Lavendeln – so geht’s

Ebikon, 8. Januar 2021 – Von Aroma bis Vollbad, Lavendel für den Hausgebrauch.

Darf man gerne probieren: Lavendel. — Photo: https://pixabay.com, Lizenz: Pixabay License

Lavandula angustifolia beruhigt und sorgt für guten Schlaf, wirkt angstlösend, beruhigend und antidepressiv, auch bei nervösen Verdauungsbeschwerden eine gute Wahl. 

Natürlich, therapeutisch gilt es, ihn individuell anzuwenden, also basierend auf einer Anamnese, je nach Methode, wie jedes andere Heilkraut.

Hier erfährst du, wie du Lavendel im Alltag anwendest, also nicht-therapeutisch, eher so hobbymässig – jedoch, du wirst spüren und riechen und fühlen, er ist richtig wohltuend. Mach zuerst den Armbeugetest, siehe unten.

Achtung! Nur für gesunde Personen. Kranke und ältere Menschen klären mit der ÄrztIn oder TherapeutIn; Schwangere, Stillende und Kinder verzichten. Vorsicht bei Asthma und Epilepsie. Kann auch die Blutverdünnung hemmen. Je nach Empfindlichkeit kann Lavendel zu Kopfschmerzen führen.

Hinweis zu ätherischem Lavendelöl, auch einfach nur «Lavendelöl» genannt: Es gibt solche, die schon mit einem fetten Öl vermischt sind: Jojoba- oder Mandelöl. Das eignet sich ausschliesslich für die äusserliche Anwendung zum Massieren und Einreiben. Wir empfehlen aber 100% reines ätherisches Lavendelöl.

«Rein», weil es auch «Öle» gibt, die einfach Lavendeldüfte enthalten. Das hat nichts mit Aromatherapie oder Phytotherapie zu tun, macht häufig nur Kopfweh und ist nicht für Heilzwecke geeignet. 

Lavendelöl lässt sich übrigens problemlos direkt und unverdünnt einreiben und auf Brand-, Schnitt- und Schürfwunden, Insektenstiche geben.

Also, wie anwenden? Im Folgenden, alphabetisch.

Armbeugetest

Ein Tropfen ätherisches Lavendelöl in die Armbeuge geben, verreiben, vorsichtig. Wird die Stelle rot? Juckt sie? Gar Pusteln? Dann Finger weg von Lavendelöl. Höchstens, dass du etwas Lavendel-Tee probierst, lieber zuerst sehr schwach dosiert.

Aroma

Schlafstörungen? Oder einfach einmal wieder gut schlafen? Ein paar Tropfen Lavendelöl auf das Kopfkissen, das hilft auch unruhigen Babys. Wer einen Vernebler oder eine Duftlampe hat, darf Lavendel gern auch auf diese Weise ausprobieren. Das auch am Tag, vor allem bei Ängsten, Nervosität und Stress. 

Duftkissen

Getrocknete Blüten in ein Baumwollsäcklein geben, in den Kleiderschrank hängen. Für uns riecht das wunderbar frisch, für Motten zum Davonfliegen. Vielleicht gibt es deswegen so viele Lavendel-Waschmittel.

Einreibung

Etwa bei rheumatischen Beschwerden und Gicht: Lavendelöl einreiben, leicht massieren. Das hilft auch gleichzeitig bei gereizter und trockener Haut. — Lavendelöl ist eines der wenigen Öle, das man kleinflächig unvermischt direkt auf die Haut auftragen kann; für grossflächige Einreibungen: 30 Tropfen mit einem Trägeröl mischen, zum Beispiel Jojobaöl, 100 Milliliter davon.

Essig

Fettige Haut, Akne, los: Lavendelblüten, frisch oder getrocknet, in eine Flasche mit Essig geben, jeden Tag einmal gut schütteln, nach einer Woche abseihen, in eine Flasche füllen. Etwas Watte oder ein Tüchlein damit befeuchten und die Stellen abtupfen. Tut super gut. Das kann leicht brennen, aber das liegt an der zusätzlich desinfizierenden Wirkung des Essigs.

Kopfkissen

Lässt gut schlafen, und Milben mögen es gar nicht. Fürs Kissen braucht es Unmengen von Blüten, da kann man ein zusätzliches Füllmaterial nehmen, da bewähren sich Dinkelkörner.

Küche

Da kannst du ungehemmt ausprobieren: Zum Beispiel Geflügel lässt sich mit Lavendelblüten marinieren. Auch: Saucen. Lavendel-Torten, Lavendel-Eis. Lavendel-Butter, Lavendel-Salz, Lavendel-Marmelade. Lavendel-Deine-Kochlust.

Öl, 100% rein ätherisches, äusserlich

Nicht in die Augen und nicht auf Schleimhäute, ansonsten jedoch problemlos und hilfreich direkt ein paar Tropfen geben auf Abszesse, Akne, allergische Hautreaktionen, Ekzeme, Furunkeln, Hautgeschwüre, Insektenstiche, Juckreiz, Narben, Psoriasis, Sonnenbrand, Verstauchungen, Wunden aller Art, Zerrungen. Interessant: Bei Stress, zum Beispiel an einer Prüfung, einen oder zwei Tropfen auf ein Taschentuch geben und ab und zu dran riechen. Ab und zu wiederholen, sogar halbstündlich, bis es besser wird. — Zum Massieren mischst du das rein ätherische Lavendelöl mit einem fetten Öl, also Jojoba- oder Mandelöl. Es braucht nur wenige Tropfen Lavendelöl, einfach ausprobieren. Massiere dann bei Kopfschmerzen und Nackenverspannungen Stirn, Schläfen, Nacken. Und bei Ängsten, Nervosität, Schlafstörungen, Stress ist eine Ganzkörpermassage mit Lavendelöl sehr befreiend. — Nicht in die Augen, nicht auf Schleimhäute; jedoch lässt sich rein ätherisches Lavendelöl gut auf einen Tampon geben und in die Scheide einführen, um einer Neigung zu Reizungen und Pilzinfektionen entgegenzuwirken.

Öl, 100% rein ätherisches, innerlich

Das Lavendelöl – ist eines der wenigen ätherischen Öle – das sich sowohl innerlich wie äusserlich anwenden lässt. Nimmt man es innerlich, wirkt es wie der Tee. Dazu gibt man bis zu vier Tropfen in etwas Wasser oder auf ein Stück Würfelzucker. Am besten mit einem einzigen Tropfen starten. Einige sagen, es helfe auch bei Migräne, Krämpfen und Asthma bronchiale.

Spray

Eine 100ml-Sprühflasche. Hinein kommen vier Esslöffel klarer Alkohol über 40%, z.B. Vodka; acht bis zehn Tropfen rein ätherisches Lavendelöl plus ev. etwa ebenso viele Tropfen Citronellaöl, auffüllen mit destilliertem Wasser. Warum das alles? Mücken. Mücken mögen das gar nicht. — Vorsicht, nicht in die Augen sprühen. Nur auf die Haut bzw. bei Kleinkindern auf die Kleidung.

Sträusschen

Vor allem bei Kleinkindern, die partout nicht einschlafen wollen, ist ein Lavendelsträusschen, auch ein getrocknetes, das beste Mitbringsel des Sandmännchens. Wir sind überzeugt, im Schlaflied «La Le Lu» bezieht sich La auf den Lavendel.

Tabletten

Um Ängstlichkeit und Unruhe zu behandeln, werden von der Schulmedizin auch Lavendel-Tabletten verschrieben; zwar kommt es manchmal zu Magen-Darm-Beschwerden und allergischen Hautreaktionen, aber im Grossen und Ganzen sind sie besser verträglich als ihre synthetischen Gschpänli, die Anxiolytika und Benzodiazepine.

Tee

Gepflegt Tee zuzubereiten, das ist die KönigInnen-Disziplin. Zum Starten lieber mit weniger Blüten. Nimmst du zu viele, macht das vielleicht keine Freude, der Tee schmeckt dann wirklich nicht. — Also, wir übergiessen pro Tasse erstmal einen halben Teelöffel Lavendelblüten mit 250 ml heissem Wasser, es sollte nicht kochen. Das lässt sich dann bis auf zwei steigern. Nach fünf bis zehn Minuten abseihen, trinken, zwei- bis dreimal pro Tag. — Die Blüten holen wir aus dem eigenen Garten: am besten, wenn sie kurz vor der vollen Entfaltung stehen und früh am Morgen, da sind sie voller ätherischer Öle. Es lassen sich auch die getrockneten aus der Apotheke oder Drogerie verwenden. — Dieser Tee wirkt gegen Blähungen und nervöse Magen-Darm-Beschwerden, bringt Appetit. Und er beruhigt bei Ängsten und Nervosität, sogar bei zwanghaften Gedanken. Am Vortag einer Prüfung oder eines wichtigen Ereignisses empfehlen sich ein, zwei Tassen. Zum Einschlafen: vor dem Zubettgehen eine Tasse in ruhigen, kleinen Schlucken trinken. — Nimm ein Teeglas, dann siehst du die Lavendelexplosion. So ist das wie eine Zeremonie. Man könnte sogar sagen: wie eine japanische Teezeremonie für Leute, die dann doch nicht ganz so viel Zeit haben – und dennoch gut zur Ruhe kommen möchten.

Tinktur

Statt Tee geht auch Tinktur. So machst du sie: ein Glas mit frischem Lavendelkraut, also auch Blätter und Stängel, füllen, eine Handvoll. Dann kommt Schnaps dazu, Vodka mit über 40% eignet sich gut. Jetzt zehn Tage herumstehen lassen, ab und zu schütteln. Nach zehn Tagen abseihen und in eine Flasche füllen. — Täglich eine halbe Stunde vor oder eine Stunde nach den Mahlzeiten zehn Tropfen in ein Glas Wasser, trinken. Tipp: eine individuell mit anderen Kräutern auf deine persönliche Situation zusammengestellte Tinktur hilft besser. Geh dafür zu einer TCM-TherapeutIn.

Vollbad

Etwa 30 Tropfen rein ätherisches Lavendelöl ins Badewasser. Oder mit etwas mehr Aufwand: Etwa 50 Gramm frischer Blüten mit einem Liter heissen Wassers übergiessen; nach fünf bis zehn Minuten ins Badewasser abseihen. Geniessen. Vor allem bei Erschöpfung, Nervosität und Muskelkater. Und dank seiner antiseptischen Eigenschaften desinfiziert der Lavendel die Haut, kann sogar bei Hautpilzen helfen. In der Balneotherapie werden solche Bäder bei Kreislaufstörungen verschrieben. — Und wie angenehm dieses Bad ist: Der Duft beruhigt, besänftigt. Und bändigt den Alltag, er verschwindet hinter einem Feld blühenden Lavendels.

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