Ebenso besteht die Gefahr von Wechselwirkungen mit Medikamenten. Und bei Hypophysentumoren, Brustkrebs und während einer Schwangerschaft bzw. Stillzeit sollte kein Mönchspfeffer eingenommen werden!

Fabian Hodel, Milchtechnologe EFZ, dipl. Herbalist, Naturpädagoge und Phytotherapeut und Dozent an der Heilpraktikerschule Luzern, www.faszination-natur.ch 

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