«Benutze deinen Geist, um dein Gehirn zu ändern»

Ebikon/ Luzern, 5. Oktober 2016 – Auf Vortragsreise quer durch Europa hatte Don Joseph Goewey auch Zeit, an der Heilpraktikerschule Luzern vorbeizukommen. Am öffentlichen Vortrag vom 27. September 2016 an der Heilpraktikerschule Luzern ging es um Stress, seine Auswirkungen und wie man ihn beendet.

Zeigt, wie man mit einfachen Übungen Stress innerhalb von acht Wochen überwindert: Don Joseph Goewey an einem öffentlichen Vortrag an der Heilpraktikerschule Luzern. Foto: Maya Jörg

Für diese Vorträge ist Don Joseph Goewey extra aus Kalifornien angereist, er hat ja auch sein neues Buch zu vermarkten, es heisst «The End of Stress», auf deutsch leider etwas kriegerisch übersetzt: «Stress für immer besiegen».

Also, Dienstagabend, 19 Uhr, eine Viertelstunde vor seinem Vortrag, der grösste Schulungsraum der Heilpraktikerschule Luzern füllt sich, über 150 Personen werden es dann sein. Humorvoll, locker, Scherze mit Monika Lanz, sie wird seinen Vortrag übersetzen. Monika Lanz kennt sich als Coach, Trainerin des Zürcher Ressourcen-Modells und als Coaching-Dozentin der Heilpraktikerschule Luzern mit dem Thema auch ein wenig aus, ausserdem ist sie tatsächlich Übersetzerin, war es, bis sie sich ins Coaching aufmachte. Um es vorwegzunehmen: Die beiden, Don und Monika, harmonierten wunderbar.

Aber es zählt ja der Inhalt.

Stress sei nicht gut. Das wissen die meisten Anwesenden, doch Don Joseph Goewey erklärt genau, warum. Dabei merkt man, dass er meistens vor Leuten spricht, die Berührungsängste mit solchen Themen haben, sich Schwächen nicht zugestehen, zumindest nicht vor anderen, oft auch vor sich selbst nicht: Manager von Grosskonzernen. Deshalb hat Goewey alles, was er sagt, mit Studien unterlegt. Manager wollen kein vermeintliches Wischiwaschi, sie wollen Fakten. Goewey war ja selber so ein Manager, der rannte und rannte, sich in Ineffizienzen verhedderte und zuoberst auf der Karriereleiter rausgeschmissen wurde. Dann die Angst, seine kleinen Kinder ohne Job, dazu nur schlecht versichert, nicht ernähren zu können. Hirntumor, Ehekrise.

Doch: Genau da, in einer dieser schlaflosen Nächte, Blick ins Dunkle der Nacht, sei der Moment eingetreten, da er erkannte: «Die ganze Angst, diese Scham, der ganze Stress, das alles ist nur meine eigene Vorstellung.» Im Saal war zu spüren: Goewey spricht nicht ins Blaue. «Stress kills», sagt er, Stress töte. Er verändere die Gehirnstrukturen, lasse höhere Gehirnfunktionen auf blosse Angstreaktionen schrumpfen. Nach diesem Aha-Erlebnis sei alles besser geworden, sogar vor der Tumoroperation habe er keine Angst mehr gehabt. Und in den verbleibenden Wochen im Job sei er so effizient und gut gelaunt geworden, dass er gleich eine andere Stelle auf ähnlichem Niveau erhielt.

Die Neurowissenschaft sagt:

Stress verdrahte unser Gehirn auf eine Weise, die sich auf Aktivitäten der Amygdala zentriere. Das ist der Hirnteil, der für Angst und Aggression zuständig ist. Doch das meiste, vor dem wir uns sorgen würden, treten niemals ein, sogar fast nichts davon, auch dazu gab es Studien. Dass es so sei, dass also Stress vor allem im Kopf stattfinde, so Goewey, sei eine gute Nachricht. Denn dann könne man das Gehirn sozusagen neu verdrahten. Diesen Ausweg aus Stress und Angst und Amygdala-Fokussierung sei möglich durch die sogenannte Plastizität des Gehirns: Die Neurowissenschaft sagt, das Gehirn könne neu verdrahtet werden, und zwar schnell, nämlich innerhalb von sechs bis acht Wochen.

Und konkret, wie macht man dem Stress ein Ende?

Wie verdrahtet man sein Gehirn neu? Indem man die Einstellung ändere, so Goewey: «Use your mind to change your brain», nutze deinen Geist, um dein Gehirn zu ändern. Zuerst sollte man sich eingestehen, dass man tatsächlich Stress hat. Dazu verteilte Goewey den Fragebogen, der auch von Forschern genutzt wird. Manch eigentlich entspannter Zuhörer hebt die Brauen über das Resultat, das er da erzielt. Könnte es sein, dass man doch gestresster ist, als man so annimmt?

Danach präsentiert Goewey die wichtigste Übung, nämlich den Tag in Ruhe zu beginnen: Eine Woche lang – eigentlich dann das ganze Leben – solle man jeden Morgen etwas früher aufstehen und sich für fünf bis zehn Minuten still hinsetzen. Den Kopf auf die Brust sinken lassen, einatmen und den Tag begrüssen und dabei an das Gute denken, das einem im Leben geschehen ist, in Dankbarkeit. Dieses Atmen bringe Sauerstoff ins Gehirn, die Konzentration auf das Gute und die Dankbarkeit stimme positiv für den Tag. Man solle sich versprechen, diesen Tag ruhig und friedvoll zu bleiben.

Eine zweite Übung widmet sich den Gedanken. Man solle sie wahrnehmen, aber ziehenlassen. Es sind Wolken am Himmel. Man können sich auch überlegen: Was für eine Erfahrung würde ich machen, wenn ich diese Gedanken nicht hätte. Und dann, nach einer gewissen Übungszeit, klappe das auch: «Let your mind completely go blank», lass deinen Geist komplett leer werden.

Und der «Clear-Button», vielleicht besser als «Klar-Knopf» denn als «Löschtaste» übersetzt. Diesen Klar-Knopf hat man mitten in der Handfläche, und mit seiner Hilfe kann man sich in einer stressigen Situation schnell beruhigen: mit dem Daumen mitten in die Handfläche drücken und während dem Folgenden die ganze Zeit gedrückt halten: einatmen, dabei «eins» zählen, ausatmen, dabei «rot» denken; wieder drücken, einatmen, dabei «zwei» zählen, ausatmen, dabei «blau» denken; und der letzte Durchgang: einatmen, dabei «drei» zählen, ausatmen, dabei «grün» denken, jetzt noch einmal einatmen und beim Ausatmen den Geist einfach gehen lassen. Interessanterweise, so ergänzte Schulleiter, TCM- und Shiatsutherapeut Peter von Blarer später, sei der Klar-Knopf ein Akupunkturpunkt, nämlich Perikard 8, laogong, übersetzt: der «Palast der Mühen».

Goewey war schon in den frühen 70ern in Luzern.

Damals, sagt er, sei er aus den USA geflohen. «In these times, there was a desire for the world to change», sagt er, damals habe es den Wunsch gegeben, die Welt zu verändern. Es war die Zeit des Vietnam-Krieges. Es gab Protestbewegungen, Flowerpower, die Musik. Ein völlig neues Gefühl für Babyboomers wie ihn. Doch all die Gewalt, die darauf folgte, da habe er einfach wegmüssen, das habe er nicht ausgehalten. Da bleibt die Frage, die wir noch hätten stellen sollen: Inwiefern gehört es zum Beenden von Stress, die Lebenssituation zu verändern? Vielleicht das nächste Mal.


Das Buch von Don Joseph Goewey mit Übungen:

Lesen Sie auch das Interview mit Don Joseph Goewey:

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