«In allen Variationen»

Ebikon, 10. Mai 2016 – TCM-Ernährung hilft nicht nur Erwachsenen, sondern auch Kindern. Irène Schumacher, TCM-Therapeutin und Dozentin an der Heilpraktikerschule Luzern, im Interview.

Ehemals Kindergärtnerin, jetzt diplomierte Therapeutin für Traditionelle Chinesische Medizin TCM und für Shiatsu: Irène Schumacher empfiehlt in ihrer Praxis auch die Ernährung nach TCM.

Irène, was isst du am liebsten?

Am liebsten habe ich, wenn es auf dem Teller farbenprächtig aussieht und nach frischen Kräutern und Gewürzen duftet. Sei es ein gutes Stück Biofleisch mit frischem Gemüse vom Markt und etwas Stärkehaltigem wie Reis, Buchweizen und Quinoa. Oder einen Linseneintopf, ein feines Curry oder Suppen in allen Variationen.

Ist das auch aus TCM-Sicht gut für dich?

Ja, diese Art von Essen tut mir gut. Als «fast vegetarische Familie» haben wir früher sehr viele Milchprodukte gegessen, um das fehlende Fleisch zu kompensieren. Inzwischen machen wir das eher mit Hülsenfrüchten in Kombination mit Vollwertgetreide. Natürlich gibt’s ab und zu auch Käse, ich koche aber eigentlich nicht mehr mit Rahm. Für ein Söseli nehme ich lieber einen Esslöffel Mandelmus und rühre es in etwas Bouillon ein, bis die Sauce sämig ist.

Was ist das Besondere an der TCM-Ernährung?

TCM-Ernährung entstand aus dem Verständnis der traditionellen chinesischen Medizin TCM, wo der Mensch als einzigartiges Individuum angeschaut und auch als solches behandelt wird. Die Ernährung nach TCM soll helfen, die Gesundheit zu erhalten, Krankheiten vorzubeugen, auch Genesung voranzutreiben. Dies geschieht mit energetisch und saisonal angepasster Ernährung. Das entspricht auch unseren westlichen Ernährungs- und Geschmacksgewohnheiten.

Bei welchen Indikationen ist TCM-Ernährung geeignet?

Im Vordergrund stehen natürlich Magendarmerkrankungen, Blähungen, Übergewicht, Diabetes, also alles, was mit der Verdauung zu tun hat. Nicht zu unterschätzen ist die Wirkung der Ernährung nach TCM je nach Ursache auch bei Atemwegserkrankungen, Erkrankungen im Harnsystem, Hauterkrankungen, Erkrankungen am Bewegungsapparat wie Rheuma, Gicht, usw. Vielleicht denkt man bei Migräne, Schlafstörungen oder Zyklusstörungen nicht gerade an die Ernährung, es lohnt sich aber, auch hier mal hinzuschauen. Oft ist es aber schon schwierig, gewohnte Ernährungsmuster zu verlassen und sich auf Neues einzustellen. Wenn man es aber schafft, lässt der Erfolg nicht auf sich warten, und dieser Erfolg motiviert dann weiter.

Du behandelst ja auch Kinder. Gibt es Indikationen, die bei Kindern besonders im Vordergrund stehen? Zucker?

Typische Indikationen bei Kindern sind Verdauungsstörungen, Atemwegsbeschwerden und Hauterkrankungen. Ich denke, der Zucker allein ist nicht unbedingt das Hauptproblem. Ich treffe immer wieder Kinder, welche praktisch keine Gemüse und Früchte, dafür Unmengen an Kohlenhydraten, wie Teigwaren, Brot, Crackers und solche Sachen essen. Auch Wurstwaren sind bei Kindern sehr beliebt. Diese Lebensmittel, ohne genügend Ballaststoffe, machen die Verdauung eher träge und können mitbeteiligt an oben erwähnten Beschwerden sein.

Milch soll ja auch so ein Thema sein?

Ja, besonders bei immer wiederkehrenden Erkältungen schaue ich mit den Eltern vor allem die Menge des Milchkonsums an. Ich empfehle ihnen, Milch für eine gewisse Zeit zu reduzieren, Bananen wegzulassen, da sie sehr süss und verschleimend wirken, und vor allem Kombinationen von Milchprodukten und Zucker zu vermeiden. Also keine Schoggimilch, keine süssen Joghurts und Quärkli. Schlussendlich geht es beim Essen meist um zu viel oder zu wenig. Alles im gesunden Mass sollte für die meisten Menschen ganz gut passen.

Danke, Irène, für das Gespräch.

 

Irène Schumacher ist diplomierte Therapeutin für Traditionelle Chinesische Medizin TCM sowie für Shiatsu. Als ehemalige Kindergärtnerin arbeitet Irène gerne auch mit Kindern. An der Heilpraktikerschule Luzern unterrichtet Irène «Ernährung nach den 5 Elementen»; sie hat ihre Praxis in Dierikon.

 

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