Kräuter-Tipp: Andorn, jetzt auf die Fensterbank

Ebikon, 8. März 2019 – Eine Vorkultur lässt sich einfach machen, die Kinder können mithelfen. Jetzt ist die Zeit dazu. Ulrike von Blarer sagt wie.

Andorn war jahrhundertelang eines der wichtigsten Heilkräuter. 2018 war es Heilpflanze des Jahres. Photo: Eugene Zelenko, Wikimedia Commons (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Ulrike, Andorn?

Ja, er riecht gut, fast süsslich, und ist als Tee aber richtig bitter. Und man kann mit ihm viel über Kräuterkunde lernen.

Inwiefern?

Zum Beispiel über das Anpflanzen, das Ernten und Aufbewahren, das Zubereiten. Das ist auch etwas, dass man gut mit den Kindern oder Grosskindern machen kann. Zumal der Andorn ziemlich unproblematisch gedeiht.

Wie hilft Andorn therapeutisch?

Als Tee löst er den Schleim, der auf den Bronchien sitzt, auch recht hartnäckigen. So hilft er bei trockenem Husten. Gurgelt man den Tee, hilft er gegen Entzündungen in Mund und Rachen. Ausserdem fördert er den Appetit, bringt die Verdauung in Schwung, und er lindert sogar Durchfall. Statt Tee kann man auch den frischen Saft der Pflanze nehmen, dazu muss man sie auspressen. Nebenwirkungen sind keine bekannt. Und er tonisiert das Qi, hilft bei Kreislaufschwächen, auch bei Blutmangel und ausbleibenden Monatsblutungen.

Hast du einen besonderen Tipp?

Vielleicht sollte man dem Tee ein paar Pfefferminzblätter beigeben, Andorn ist schon sehr bitter. Da kann man die Kinder etwas pröbeln lassen, da lernen sie viel. Eigentlich könnte man gleichzeitig auch ein Pfefferminz-Vorkultur starten. Da sieht man gleich die Unterschiede, Andorn braucht Sonne, Pfefferminz nicht. Beide gedeihen relativ problemlos.

Danke, Ulrike

Gern.

 

Also, Andorn (Marrubium vulgare) anbauen, so:

  • Samen gibt es online oder in Gärtnereien zu kaufen; sie sind sogar als «certified organic» also bio-zertifiziert erhältlich.
  • Vorkultur: Mitte März bis Anfang April ist die beste Zeit dazu. Eine Schale oder gleich ein Tontopf mit etwas Erde, Andorn-Samen hinein drücken, nicht zu fest.
  • Dann am besten auf die Fensterbank damit, voll in die Sonne.
  • Dabei die Erde immer leicht feucht halten, am besten mit einem Wassersprüher.
  • Nach drei Wochen keimen die Samen.
  • Etwa zwei Wochen später in den Garten übersiedeln oder in einen grösseren Topf auf den Balkon, immer schön in der Sonne, weiterhin leicht feucht halten.

Andorn ernten und anwenden, so:

  • Sobald er blüht, nimmt man die oberen Pflanzenteile mit den Blüten.
  • Einen Teil kann man trocknen; einfach in einem warmen Raum auf ein Tuch legen; sobald er trocken ist, dunkel verschliessen, z.B. in einer Dose.
  • Den frischen Teil kann man direkt mit heissem Wasser übergiessen, nach zehn Minuten abseihen, warm trinken.
  • Oder man presst den frischen Teil aus, man erhält einen Saft, den man direkt so trinken kann. Eventuell mit etwas warmem Wasser verdünnen.
  • In den Salat oder zu fettigen Speisen kann man ein paar frische Blätter zupfen. Wenige reichen. Wirklich.

Pfefferminze anbauen und ernten

Der Unterschied zum Anbau von Andorn: Mentha piperita braucht humusreiche Erde und ist anfälliger als Andorn, zum Beispiel für Erdflöhe. Die Jungpflanzen etwas länger geschützt halten und erst im Frühsommer in den Garten umtopfen; so, dass sie zumindest nicht in der Mittagssonne stehen. Die Blätter lassen sich abzupfen und verwenden, sobald sie da sind, vom Frühsommer bis weit in den August hinein.

Mehr zu Andorn, Marrubium vulgare

  • Andorn im Therapeutika, hier
  • Andorn als «Kraut des Monats» im Newsroom, hier
  • Pfefferminze im Therapeutika, hier

 

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