Sommerferien, Yang und das restliche Jahr

Luzern, 19. Juli 2017 – Wir leben uns in einen Yang-Mangel hinein und versuchen das mit Qi-Verlust zu kurieren. So schlittern wir noch mehr ins Ungleichgewicht. Wer es anders macht, lebt begeistert.

Ulrike von Blarer: «Ferien sind wunderbar: Man befreit sich von alltäglichen Aufgaben, betrachtet den Alltag aus einer anderen Sicht. Das gibt Raum für Neues und Kreatives – in der Ruhephase wächst der Keim!» Photo: HPS

Ferien. Sommer. Es könnte alles so schön sein. Das ganze Jahr sehnt man sich danach. Jetzt sind die Sommerferien da, ab in die Hitze, an den Strand. 

Aus Sicht der TCM zeigt das, dass man im Rest des Jahres einiges falsch macht. Viele ernähren sich zu kalt, zumal unser Klima eh schon kühl ist. Zwei einfache Beispiele: Glace im Winter, eisgekühlte Getränke. Dazu kommt, dass man sich zu leicht kleidet, zum Beispiel die Nieren zu wenig wärmt. Und genügend Schlaf erlauben sich die wenigsten. So stellt sich früher oder später ein Yang-Mangel ein.

Die Folge: Man will dieses Yang mit der Sonne hereinholen, Sommer ist ja die yangiste Jahreszeit. Und so geht man in die heissen Mittelmeerländer. Hier schwitzt man Tag und Nacht, das heisst, man leidet nicht nur an einem Yang-Mangel, sondern auch noch an einem Qi-Verlust. Aber man hat halt einfach die Idee, Sonne und Hitze wären soooo gut. Die Griechen, Spanier, Italiener ihrerseits versuchen der Hitze zu entgehen, gehen im Sommer in den Keller wohnen, etwas pointiert gesagt, und überlassen die heisse Wohnung im 1. oder 2. Stock uns dummen Nordländern.

Nun, sind wir wirklich so dumm? Leben uns in einen Yang-Mangel hinein, versuchen das mit Qi-Verlust zu kurieren, schlittern so noch mehr ins Ungleichgewicht. Ich werfe niemandem etwas vor, es ist ja klar: Partnerschaft, Familie, Beruf, Einkommen, es ist nicht alles ganz leicht. Es ist kaum möglich, sich dem Druck zu entziehen, früh im Büro zu sein, über Mittag nur schnell etwas zu essen, meistens etwas Kaltes, siehe Yang-Mangel, und dann sitzt man wieder lange im Büro, später im Stau, zu Hause beantwortet man am Handy noch die neusten Emails, auch die Familie und die Partnerschaft fordern. Das ist anstrengend und überfordert schnell einmal, man sehnt sich nach Erholung. Da sind die Sommerferien das grosse Leuchten fern am Horizont.

Also mehr Work-Life-Balance? Da kann ich nur lachen – und weinen: Wenn Menschen danach ringen müssen, dann ist ihre Arbeit für sie zu wenig begeisternd. Natürlich, Balance ist wichtig, sonst kommt es ja zu so etwas wie dem Yang-Mangel. Ich meine es aber umfassender. Begeistert der Job nicht, sollte man anfangen, einen neuen zu suchen. Dadurch, dass man die Sommerferien herbeisehnt, wird der Job nicht begeisternder. Auch die Beziehung nicht besser. Mehr Zeit für die Kinder gibt es auch nicht. Es ändert sich nichts. Nach den Sommerferien geht es weiter wie vorher. Und Hand auf Herz, wie toll sind diese Ferien wirklich? Alles nur Harmonie in der Partnerschaft, in der Familie? 

Ferien sind etwas, das man täglich haben sollte, also gute Ernährung, begeisternde Arbeit, Zeit für die Liebe und auch für die Liebsten. Und etwas Freiraum: Zeit, in der ich von alltäglichen Aufgaben frei werde, da gibt es Platz in meinem Kopf für Neues und Kreatives. In der Ruhephase wächst der Keim, und Sommerferien, in diesem Sinn, sollten eine längere Phase der Abwechslung sein, damit eben Neues und Kreatives entstehen kann. Zwar ist für ein bis zwei Wochen auf Reisen zu gehen meist anstrengender als der Arbeit nachzugehen. Trotzdem tut ein Blick aus einer anderen Richtung auf das tägliche Leben meist gut, und inspiriert. Wenn ich es gewohnt bin, mich immer in Richtung Norden zu bewegen, kann die entgegengesetzte Richtung neue Inspirationen bringen. Und in mir einiges wecken.

Zusammenfassend kann ich sagen: Sollte ich je das Gefühl haben, Ferien nötig zu haben, dann stimmt etwas in meinem Arbeitsleben oder in der Beziehung nicht. Da helfen keine Ferien. Das einige, was hilft, ist, diese Situationen jeweils sofort zu klären. Die Beziehung zu besprechen, auch wenn es die ganze Nacht dauert. Den Job zu überdenken, auch wenn das ganz viel Mut erfordert, neue Ziele zu setzen, sie anzugehen, Schritt für Schritt.

Gegen Ferien spricht natürlich nichts, im Gegenteil, freuen wir uns auf diese Phase der Ruhe, des Entdeckens, der Inspirationen. Selber möchte ich zusammen mit Peter mit unserem Kajak „Holiday“ den Vierwaldstättersee umpaddeln. Täglich einige Kilometer rudern und irgendwo in einem netten Hotel übernachten, wir leben ja in einem wunderbaren Feriengebiet.

Liebe Grüsse

Ulrike von Blarer

Tipps gebe ich ja nicht gern, aber als Shiatsu-Therapeutin kann ich es nicht lassen, zumindest diesen zu geben: Gönnen Sie sich regelmässig ein Shiatsu, alle drei bis vier Wochen. Shiatsu ist eine sehr tief wirkende Behandlungsmethode, und gleichzeitig ist es die angenehmste, berührendste und entspannendste, die ich kenne. Ferien pur, könnte man sagen, probieren Sie einfach mal eines aus.